• Clara & Max

Auf Messners Schneide, oder auch Fußabdrücke ohne Zehen!

Da die meisten Nepalesen nicht wissen, wann sie geboren sind, wird auch kein Geburtstag gefeiert, genauso wenig ist Weihnachten oder Neujahr im Kalender verzeichnet. Um diesem Fiasko mit Weihnachten, meinem Geburtstag und Silvester zu entgehen entschlossen wir uns Kedar anzurufen. Dieser hatte Claras Bruder Jonas vor zwei Jahren schon zum Annapurna Basecamp begleitet. Jonas war schwer begeistert und einen deutsch sprechenden Nepalesen sieht man auch nicht alle Tage. Das erste Treffen war unkompliziert, wir einigten uns schnell auf eine Route und den Preis. Die Route war nicht die erste Wahl aber im nepalesischen Winter die einzig sinnvolle Alternative. Keine 5 Tage später sollte es losgehen.


Morgens um sechs machten wir uns mit gepackten Rucksäcken auf zum Taxi. An der Busstation angekommen fehlte von Kedar allerdings jede Spur, und anrufen ging nicht, da wir keine Sim-Karte hatten. Gut, dass wir schon in Bar gezahlt hatten dachte ich mir, fragte dann aber ein Nepali, der uns zum Ticketschalter zerren wollte, ob er kurz unseren Guide anrufen könne. Wie aus dem Nichts tauchte der kleine Mann auf und drückte uns zwei Tee und 5 kg Äpfel in die Hand. Gegen halb 8 startete unser Jeep in Richtung Syrabrubesi, dem Start unseres Treks. 140 Kilometer auf nepalesischen Straßen sind eine Herausforderung für Mensch und Maschine. Wir hatten noch Glück den Kedar hat eine ganze Sitzreihe für vier Personen reserviert. Hinter uns saßen zwei Singapurer beide über 1,80 inklusive Ihres Guides und Trägers. Nach geschmeidigen acht Stunden über Ruckelpisten kamen wir auch schon am Ziel an.


Die heiße Dusche im Hotel funktionierte leider nicht und so krochen wir nach seltsamer Pizza und Dal Baht ungeduscht in unsere Schlafsäcke.

Meine Fresse war das kalt in der Nacht und das ist noch der tiefst gelegene Punkt der kompletten Wanderung. Um sieben war Frühstücksappel und wir quälten uns aus den warmen Schlafsäcken und zogen unsere Marschausrüstung an.



Nachdem Kedar erstmal die Rucksäcke auf ihr Gewicht geprüft hatte und mir ein paar der Äpfel aufgeladen hatte ging es los. Über die Straße und direkt für entspannte zwei Stunden fast senkrecht nach oben. Na Danke, was für ein Start. Gegen zwei kamen wir schon am ersten Etappenziel an. So dachten wir, aber nichts da, Rucksäcke aus und nochmal eineinhalb Stunden bergauf zu einem Heiligen See. Kann man machen, muss man aber nicht. Das interessanteste waren zwei Feuerbestattungen 300 m links und rechts des Wegs. Die Bewohner schienen aufgrund der sich überschneidenden Termine von Feuer zu Feuer und wieder zurück zu pilgern. Problematisch war hierbei der nennen wir es leicht alkoholisierte Zustand der Gäste, welche sich mit dem selbstgebrannten Raksi so zugeknallt hatten, dass es Ihnen nur noch schwer möglich war den Stufen zu folgen. Auf dem Rückweg vom See lagen in den Vorgärten, falls man das so nennen kann schon die ein oder andere Schnapsleiche und Kedar erklärte uns, dass viele hier wegen Arbeitslosigkeit ein massives Alkoholproblem haben und das täglich so aussieht.



Mit diesem Raksi sollte ich auch noch unangenehme Bekanntschaft machen, da Kedar diesen bei jeder Gelegenheit ungefragt servierte. Nach Laune auch direkt mehrere Gläser. Diese Teils warm servierte trübe Brühe wird aus Reis Hirse oder sonstigen zur Verfügung stehenden Körnern hergestellt und ähnelt vom Geschmack dem japanischen Sake. Die Reinheit ist hier allerdings eine Andere, über dem offenen Feuer wird das Gebräu in einem altbackenen Kupferkessel im hintersten Eck des Gartens destilliert. Teilweise hat man mit Körnchen oder sonstigen Verunreinigungen gleich etwas zum Beißen dabei. Wie viel Prozent das Ganze hat, kann auch niemand so genau sagen, irgendwas zwischen 10 und 40 aber was genau weiß keiner. Nett war auch, dass Kedar zwar munter servierte und die heilende Wirkung, gegen sprichwörtlich alle Gebrechen, dieses Teufelszeugs anpries, allerdings nie selbst auch nur einen Schluck trank. Lediglich „Oh heute gibt es eine sehr gute Raksi, den besten im ganzen Himalaya“ schon stand das Glas auf dem Tisch und er verschwand.



Am nächsten Tag war schon Heiligabend und wir kehrten nach einem steilen Abstieg und nicht weniger steilen Aufstieg schon gegen Mittag in unsere Bleibe für die Nacht ein. Für umgerechnet zwei Euro konnten wir entspannt warm Duschen bevor wir uns als Weihnachtsmenu zu Spaghetti mit Tomatensauce, Pizza, Momos und Pommes überreden ließen und am bollernden Ofen Platz nahmen. Das sei hier alles ganz besonders gut. Die Spaghetti, Momos und Pommes konnte man so lassen, was aber die Pizza anging, das war etwas ganz Besonderes. Wir hatten nichts erwartet, aber viel bekommen, der Boden glich einem eingeweichten und wieder aufgebackenen großen Keks, die Soße einem Ratatouille aus, ausschließlich Tomaten und Karotten. Der Keks war ein frisch gebackenes tibetisches Roti, selbiges hatten wir leider am nächsten Tag zum Frühstück bevor wir zu einem „kurzen“ Tag und einem Aufstieg auf etwas über 3000 Metern aufbrachen. Da wir zum Mittag schon in der Unterkunft waren beschlossen wir noch „kurz“ zu einem Aussichtspunkt zu laufen. Die Aussicht bis nach Tibet war der Hammer, der kurze Tag aber dahin und so kamen wir bei Einbruch der Nacht zurück in die Hütte. Dort wurde in der Küche so eingefeuert, dass wir selbst im Gastraum Angst vor einer Rauchvergiftung haben mussten. Andererseits war es hier schon so kalt, dass das fließend Wasser in den Toiletten gefror und wir zuerst die Eisdecke Zerbrechen mussten, um mit dem Eimerchen Wasser zu schöpfen.


Seit diesem Eiskalten Tag; als wir aus um nicht zu erfrieren in der Küche frühstückten gab es jeden Morgen frittiertes tibetisches Brot mit Curry auf dem Feuer gebrutzelt. Herrlich!

Nach dem Frühstück ging es bergab und nach Übernachtung im Tal bekam ich nach einem Geburtstagsständchen auch noch einen leckeren Kuchen zum Frühstück, den Clara bis hier her mitgeschleppt hatte. Die Herbergsmutter hängte uns noch einen diese Kata Glücksbinger-Schals um und schenkte uns auch noch ein farbenfrohes Armband.



Nach wieder einem kurzen Wandertag Tag gönnten wir uns stieleicht eine warme Dusche aus dem Eimer, da das warme Wasser nicht funktionierte, und ich konnte endlich mein, seit fast einem halben Jahr im Gepäck befindlichen halben Liter Goldochsen genießen. Herrlich.

Das Tamang Heritage hat uns angestrengt, ein paar schöne Aussichten für uns bereitgehalten, aber nochmal muss man da nicht hin, die seit dem Erdbeben 2015 mit Blech restaurierten Häuser kann man sich mal an einem Tag anschauen, aber vier Tage mit teils nur mäßiger Aussicht lassen sich auch besser einsetzen.


Zum Mittagessen, bevor wir auf den Langtangtrek trafen, bestellten wir unwissend die wohl widerlichsten Nudeln, die uns jemals vorgesetzt wurden. Vom Aussehen her in Ordnung, die erste Gabel ging auch noch, solange bis Clara den Geruch bemerkte. Eine hefige Schwade erreichte meine Nase und es hat nicht viel gefehlt, dass wir uns übergeben hätten. Diesen Geruch nach Fäulnis und Vergorenem erwartet man eher in den nepalesischen Metzgereien als im Restaurant bei einem vegetarischen Nudelgericht. Naja, der Koch hat es nicht eingesehen und hat uns versichert, dass alles damit in Ordnung sei. Klar, hätte ich auch so gemacht, wir kotzen ja nicht ihm die Bude voll, wenn wir gleich weiterlaufen 😊


Der nächste Tag war lang und hart. Anfangs durch einen nicht enden wollenden Bambuswald am Fluss entlang bis wir nach einer Biegung endlich das ganze Tal sehen konnten. In der Ferne sahen wir schon unser Tagesziel und spurteten munter los. Was nach 20 Minuten aussieht, dauert hier allerdings oft zwei oder mehr Stunden. Am kräftezehrendsten war ein Geröllfeld kurz vor Ankunft. Kedar erklärte uns, dass hier bis zum verehrenden Erdbeben das Dorf Langtang gestanden hatte. Über 200 Personen sind allein in diesem Dorf ums Leben gekommen, die Meisten davon wurden nie geborgen und deren Überreste liegen nun wohl einige Meter unter unseren Füßen. Die Betreiberin der Herberge für die Nacht hatte damals ebenfalls Ihren Mann verloren und das einzige, was Ihr von der damaligen Existenz noch geblieben ist, ist ein in den Trümmern aufgetauchter zerbeulter Teekessel, der nun auf einem Alter im Gasthaus steht. Größten Respekt vor Ihr nach so einem Schicksalsschlag wieder auf die Beine zu kommen und alles ganz allein an andrem Ort wiederaufzubauen.






Erschöpft kamen wir nach knapp sieben Stunden dennoch zeitig in Langtang an und haben erstmal unsere Wäsche gewaschen. Diese war nach spätestens fünf Minuten an der Leine steif gefroren. Und wir feuerten den Stahlofen im Aufenthaltsraum gut an. Kedar servierte mir 2 warme Raksi, welche ich besser nicht getrunken hätte und so schleppte ich mich mit Bauchkrämpfen am nächsten Tag bis auf 3900 Meter bis nach Kangjin Gompa. Da wir schon gegen Mittag ankamen beschlossen wir, zu meinem Leidwesen noch am selben Tag den Aufstieg zum Kangjin Ri zu wagen und so stiegen wir nach einer kurzen Rast in Richtung des Gipfels auf nur fast 4700 Meter.

Nachdem ich mir schon mehrfach überlegt hatte umzukehren, erreichten wir nach guten zwei Stunden den kleinen Gipfel. Die Luft wurde wirklich dünn aber die Aussicht war gigantisch.



Da die Aussicht vom richtigen Gipfel laut Kedar nur unwesentlich besser ist, legten sich Clara und Kedar nach einer weiteren Stunde Aufstieg in die Sonne und ich zog alleie weiter. Denn alles was recht ist, aber 13 Tage Trekking und dann den Gipfel nicht zu erreichen nur, weil mir schlecht ist konnte ich nicht mit mir vereinbaren. Egal ob ich mehr sehe oder nicht. Die Aussicht war wie erwartet nicht wirklich besser als von weiter Unten aber allein das Gefühl es geschafft zu haben, war die Plagerei wert. Um es nochmal zu sagen, die Aussicht war der Hammer mit einem 7000er dem Langtang Lirung und der gesamten verschneiten Kette, den Gletschern und schroffen Hängen, hätte ich wirklich noch eine Weile verweilen können. Ich war allerdings schon über der verabredeten Zeit und machte mich an einen Turboabstieg.



Als ich bei den Wartenden eintraf, hatte Kedar sich als „Nichtraucher“ gerade mit einem Koreaner eine Zigarette gegönnt und wir machten uns auf in Richtung Hütte. Ein Strom aus Koreanern kam uns entgegen und wir beteten dafür, dass diese nicht alle in unserem Hotel wohnen. Taten Sie zum Glück auch nicht. Nicht dass wir etwas gegen Koreaner hätten ganz im Gegenteil, nur ist es angenehmer sich nicht mit einer 30-köpfigen Reis(e)gruppe das Hotel zu teilen. Der Abstieg bis Syabrubensi war in 3 Tagen erledigt und zur Feier des Tages gab es mal wieder Pommes, Bier und Regen. Hätte besser nicht geplant werden können, wir hatten bis dahin jeden Tag Sonne. Einen Tag zuvor mit Turnschuhen wandernder Brasilianer hatte wohl nicht so viel Glück, er lief bergauf und sah nach der ersten Etappe schon ziemlich fertig aus und hatte die Folgetage bis zu 25 Grad unter null. Glück gehabt. Nur Reinhold Messners Zehen haben wir trotz intensiver Suche leider nirgendwo entdecken können, diese hängen zwar nicht eingefroren im Langtangtal sondern irgendwo am Nanga Parbat, aber wie hatte Andi Möller schon bemerkt, egal ob Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien. So weit können wir also gar nicht davon entfernt sein!



Die heiße Dusche war eher kalt aber musste sein. Am Nächsten Morgen sollte es um sieben losgehen, loskamen wir erst gegen acht da die Beifahrerin Panik hatte. Wir fuhren bei Regen und Kälte mit offenem Fenster da es der Dame schlecht war. Nach kurzer Zeit stieg der Fahrer aus und rannte in einen kleinen Laden und kam mit Plastiktüten zurück. Keine Sekunde zu spät, denn kaum hatte Sie die Tüte in der Hand, fing sie an sich zu übergeben. Das Auto stand, sie hätte auch aussteigen können, aber nein schön im Auto. Eine Tablette gegen Reisekrankheit hatte Sie natürlich auch nicht genommen, warum auch, weiß man ja nicht, wenn man dort wohnt, dass die Straßen ruckelig sind. In den folgenden sechs Stunden übergab sich die gute noch Regelmäßig und wir hatten einen schönen Zug abgekommen. Ähnlich wie auf der Hinfahrt wo der Fahrer sich weigerte bei unter zehn Grad das fester auch nur ein bisschen hochzukurbeln und sich schließlich Kedar opferte und sich in den Zug hinter den Fahrer setze.


Nach etwas über sieben Stunden Geschaukel wurden wir im Regen am Busbahnhof Kathmandu abgesetzt. Nachdem Kedar einen Japaner, um nerven zu sparen, höflich in ein Taxi gedrückt hatte rief er eines für uns heran und wir quetschten uns mit unseren Rucksäcken zu Dritt hinein.

Bei Kedar angekommen wunderten wir uns etwas über die Einladung zum Essen und zur Übernachtung da sie genau zwei Schlafzimmer hatten aber er mit Frau und zwei Kindern in der Wohnung lebte. Es war kalt und feucht aber für nepalesische Verhältnisse fast schon luxuriös, besonders im Hinblick wie wir die letzten Tage verbracht hatten, war das ein Traum. Neben einem herrlichen Dal Baht servierte Kedar trotz mehrfacher Verneinung direkt noch eine Flasche Wodka und wir wähnten uns fast schon in Russland. Am nächsten Morgen wurde uns direkt ein Frühstück serviert und anschließend gab es eine Baubesichtigung. Kedar lässt auf dem Dach seines Hauses zwei weitere Stöcke errichten damit er bald auch ein Gästezimmer hat und sie nicht zu viert in einem Zimmer schlafen müssen. Der Ausblick seiner entstehenden Dachterrasse inklusive Bar war gar nicht so übel, schade, dass es noch keine Getränke gab.


Nach einer herzlichen Verabschiedung von Kaiser-Kedar wie er sich selbst nannte da er regelmäßig irgendwo in Österreich auf Berghütten Kaiserschmarren anrührt, düsten wir mit dem Taxi nach Thamel. Nachdem wir hier mit unseren Rucksäcken umhergeirrt waren und unsere Wäsche abgegeben hatten, machten wir uns auf ins Hotel.



Als Geburtstagsgeschenk hatte Clara das beste Hotel am Platz reserviert. Was für eine Wohltat ein sauberes, warmes Zimmer mit heißer Dusche und allem, was wir die letzten zwei Monate vermisst hatten. Zum Geschenk gehörte auch eine Massage im Spabereich des Hotels. Dies hatte Clara schon bei der Buchung angefragt, ob es möglich ist, dass wir gleichzeitig massiert werden können. Wir klären das ab! Eine Antwort bekam Sie leider nicht. Als wir dann im dritten Anlauf die Rezeption fragten, warum das Spa laut Schild offen hat, die Türe aber verschlossen ist, klingelten Sie die Spa-Tante aus Ihrem Schönheitsschlaf und sie öffnete uns doch noch. Wir freuten uns schon unsere geschundenen Körper einmal richtig durchkneten zu lassen und versuchten einen Termin zu vereinbaren.

Ja gut, was soll ich sagen, Lady Massage yes, Man no Massage. Ohne Begründung versteht sich!

Eine Maniküre hätte ich machen dürfen, was ich aber dann doch wegen meiner hervorragend gepflegten Hände ablehnte.

Ärgerlich für Clara da sie sich extra schon weit im Voraus darum gekümmert hatte und nun die Tante erst nicht antwortete und nun einfach nein sagte. Ich freue mich allerdings jetzt schon auf eine Massage am Strand. Danke 😊


Aus Frust und Lust nach essen ohne Reis und Linsen machten wir uns auf zum „Italiener“ gemütlich in Jogginghose, da alles andere in der Wäsche war, verputzen wir eine tatsächlich sehr gute Pizza.



Nach zwei Tagen Luxus und Souvenirshopping mit dem ein oder anderen kleinen Streit über die teils wahnsinnigen Preise der Verkäufer war der Jetsetlifestyle auch schon wieder vorbei und wir machten uns auf zurück nach Bouddha wo wir ja Mini-Mönche zu unterrichten hatten.

Oder auch nicht, denn Sonam, unser Ansprechpartner teilte uns mit, dass kein Unterricht ist und das Klassenzimmer wieder umgebaut wurde und nun die kaputten Computer wieder an Ort und Stelle stehen. Auch recht, so verfassten wir in aller Ruhe die Berichte für die Homepage des Nepal-Schulprojekts und planten unsere weitere Reise und shoppten noch mehr Souvenirs, da wir uns entschlossen ein Paket mit allem, was wir nicht benötigen nach Hause zu senden. Nachdem wir alles fein säuberlich in Taschen gepackt hatten, standen wir im Postbüro und mussten alles wieder auspacken und Gegenstand für Gegenstand einzeln auf einen Kellner-Block notieren, nur um dann auf dem Schein einen Tag später „verschiedene Gegenstände. Gesamtwert 35 USD zu lesen“.


Nach ein paar Tagen durften wir doch wieder ins Kloster und unterrichten im Speisesaal die letzten Tage. Zum Abschied von den kleinen Rackern gab es wie im alten Rom noch Kuchen und Spiele. Als Gewinn konnten sich beide Gruppen, zumindest kurz über Ihre Bälle freuen, die sie mit voller Begeisterung durch die Gegend bolzten bevor ein grantiger Obermönch diese mit einem verächtlichen Blick, ob der westlichen Spaßgesellschaft, in unsere Richtung einkassierte bevor er mit seinem Smartphone zu hantieren begann. Wasser trinken und Wein predigen, oder so ähnlich!



So euphorisch und stolz wie mit den Bällen hatten wir die kleinen noch nie gesehen. Mit Akribie notierten Sie die Namen aller Besitzer auf den Bällen.

Als ich dabei war die Kugelschreiberlinien der einen Gruppe mit einem Permanentmarker nachzuziehen, fiel mir ein Name ins Auge, der mir nicht bekannt vorkam. „Potato“, als ich fragte, wer das sein soll fing die komplette Gruppe der älteren an zu lachen und der kleinste und schüchternste Junge meldete sich mit unglücklichem Gesichtsausdruck. Der kleine Chowang, der seinen eigenen Namen weder richtig sagen, geschweige denn schreiben konnte, bekam es mal wieder ab und ein anderer hatte seine „Unterschrift“ übernommen. Ich gebe zu ich musste mir ein Lachen verkneifen, weil ich mit so einer Bosheit einfach nicht gerechnet hatte, aber der Anstand und das traurige Gesicht verboten es. Potato wurde geschwärzt und wir schrieben gemeinsam seinen Namen, der nun der größte auf dem ganzen Ball ist. Freudestrahlend reckte Kartoffel, Verzeihung Chowang den Ball in die Luft und rannte damit nach draußen.


Nachdem wir noch eine Tour durch die Gebetshalle bekamen, wo die Mönche in tagelanger Arbeit ein Mandala fertigstellten, traten wir nach draußen und bekamen von den aufgereihten kleinen Mönchen unzählige Katas (Tibetische Glücksschals) um den Hals gelegt. Unsere Rucksäcke waren ja noch nicht voll genug 😊.

Etwas traurig machten wir uns auf den Heimweg um für den abendlichen Flug nach Peking zu packen.



Zum Abschied gab es nochmal Momos und von allen Anwesenden nochmals Katas, selbst der Fahrer, der uns bei strömendem Regen zum Flughafen brachte, hängte uns auch noch so ein Teil um. Wenn’s Glück bringt.



Meine Nerven wurden schon beim einchecken auf eine harte Probe gestellt als der Mitarbeiter anmerkte, dass mein Rucksack knappe 30 kg hatte und das 23 kg Limit überschritten war. „Overweight“ merkte er immer wieder an, mein Hinweis, dass wir extra ein weiteres Gepäckstück für über 80 Euro hinzugebucht hatten, schien er entweder nicht zu verstehen oder nicht zu hören. Nach Rücksprache mit seinem Kollegen, sagte dieser uns auch, dass der komplett in Folie gewickelte Rucksack zu schwer wäre. Wir beharrten auf das extra Gepäckstück und nach einer gefühlten Ewigkeit gewährte er aus „Kulanz“ wie er sagte, dass sie den Rucksack doch mitnehmen. Vielen Dank war ja nicht extra bezahlt worden. 😊


Der Flug verlief entspannt und wir landeten kurz nach Sonnenaufgang in Guangzhou, hier hatten wir nun geschmeidige acht Stunden Aufenthalt. Keine Sitze ohne Armlehne und so schliefen wir bei gefühlten 5 Grad im Sitzen bis wir vor Kälte zu zittern begannen. Als einzige Ausflucht blieb uns das einzig bezahlbare Restaurant und so verbrachten wir die kommenden Stunden bis zum Abflug im goldenen M.


Was die Volksüberwachungsrepublik China für Abenteuer für uns bereit hielt, erfahrt Ihr im nächsten Beitrag.


Liebe Grüße


Clara und Max

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