• Clara & Max

Привет россия

Moskau Moskau, wirf die Gläser an die Wand....

also fast, Moskau ist noch fast 800 Kilometer entfernt und aktuell sitzen wir in einem Restaurant in St. Petersburg und während Clara sich, um Instagram kümmert, schreibe ich mal wieder ein paar Zeilen zu unserer Erinnerung und eurer Unterhaltung.

Wir als Europäer und vor allem wir Deutsche haben scheinbar den mächtigsten Reisepass der Welt und können ohne großen Aufwand in fast jedes Land der Welt reisen. Bei der Beantragung des Russland Visa wurden meine Rückfragen zum Ablauf eher weggelächelt als beantwortet. „Nein, nein kein Problem, einfach hinfahren, die Zöllner sprechen Englisch und können bei Fragen helfen“. Super, wird also kein Problem!

Ich hatte, weil wir mit dem Auto einreisen, noch kurz nachsehen wollen, ob wir etwas Bestimmtes beachten müssen. Diese relativ einfache Frage war, in verschiedenen Foren und Blogs so, nennen wir es vielfältig, beantwortet, dass ich die halbe Nacht das Internet durchforstet, um mir etwas Klarheit zu verschaffen. Das Gegenteil war der Fall, je mehr ich las, desto verwirrter wurde ich. Um euch mein Gefühl etwas zu verdeutlichen, es war, als würde ich in Google suchen, was ich gegen Schmerzen im Handgelenk tun könnte. Diese Art von Suchen endet ausnahmslos bei einer unheilbaren Krankheit oder der Notwendigkeit sich Alufolie um den Kopf zu wickeln damit wir unsere Gedanken gegen die Aliens schützen können.

Ganz nach meinem, schon im Studium hervorragend funktionierendem Motto: „wer nichts macht, kann auch nichts falsch machen“, sind wir also ohne die, auf fast allen Seiten für unerlässlich erklärten, beglaubigten Übersetzungen unserer Unterlagen losgefahren. Dank meiner Recherche war ich zwar keinen Deut schlauer, dafür war ich aber müde und leicht gereizt. Das Wetter hatte sein Möglichstes dazu beigetragen und so steuerte ich unseren Bus bei strömenden Regen auf einer leeren Autobahn bis zur Grenze. Der finnische Beamte ließ uns nach einer kurzen Überprüfung unserer Pässe und Wagenpapiere, sowie der Frage, ob etwas zu verzollen wäre passieren, somit stand uns für die russische Grenze nichts mehr im Wege. Die nachts zuvor gelesenen Geschichten über Geld- und Gefängnisstrafe versuchte ich zu verdrängen und reihte uns hinten, in einer einspurigen und etwa einen Kilometer langen Autoschlange ein. Nachdem wir ca. 30 Minuten ausharrten, in denen wir sage und schreibe drei Autolängen nach vorne gutmachen konnten, klopfte es plötzlich an die Scheibe und die freundliche Russin hinter uns sagte wir dürfen an der Schlange vorbei ganz nach vorne fahren. Die Freude währte nur kurz, da Sie noch hinzufügte, dass wir trotzdem deutlich länger brauchen werden als sie.



An den über 100 wartenden Autos vorbei fuhren wir bis ganz vor an den, von einer leicht maskulin wirkenden Russin bewachten Schlagbaum. Hier warteten wir weitere 30 Minuten bevor wir einen Stopp und 200 Meter weiter durften. Nach weiteren 30 Minuten folgten wir dem Winken des, mit einer Leuchtstange wild herumfuchtelnden, Einweisers und stellten uns als drittes Auto in eine Reihe zur Kontrolle. Da wir keine Ahnung hatten was zu tun ist, sind wir dem Esten oder wie man die Bewohner Estlands auch nennt, welcher vor uns Parkte mit allen Papieren gefolgt. Beim Anstehen bemerkte ich, dass alle deutlich mehr Dokumente mit sich hatten. Schließlich waren wir an der Reihe. Um es mir nicht direkt zu versauen begrüßte ich die etwas finster dreinschauende Zöllnerin mit einem Lächeln und einem gekonnten „Hallo“ auf Russisch während ich ihr den Pass und den Fahrzeugschein reichte. Die weitere Konversation beschränkte sich auf ein gebläktes „Maarkee Maschinaaa“ was ich mit „Ford“ beantwortete und ein paar kritische Blicke Ihrerseits bevor sie mich mit einer „verpiss dich Geste“ weiter winkte und mir die Papiere auf den Tisch knallte. Keine zwei Sekunden später zerrte mich der Einweiser, welcher wie alle hier kein Wort Englisch sprechen zu schien, zu einem weiteren Häuschen. Hinter der Scheibe saß ein 2 Meter großer und trotz Mitte 50, noch etwa 2 Meter breiter Zöllner, welcher sich kaum drehen konnte, ohne damit seinen Kollegen, der mit dem Rücken zu Ihm saß, gegen dessen Scheibe des Zollhäuschens zu drücken. „Hallo“, sagte ich – nichts. „Wo bekomme ich die Zollerklärung?“, fragte ich? – nichts. „Mit dem falschen Fuß aufgestanden?“ – wieder nichts? Nachdem ich weitere gefühlte Stunden mit Händen und Füßen versuchte zu erklären was ich wollte fiel nach dem Wort „Formular“ der Groschen und er überreichte mir einen Stapel Zollerklärungen. Diese waren dank der ausschließlichen russischen Ausfüllhilfen nur mithilfe des Zöllners auszufüllen. Da wir alle Autos hinter uns blockierten, da sie in weißer Voraussicht das Formular schon ausgefüllt mitbrachten, mussten wir nochmal rückwärts durch die Passkontrolle und an der Seite parken, Upsi. Mit leicht genervtem Blick kreuzt der freundliche Zöllner Aleks ohne Rückfrage kurzerhand bei jedem Punkt „nichts zu verzollen“ an. Wunderbar, was ein netter Typ dachte ich, hatte aber auch ein bisschen Bammel, dass er bei der eigentlichen Kontrolle dann die komplette Karre zerlegt, weil ich ihm so auf die Nerven gefallen bin:-) war zum Glück nicht so und nach einer „sehr ausführlichen“ einminütigen Inspektion durften wir passieren.



Endlich in Russland!

Sind wir auf der russischen Autobahn? Noch gute zwei Stunden bis St. Petersburg vor uns und keine Ahnung wie schnell wir Fahren dürfen, preschten wir Slalom fahrend voran. Die frisch geteerte Straßen waren trotz ihres jungen Alters mit Schlaglöchern, welche mit ihren Dimensionen in Deutschland als Baugrube für die Unterkellerung eines Mehrfamilienhauses mehr als ausreichend dimensioniert wären, gespickt. Wenn wir einmal 100 Meter ohne größere Krater vor uns hatten, mussten wir dennoch höllisch aufpassen nicht umzukippen, da wir in den Spurrillen, mit den Ausmaßen des Panamakanals, stets mit einem Vorfahrt missachtenden Kreuzschiff rechnen mussten.





Nach den ersten nervenaufreibenden Kilometern mit geisteskrank überholenden LKWs und mehrmaligem Ausweichen auf dem Standstreifen, kam endlich das, worauf ich mich schon seit Deutschland gefreut hatte. Volltanken! ;-) 50 Liter Diesel für umgerechnet nicht mal 30 € und das an Autobahn! (Danke Merkel)



Die erste Nacht in Russland verbrachten wir auf einem Kaufhausparkplatz in Peterhof, einem Vorort von St. Petersburg. Das dortige recht pompöse Schloss und den angrenzenden Park besichtigten wir quasi im vorbeifahren, da wir schleunigst in die Stadt wollten.


Schloss Peterhof

Der kostenlose Parkplatz im Zentrum, welchen ich zuvor ausfindig gemacht hatte, war leider belegt. Hier bauten mäßig fleißige Arbeiter gerade das „Public Viewing“ der WM 2018 ab. Gut in der Zeit aber nicht gut für uns, denn der Verkehr war ein einziges Chaos und Parkplätze absolute Mangelware. Nach einer entspannenden Stunde im Hupkonzert und Stop and Go hatten wir es geschafft und Clara lotste mich endlich in die erlösende Parklücke.

Erstes Ziel die Blutskirche, schönes Objekt, normalerweise! Also schon, aber der höchste und normalerweise eindrucksvollste Turm war in Plastik gehüllt und ähnelte eher einer „umweltfreundlich“ verpackten Discountergurke als dem was wir von Bildern kennen. Nachdem wir relativ erfolglos versuchten ein sinnvolles Bild zu schießen ohne diesen schön folierten Turm, zogen wir weiter um, zu unserem Glück, noch mehr in Restauration befindliche Sehenswürdigkeiten abzuklappern.


(Blutskirche, auf den Pfeil klicken um weitere Bilder zu sehen)


Erschöpft und mit knurrendem Magen hielten wir es für nötig gleich 2 Restaurants direkt hintereinander zu besuchen. Nach dem zweiten, eigentlich völlig unnötigen, aber sensationell gutem Abendessen mit veganen Burgern bei Hood Streetfood, folgten wir der alten Weisheit und gingen tatsächlich die 1000 Schritte. Dabei kamen uns wider erwartet tatsächlich noch ein paar Gebäude ohne Gerüst oder Bauarbeiten vor die Linse :)



Kasaner Kathedrale

Unser Parkplatz für 2 Nächte war eine Querstraße zur Nevsky Ave., welche quasi die Königstraße St. Petersburg ist. Hätte schlechter laufen können, denn so Zentral hatten wir mehrere Einkaufzentren direkt vor der Nase :)

Der Rest von St. Petersburg und Moskau folgt im nächsten Eintrag.


Liebe Grüße

Clara & Max


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