• Clara & Max

Ciao Norwegen! Hallo Finnland, Hallo ist da jemand?

06.08.2019

Da die gestrige Wanderung etwas mehr Kraft kostete als geplant, gönnten wir uns einen Campingplatz mit „warmer Dusche“ da wir beide noch ziemlich durchgefroren waren. Die schattigen 4 km auf der Straße um zum Auto zurückzukommen, hatten mir, Max, in meiner kurzen Hose schon etwas zugesetzt. Allerdings ist das aktuell noch ein Sommerurlaub und das heißt kurze Hose und T-Shirt egal was das Wetter macht! Zugegeben ohne Jacke hätte ich mich vermutlich von so einem schnieken roten Helikopter abholen lassen können, aber auch nur, wenn am Strand Empfang gewesen wäre, um einen zu rufen. Dies war tatsächlich das erste Mal, dass unsere Handys keinen Empfang hatten. Hierfür muss man in Norwegen schon über mehrere Gipfel, Pässe und Täler wandern bis nichts mehr geht. Daheim reicht es das Ortsschild von Brucken zu passieren, um auf sich gestellt zu sein :-)

Naja, zurück zum Thema, bevor wir unser Vehikel auf dem Campingplatz einparkten, mussten wir noch den bekanntesten Fußballplatz Norwegens besuchen, dieser liegt an der Südspitze der Inselgruppe um das Städtchen Henningsvaer auf einer schmalen Landzunge direkt am Leuchtturm.

Während ich unseren Bus durch die teils engen Straßen manövrierte und versuchte keinen, der gefühlt 1000 Touristen, die sich wohl in einer Fußgängerzone fühlten, anzufahren, fragten wir uns schon, ob wir umdrehen sollten. Clara schaute derweil nach ob es hier noch etwas zu sehen gibt, was diesen Ansturm rechtfertigen würde. Ihrer Recherche blieb erfolglos und so rechneten wir mit einem Platzsturm, wie es die Kreisliga noch nicht erlebt hat. Zu unserer Überraschung waren maximal 15 Leute dort und ich konnte vor Anpfiff noch eine obligatorische Begutachtung des Grüns vornehmen. Ein Kunstrasen mit partiell durchkommenden echten Rasen. Stark dachte ich, muss wohl einer dieser tollen Hybridrasen sein. Später stellte sich doch noch heraus, dass mich meine fundierten Fachkenntnisse wohl getäuscht hatten und er einfach nicht richtig gepflegt war.

Hier mal zu spielen muss schon ein wahnsinns Gefühl sein, so etwas habe ich wirklich noch nicht gesehen. Wenn ich mir allerdings die vergangene Saison rückblockend betrachte, bin ich doch froh nicht hier spielen zu müssen, sonst hätte ich vermutlich 50 Bälle mit meinen gekonnten Lupfern, die laut Co-Trainer (jetzt Head-Coach) das Prädikat „sehr gut“ verdient haben, im Meer versenkt.


Football Stadium Henningsvær

Der restliche Tag bestand aus Wäsche waschen und Kochen. Zu erwähnen ist noch die mit weitem Abstand schlechteste Kopie eines Cornetto Nuss, welche die Welt jemals gesehen hat. 07.08.2019

Da es mir vor 3 Wochen zu gefährlich war für das obligatorische Bild auf den Kjerag Bolten zu klettern, (Clara haben die 600 Meter steil nach unten nichts ausgemacht) wollte ich unbedingt auf den Lofoten zum Djevelporten. Hier ist, wenn auch nicht ganz so spektakulär, auch ein Fels in einer Spalte eingeklemmt. Ein Sturz hier ginge wenigstens nur über 10 Meter auf die nächste Felskante.

Als ich Clara die Beschreibung der Wanderung vorlas „Von Beginn an sehr steil, es sind Ketten und Seile zum Überqueren einer senkrechten Felswand montiert, sobald man diese hinter sich hat, kommt man in eine oft sehr matschige Gebirgs....“ „Ich bleibe da“ unterbrach Sie mich.

Gesagt getan, zum Start gefahren und nach dem Zusammenkleben meiner neuen Wanderschuhe, von denen sich nach keinen 100 Kilometern schon die Sohle löst, ging es los. Noch keine 100 Meter auf dem Wanderweg und mir war klar, dass Clara für sich definitiv die richtige Entscheidung getroffen hatte, die ersten 100 Höhenmeter ging es über Felsen oder Wurzeln fast senkrecht nach oben. Unterhalb einer Stufe die das Potential hatte den Huber Brüdern für einen neuen Film zu dienen, kam ich kurz zur Ruhe. Während ich nach Atem rang, hangelte sich zuerst ein einarmiger Holländer (der andere Arm lag in Gips)herunter. Etwa 30 Sekunden später tauchte dann keuchend und voller Staub, seine, für solche Unternehmungen, etwas zu gut im Futter stehenden Freundin inkl. Mops (Hund) oben an der Kante auf. Während ich mich noch fragte, wie zum Teufel dieses Trio überhaupt dort hochgekommen war, suchten ihre Augen hektisch und verzweifelt nach einem alternativen Weg. Erfolglos. Selbstlos und ohne Ausweg aus der Situation, war es mir eine Freude den, erstaunlicherweise sehr ruhigen, (ich vermute stark überanstrengten) Hund in seinem Geschirr den Überhang abzuseilen. Die Leine reichte gerade so, dass der Einarmige ihn in Empfang nehmen konnte. Sie wollte keine helfende Hand also ging es für mich weiter Bergauf. Da ich sie später nirgends liegen sah, bin ich guten Mutes, dass sie es noch bis zum Auto geschafft hatten. Der weitere Aufstieg war unspektakulär und am „Kjerag Bolten für Anfänger“ wäre ich um ein Haar einfach vorbeigelaufen. Das Erreichen des eingeklemmten Felsens war im Vergleich zu seinem großen Bruder zwar weiter aber zumindest mit einem Seil gesichert. Wobei ich das bis heute noch nicht verstehe 10 Meter werden mit seinem Seil gesichert, 600 Meter mit einer Öse in die gerade so ein kleiner Finger passt.

Nach einem Foto und einer kurzen Rast ging es weiter Richtung Gipfel.


Die Aussicht auf Solvaer, die unzähligen, in türkisblauem Wasser schwimmenden Inseln und die schneebedeckten Berggipfel war sensationell und die Mühe definitiv wert.


Djevelporten Boulder

Svolvær from above

Summit view

Clara erwartete mich mit karamellisierten Minipfannkuchen im Bus und wir brachen nach einer Dusche auf ins Einkaufszentrum um Clara mal wieder eine Sonnenbrille zu kaufen. Eine wurde Zuhause vergessen und die andere beim Wandern verloren.

Abends ging es auf Claras Wunsch Pizzaessen. Während Sie überglücklich in Ihre Margherita biss und über das ganze Gesicht strahlte, überlegte ich was die maximal mögliche Anzahl verschiedener Fleisch- und Wurstarten auf einer Pizza ist. Ich war aufgrund meines ausgeprägten Preisleistungsgedanken der Empfehlung des Hauses gefolgt. Salami, Schinken, Hackfleisch, Bacon und Steakstreifen harmonierten erstaunlich gut, führten mich aber zu dem Schluss meinen Fleischkonsum deutlich zu reduzieren.


Da es einfach nicht dunkel werden wollte, sind wir noch ein Gutes Stück Richtung Festland gefahren mit kurzem Stopp an einem Schiffswrack, welcher mir, dank tags zuvor komplett rasiertem Kopf, den ein oder anderen Mückenstich am Kopf einhandelte und ich, als ich diese bemerkte verzweifelt nach einer Möglichkeit suchte den Bus anzuhalten um unseren Biteaway zu holen. Die Schmerzen die mir das Gerät bei der Behandlung der Stiche zuführte waren fast schon eine Wohltat.


Sildpolltjønna Ship Wreck

Midnight Sun at Senja

09.08.2019

Tags zuvor sind wir nur gefahren und gefahren 350 Kilometer von den Lofoten bis nach Senja. Erwähnenswert, oder besser eine Warnung war unser Mittagessen. Fiskeboller. In der Konsistenz wie eine eingeweichte Currywurst, im Geschmack wie ein, seit drei Tagen, bei 30 °C, im Biomüll marinierter Karpfen. Nie wieder! Abends wurde am sehr ansehnlichen aber total überlaufenen Ersfjord das Lager aufgeschlagen und das erste Brot gebacken. Dies hat noch „etwas“ Luft nach oben.


Ersfjord Beach

Den nächsten Morgen begannen wir mit einem Frühstück mit Aussicht bevor wir uns anschickten auf den Hesten zu wandern, welcher einen spektakulären Blick auf den benachbarten Gipfel Segla, der gleichzeitig als Wahrzeichen Senjas dient, bietet. Auch hier ging es, wenn auch nicht ganz so steil wie zwei Tage zuvor, permanent und teils über Geröllfelder bergauf. Während es mir Spaß macht mich so zu quälen, fragte Clara sich im bergauf vermutlich „warum tue ich mir das eigentlich an“? Oben angekommen wurden wir aber von einem unglaublichen Panorama empfangen und die Strapazen waren sofort wieder vergessen. Der Abstieg folgte am Rand der Klippe, welche gut 200 Meter in der Fjord abfällt. Nach einer Dusche mit unserem Showerbag und 2 weiteren Besichtigungen an Aussichtspunkten fuhren wir schon wieder ab in Richtung finnische Grenze.



10.08.2019

Die guten Vorsätze bzgl. meines Fleischkonsums waren schnell vergessen als Clara mir bei einem Stopp, um Kartenmaterial herunterzuladen, plötzlich einen Chili-Cheeseburger unter die Nase hielt. Eine gelungene Überraschung :-) Nachdem unser Navi die notwendigen Karten hatte, setzten wir uns in Bewegung und schafften an diesem Tag etwas über 500km, was bei diesen Straßen und meist 80 km/h Höchstgeschwindigkeit wirklich eine Leistung ist. Die finnische Grenze erkannten wir fast nur an den unbekannten Straßenschildern und einem Strich auf der Karte im Navi. Straßen wie mit dem Lineal gezogen führen kilometerweit geradeaus. Die Landschaft ist karg und es wird vor Rentieren gewarnt. Diese ließen auch nicht lange auf sich warten und spazierten in einer Seelenruhe auf der Straße hin und her. Vom Anfahren eines Rentiers wurde uns abgeraten, da man in diesem Falle den Wert des Tieres an den Besitzer zahlen muss. Da wir weder wussten, ob das stimmt, noch was so ein Rentier wert ist oder ob wir es dann wenigstens behalten dürfen, entschieden wir uns es dabei zu belassen. Wir ließen sie flanieren, hielten nach ihrem Anführer (Rudolf) Ausschau, und schossen ein paar Bilder. Als mitten in Lapppland ein handgeschmiertes Schild uns mit „Welcome to Finnland“ willkommen hieß und mit Donut + Kaffee für 50 Cent warb, ließen wir uns nicht zweimal bitten. Die 50 Cent waren natürlich nur ein Aufhänger um Leute in den, mit Absonderlichkeiten vollgestopften Laden zu bringen. Was nicht nur mit uns funktionierte. Verkauft wurde alles, Puppen vor denen ich nicht nur nachts flüchten würde, finnische Messer, ausgestopfte Tiere, Felle, Campingequipment, Kuscheltiere, Kleidung aller Art, Schreibwaren, Holzgeschirr mit live Gravur an der Kasse, und und und.... Wir ließen uns eine zweite Runde schmecken und kauften natürlich noch ein zwei nutzlose Kleinigkeiten.



The Rudolphs

Roads of Finland

Highwayshop from Hell

Ich muss an dieser Stelle kurz abschweifen. Bisher war ganz Skandinavien für mich ein Gebiet in dem man „gut und gerne lebt“ (Danke CDU!). Stabile Wirtschaft, gute Gehälter, sehr gebildete, unglaublich freundliche Leute und ein funktionierender Sozialstaat. Sagen wir mal so, Finnland, vor allem das ländliche, ist anders. Während in Norwegen noch im letzten Eck gepflegte falunrote Häuser, darauf warten für eine Postkarte fotografiert zu werden, ist in Finnland der Einschlag aus dem Osten und der charmante, lebensbejahende sowjetische Baustil nicht zu übersehen. Auch die, an der Straße ins nichts, bei 10°C und Nieselregen, mit rot leuchtender Nase und Camouflage-Outfit am Lagerfeuer sitzenden Gestalten, erinnern eher an Moonshine brennende Rednecks aus den USA oder Wodka durchs Auge trinkende Russen, als an einen soliden Wikinger Erik Erikson.


The Boys

Hood

Sweet Home ....

Auf der weiteren Fahrt kam ich aus dem Staunen nicht heraus, zum einen wegen der herumlungernden Gestalten in den seltsamsten Outfits zum anderen aufgrund der Gebäude welche mich eher an Tschernobyl erinnerten, als an das Bild das ich bisher vom idyllischen Finnland hatte :-) Ich freue mich schon so tierisch auf Russland, dass kann nur noch besser werden!

So nun genug!

Von unseren Besuch beim „echten“ Santa Claus und ob Putin auch hier in Finnland Raketen testet erfahrt Ihr im nächsten Eintrag.

Liebe Grüße

Clara und Max

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