• Clara & Max

Auf einen Kebab nach Istanbul- Türkei

Unsere Einreise in die Türkei per Pedes erfolgte reibungslos und abgesehen von türkischen Muttis, die uns vor dem Zoll ein bis zehn Stangen Zigaretten zustecken wollten, kamen wir unbehelligt durch. Nur Jonas brauchte etwas länger, also warteten wir in der Sonne. Überall standen Männer herum und schienen auf etwas zu warten. Als ein Bus ankam, sprangen alle auf und scharten sich um diesen, die Türen gingen auf und ein ohrenbetäubendes Geschrei ging los. Was sie wollten, ist bis heute unklar aber die Ankommenden schienen das Gepäck oder Schleuse-Service- dankend abzulehnen, kämpften sich durch die Massen und verschwanden im Zollhäuschen. Eine weitere halben Stunde und mehreren solcher Busankünfte später kam auch endlich unser Fahrer Jonas. Er teilte uns mit, dass wir wohl richtig Glück hatten, weil das Auto in der Türkei in den Pass eingetragen wird und es zum einen schwierig wird mit Auto auszureisen, wenn es bei der Einreise nicht vermerkt wurde und zum Andern ist die Ausreise per Flugzeug scheinbar fast unmöglich, wenn man den Autostempel im Pass hat. Obwohl die Dame scheinbar mehrfach verlangte, dass ich als Fahrzeughalter antanze, gab sie sich irgendwann, mit der selbst erstellten, aber beglaubigten Vollmacht zufrieden.

Am Ende war der Weg wohl doch das bessere Ziel

Um den Tag abzurunden, verkauften auch die fliegenden Händler am Fuße des Anstiegs kein Bier, dafür gab es aber Maiskolben. Diese waren zwar etwas teuer, dafür aber ohne jeden Geschmack und wären in der Tierfuttermittelbranche deutlich besser aufgehoben als auf diesen Grills. Nach einigem Hin und Her beschlossen wir auf einem neblig-nassen und direkt am dunklen Wald gelegen menschenleeren Parkplatz unweit des Wanderparkplatzes zu nächtigen. Traumhaft! Draußen konnte man die Hand vor Augen nicht sehen und als wir uns gerade hingelegt hatten, tat es einen Schlag nach dem andern und unweit des Busses fing ein groß klingender Hund an zu bellen. Das eine war ein tobendes Gewitter, das andere klang mehr nach einer rein argumentativen Überzeugungsarbeit für Oppositionelle durch schwer bewaffnete Erdogananhänger. Ein zögerlicher Blick durch die Vorhänge sorgte für Klarheit. Es wurde geböllert und die ein oder andere Rakete erleuchtete den immer noch wolkenverhangenen Himmel. Beruhigt schliefen wir zum Gebell des Hundes und dem grollen des Donners ein. Der Nächste Morgen war überraschen klar und ich machte mich noch während Clara und Jonas mich argwöhnisch musterten, ob ich eine Schraube locker habe, weil ich sagte „ich lauf da nochmal hoch, ich will was sehen“, auf den Weg Richtung Kloster. Tatsächlich sah ich das Kloster im Felsen hängen und da ich nicht sonderlich erpicht darauf war den ganzen Weg wieder hochzuklettern, schaltete ich die Höhenbegrenzung der Drohne aus und startete sie von der Straße. Irgendetwas schien nicht zu stimmen, denn bei nicht einmal 2 Metern über dem Boden wollte sie nur im Schneckentempo höher steigen. Nachdem ich einem Bus voller Arbeiter seitlich in Richtung Fels gerade so ausweichen konnte und ich sie anschließend neu startete bekam ich zumindest noch halbwegs gute Aufnahmen. Keine Minute zu spät, denn noch während ich zusammenpackte, zog schon wieder der Nebel durchs Tal und kurz darauf war wieder alles weiß.

Ein kurzer Moment der Klarheit

Nächstes Ziel Kappadokien. Die nur 650 Kilometer ballerte Clara an einem Tag durch und so kamen wir kurz nach Sonnenuntergang in Göreme an. Der Parkwächter hatte zum Glück schon Feierabend und eine Schranke gab es nicht. So konnten wir uns die Eintrittsgelder sparen und fuhren in Richtung Aussichtspunkt. Viel war nicht mehr zu sehen, nur das es direkt neben unserem Stellplatz steil bergab ging, wie weit war fraglich. Wir stellten unsere Wecker auf 5 Uhr in der Früh. Gut gelaunt und ausgeschlafen drückten wir diverse Male die Schlummertaste, um uns herum war immer wieder ein Rauschen zu hören. Dieses kam nun immer häufiger und lauter und wir wussten wir müssen endlich aufstehen. Die aufgehende Sonne war nur zu erahnen aber am Himmel war die Hölle los. Unzählige Heißluftballons waren schon über uns und weitere machten sich in den Tälern zum Abheben bereit. Was für ein Schauspiel, der nur schwach erleuchtete Himmel und darin schwebten scheinbar unendlich viele immer wieder aufleuchtende Ballons durcheinander. Atemberaubend! Von rechts hörten wir ein Zischen und freudiges Kreischen, als wir uns drehten, schoss ein, mit mindestens 20 Personen besetzter Ballon mit Vollgas nur eine Handbreit von unten über die Klippe und sank sofort wieder ins nächste Tal ab. Als die Sonne aufging, machten wir es uns in den Campingstühlen gemütlich, Frühstückten und genossen die Aussicht. Bis hierhin konnten wir diese traumhafte Kulisse alleine für uns beanspruchen. Plötzlich kamen wir uns vor wie die GI´s im vietnamesischen Dschungel. Überall wuselte es von Asiaten und es donnerten immer mehr Jeeps heran. Mit Kameras bewaffnet schossen unser Vietcong auf alles, was Ihnen vor die Linse kam. So sind wir mit unserem Frühstück und Bobby nun fester Bestandteil hunderter Geschichten über deren Invasion der Türkei 2019. Der aus den Boxen der Jeeps scheppernde Korean Pop war uns bis dahin noch gar nicht wirklich aufgefallen. Als nun scheinbar alle Fotos geschossen waren, wurde diese Volkskrankheit noch weiter aufgedreht und auch die letzten verirrten Scharfschützen fanden sich johlend und korkenknallend zum Champagnerfrühstück beim Fahrer ein. Dass alle Jeeps unterschiedliche Lieder spielten und wir durch unsere gute Platzwahl von allem etwas hören konnten, soll nur als Randnotiz erscheinen. Nach einer Polonaise über den Parkplatz und diverse leere Flaschen später verschwanden sie so schnell sie gekommen waren wieder in Ihren Löchern und rasten zum nächsten Stopp ihrer Tour. Was geblieben ist, der tief sitzende Schock des gerade erlebten aber noch schlimmer der ganze Müll, achtlos liegengelassen. Der Mülleimer wäre mit seinen 20 Metern auch unmenschlich weit entfernt gewesen. Sind ja nicht so groß diese Asiaten, muss man nur wissen, dann ist das schon in Ordnung so.

Nachdem ich beim umrechnen im Kopf noch von einem Schnäppchen ausging entpuppte sich die Rechnung der charmanten Wäscherei bei genauerer Berechnung eher als ein halber bis dreiviertel Tank. Naja, wenigstens war im teils Malerischen Göreme mit seinen, in die felsengehauenen Hotels, alles recht schön, aber, wie immer folgt ein aber, teuer.



Während wir umherschlenderten erfragten wir die Preise für Ballonfahrten zum Sonnenaufgang bei verschiedensten Anbietern. Die Preise für uns als gute Freunde pendelten zwischen 180 und 350 Euro, pro Person versteht sich. Ein in der Schweiz lebender deutschtürke mit roter Halbglatze und einer Gürtelweite, dass ich kurz davor war zu Fragen ob das Serienmäßig von Hermes bezogen werden kann oder einfach zwei Gürtel aneinander getackert wurden, erklärte uns nach Atem ringend, als wir gerade mit einem Anbieter feilschten, dass es jeden Preis wert wäre und er 450 Euro gezahlt hätte. So wie er von der Ballonfahrt, welche er ein Schnäppchen nannte, und dem anschließenden Champagnerfrühstück berichtete wurden wir etwas weicher und waren schon kurz davor bei 180 Euro zuzuschlagen. Eventuell rührte die Begeisterung aber auch daher, dass er einfach für 500 Euro gefrühstückt hatte und somit noch ein Plusgeschäft aus seiner Ballonfahrt zieht. Kurzum, ein Schild mit „best price available“ versprach nicht zu viel und wir ließen uns für schlappe 120 € darauf ein. Mit Champagnerfrühstück versteht sich, wie es sich für Budgetreisende gehört. Die Vorfreude stieg schon ab dem Moment der Entscheidung, denn auch wenn wir durch die Drohne schon alles von oben gesehen hatten muss es ein ganz anderes Gefühl sein, selbst über die schroffen Kanten dieser trockenen aber wirklich traumhaften Landschaft zu schweben. Die 20 anderen in einem Korb müssen wir wohl oder übel ausblenden. Keine 30 Minuten später wurde die Ballonfahrt wegen schlechtem Wetter abgesagt. Für den Folgetag war es noch nicht klar, ob geflogen wird, falls ja liegen die Preise aber jenseits der 350 Euro und so entschieden wie uns für die Weiterfahrt Richtung Antalya.



In Antalya gab es nach Besichtigung des ersten Düden Wasserfalls unseren ersten Döner. War schlechter als erwartet, nach Stall schmeckendes Lammfleisch in Brot, mit oder ohne Zwiebel war die einzige Wahl, die wir treffen konnten.



Am Zweiten Düden Wasserfall war von Jonas plötzlich keine Spur mehr. Erst Minuten später kam er ganz bedröppelt daher, am Arm glänze Blut, es sah nach einem im rechten Winkel zur Pulsader gesetzten Schnitt aus. Auf den Hinweis, dass es hier doch ganz schön ist, und es keinen offensichtlichen Grund gibt so einen Versuch unternehmen zu müssen, reagierte er mit einem müden lächelnd. Er erklärte uns, dass er auf den glitschigen Steinen ausgerutscht sei und sich am Geländer geschnitten hatte, das lassen wir einfach mal unkommentiert stehen.



Da es besser Wetter war, als gedacht steuerten wir auf dem Weg nach Pamukkale noch eine Lagune an, um uns einen Tag am Strand von den Strapazen der Reise zu erholen. Es tat gut am Strand in der Sonne zu liegen sich im Meer abzukühlen und ein kühles Bier zu trinken, fühlte sich wie Urlaub an.

Tags darauf auf die Malediven. Clara hatte einen Tipp bekommen und so machten wir uns auf an den Salda Lake. Uns wurde nicht zu viel versprochen, mitten in der Einöde lag ein türkisblauer See. Wir richteten uns am Ufer häuslich ein und genossen ein Bad im eiskalten See. Am Lagerfeuer gesellte sich noch eine Hundegang zu uns während wir auf die auf Stein gebackenen Fladenbrote warteten.



Pamukkale, selten hatten wir mehr erwartet und so wenig bekommen. Auf Instagram und in jedem Reiseführer schwärmen alle von den strahlend weißen Kalkterrassen welche mit Heißem Thermalwasser gefüllt zum Verweilen und Baden einladen. Am Ende des Tages waren die Ruinen als Überbleibsel der Römer das interessanteste. Total überlaufen, Russen in Speedos und Ihre Frauen wie eine zu heiß gekochte Wurst räkelten sich vor den nun künstlich angelegten kaum 20 Zentimeter tiefen Becken und versuchten ein gutes Bild zu erhaschen. Nichts aber auch gar nichts erschien wie auf den Bildern, die einzigen natürlich entstandenen Becken waren fast leer und nicht zugänglich. Mehr Aufmerksamkeit möchte ich diesem Flopp nicht widmen.




Die erste Nacht in Instanbul verbrachten wir im Park bevor wir am nächsten Morgen in die AirBnB eincheckten. Da diese nur 50 Meter vom Galatower gelegen war und wir gerade so mit unserem Bus durch die Gassen passten erklärte Clara sich bereit alles hochzutragen und Jonas und ich kurz zum Tanken fahren und einen bezahlbaren Parkplatz suchen. Nach geschlagenen 2 Sunden kamen wir zurück. Die Verkehrsführung lag uns nicht so. Ein weiter Versuch Döner zu Essen schlug fehl da der penetrante Stallgeschmack auch durch Literweise Chilisauce nicht überdeckt werden konnte. Schade aber reicht jetzt auch. Clara und ich nutzen den Tag, um unsere Sachen zu sortieren und unsere Rucksäcke zu packen, denn ab Istanbul trennten wir uns von Jonas und Bobby. Eine erste Bilanz ziehend hatte ich Angst um Knie und Rücken, laut Waage hatte ich über 30 Kilogramm auf dem Rücken. Am Abend ging es mit meinen kurz zuvor angekommenen Eltern erstmal gemütlich essen bevor wir am nächsten Morgen zum Sightseeing Marathon aufbrachen. Die überall als großartig beworbene Bosporusfahrt war ein ziemlicher Flopp und wir waren froh nicht die Tour bis ans Schwarze Meer gebucht zu haben. Die Blaue Moschee wurde renoviert, sodass wir nur Gerüste und schlechte Drucke zu Gesicht bekamen und die Hagia Sofia, ein weiteres Must See war geschlossen. Damit wir wenigstens irgendwas Kulturelles besichtigen ging es in den Palast. Abgesehen von der Waffenkammer und den mannshohen Schwertern und Musketen ließ zumindest ich mich nur wenig begeistern. Während wir durch die Hallen streiften vorbei an unzähligen Relikten, welche laut Beschreibung dem Propheten Mohammed gehört hatten, wurde ich auf ein Pärchen aufmerksam. Während sie relativ teilnahmslos von Vitrine zu Vitrine streifte bat er einen Aufseher eine Absperrung zu entfernen, um näher an den Zahn des Propheten heranzukommen. Als er keine 30 Zentimeter mehr entfernt war brach er zur sichtlichen Verwunderung seiner Partnerin in Tränen aus und streichelte über das Glas der Vitrine. Da ich seinen filmreifen Ausbruch schwerlich ertragen und mir das Lachen kaum noch verkneifen konnte machte ich mich auf in den nächsten Raum. Noch während ich versuchte das eben Erlebte aufzuarbeiten kam er in seinem Kleid, Rotz und Wasser heulend, von seiner Frau gestützt durch die Türe. Als er nun auch noch das Gewand und eine Haarsträhne entdeckte war es um ihn geschehen und er brach zusammen. Auf den Knien rutschte er heulend zwischen den Relikten hin und her. Das war zu viel für mich und auch alle anderen und so wir verließen fluchtartig den Raum.



Die folgenden zwei Tage verbrachten wir mit entspannten Spaziergängen und gutem Essen. Wie im Flug war die Zeit vergangen und so verließ uns Jonas mit Bobby in Richtung Heimat, wir blieben mit feuchten Augen zurück, denn unser lieb gewonnenes Heim herzugeben tat wirklich weh. Auch meine Eltern machten sich am Folgetag viel zu schnell wieder auf den Heimweg.

Clara und ich warteten noch auf einen günstigen Flug nach Nepal als Jonas anrief und wir wegen des lauten Krachs kaum ein Wort verstehen konnten. Vier Monate ohne Panne waren vorbei und so hatte der arme Jonas das Pech bei Schnee irgendwo in Österreich mit einem aus dem letzten Loch pfeifenden Bobby im Schnee stehenzubleiben. Per Abschlepper wurde er zur Werkstatt transportiert, wo er bei Eiseskälte die Nacht auf dem Parkplatz verbringen durfte. Der Meister teilte ihm mit, dass es den Abgaskrümmer vom Motorblock abgerissen hatte, dies kostet zwar jede Menge Leistung und es können Abgase in den Innenraum gelangen aber mit wenig Gas könne man schon noch nach Hause fahren. So bummelte Jonas mit offenem Fenster und 60 bis 70 Km/h bei ohrenbetäubendem Lärm im Schnee bis nach Hause.

Wir fanden einen günstigen Flug mit Air Arabia, was jetzt nicht unbedingt unsere erste Wahl war, aber nur die Hälfte kostete. Der nächtliche Aufenthalt am Flughafen irgendwo auf der arabischen Halbinsel an einem Flughafen dessen Namen ich bis heute nicht kenne, zehrte etwas an unseren Nerven da er eher einem Stall glich als einem Internationalen Flughafen aber nach einem angenehmen Bustransfer zu unserer Maschine ging es endlich los Richtung Nepal auf die Spuren von Reinhold Messners großem Zeh.


Liebe Grüße

Clara und Max

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