• Clara & Max

Filipinos, Flip-Flops und Flipper - Ein fettiges Abenteuer in Fernost Teil 1

Kurz nach Mitternacht setzte unsere Maschine auf dem Rollfeld am internationalen Flughafen Manila auf. Alle chinesisch wirkenden Personen wurden bei der Passkontrolle sehr genau beäugt und zu ihrem Aufenthaltsorten der letzten Wochen befragt. Unser China Visum über eine komplette Seite, schien die Beamten allerdings nicht zu beunruhigen und wir konnten zügig einreisen.


Nach dem kauf einer SIM-Karte, riefen wir ein Grab Taxi welches und ohne unnötige Extrakosten und Diskussionen am Pick Up Point einsammelte und nahezu wortlos zum Hotel transportierte. So einfach kann Taxi sein!

Calling Home

Unser Hotel war so klein, dass ich Schwierigkeiten hatte die Treppe, die stark an eine klappbare Dachbodenleiter erinnerte, mit meinem Rucksack zu erklimmen. Clara mühte sich mit unseren zwei Handgepäckrucksäcken ab. Ihr großer Rucksack sowie alle warmen Sachen hatten wir, dummerweise wie sich noch zeigen wird bei Danai in Thailand gelassen. Dieses Gepäck wollten wir gestern wieder abholen und weiter nach Myanmar.


Viel versprachen wir uns nicht von Manilas Attraktionen, wollten uns aber doch anschauen ob es wirklich so schlimm ist wie alle sagen.


Manila ist dreckig und stinkt, aber nicht überall. Ein Gewusel auf den Straßen, überall hupte es, es war abartig heiß und Jeepneys bliesen einem Abgase ins Gesicht. Es roch nach frittiertem Essen und die Leute grüßten uns super freundlich. Es hätte also doch deutlich schlimmer kommen können.

Wir steuerten auf der Suche nach etwas zu Essen über einen belebten Platz und wurden postwendend mit der dunklen Seite des Entwicklungslandes konfrontiert. Eine bettelnde Mutter mit Kind im Kinderwagen. Die Geldscheine stapelten sich schon auf dem Kind dessen Kopf größer war als der Rest seines Körpers, die Augen nach innen gedreht lag es fast reglos da und bescherte der Mutter verhältnismäßig hohe Beträge.

Keine 10 Meter weiter dasselbe Schauspiel.


Nachdem wir diese Anblicke so weit verdaut hatten, konzentrierten wir uns geerdeter wieder darauf etwas zu essen zu finden. Dass uns die Küche nicht so sehr liegen würde, war abzusehen, aber dass es wirklich nichts gab was kein Burger, frittiertes Hühnchen oder eine extra fleischige Pizza war erstaunte uns dann doch. Es gab jede Menge Restaurants aber alle servierten das Gleiche.

Wir entschieden uns für die einzigste fleischlose Pizza und nahmen in einem gerammelt vollen Restaurant Platz. Die Pizza in der Größe eines Bierdeckels ließ nicht lange auf sich warten, die Wartezeit reichte aber dennoch aus, dass ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr herauskam. Ein normales Menü umfasste einen halben Liter Eistee mit einer Zuckermenge, der die Tagesdosis des kompletten Tour de France Fahrerpulks bedienen könnte, eine Portion Nudeln mit extra fleischiger Soße an frittiertem Hähnchenstreifen. Dazu noch eine ebenfalls frittierte Hähnchenkeule und zwei Stück Pizza. Das hätte uns zu zweit für den kompletten Tag gereicht, hier verputzt das eine maximal zwölfjährige während sie mit voller Lautstärke Anime auf dem iPad schaut.


Die Klientel glich den klassischen „Maxi Menü und eine Cola Light“ Kunden bei MC Donalds und Burger King. Leerer Blick, schlechte Haut und leichtes bis schweres Übergewichtig. Das Problem, so sollte sich noch herausstellen ist, dass die Restaurants zwar verschiedene Namen haben aber im Kern alle das gleiche servieren, und zwar so viel und so ungesund wie möglich. Das Käsesandwich aus dem Sandwichtoaster und die instant Nudelsuppe bei 7-Eleven kam mir hierzu vergleichsweise Gesund vor.


Nach Fett stinkend machten wir uns auf noch etwas zu entdecken. Gefunden haben wir nichts ausser eine Mall mit Foodcourt. Für Fastfoodliebhaber ein in Fett gehüllter Traum, für uns die absolute Hölle etwas Normales zu Essen zu finden ohne dabei einen Liter Öl verdauen zu müssen. Paniert und in heißem Fett ausgebacken stapelten sich die Eintagesküken hinter der Theke während daneben eine Schar von 20 grellgelb gekleideten Verkäufern versuchten Ihre Handys an den Mann zu bringen. Ein paar Meter weiter wurden wir dann von blauen Männchen umringt, die wiederum ein anderes Handymodell anpriesen.

1 Tages Küken

Am nächsten Morgen ging es Richtung Angeles City, von dort aus wollten wir, um uns Mal wieder etwas zu bewegen, einen Vulkan Besteigen. Wirklich informiert hatten wir uns nicht darüber aber sind einfach davon ausgegangen, dass sowas ja kein größeres Problem sein dürfte. Falsch gedacht!


Mindestens zwei Stunden Anfahrt, mit einem Bus, der losfährt, wenn er voll ist. Vor 6 Uhr früh hätten wir am Touristenzentrum sein müssen, um einen Jeep für knapp 200 Euro inkl. Guide zu buchen, um dann einen Großteil der Strecke gefahren zu werden und dann noch 45 Minuten bis zum Kratersee zu wandern. Eine andere Option wäre eine 50 km Wanderung mit knapp 1000 Höhenmetern. Natürlich auch nur mit Guide. Im ersten Moment verfluchte ich mich, dass wir unser Zelt und Ausrüstung in Bangkok gelassen haben, weil somit die zweite Option wegfiel. Die erste Option war uns schlichtweg zu teuer. Somit ging unsere Reise, ohne ein Bild vom Vulkan, weiter.


Nachdem um halb fünf der Wecker geklingelt hatte erreichten wir noch vor dem Mittagessen Alaminos und machten uns auch direkt auf zum Pier um den 100 Islands Nationalpark zu erkunden.

Im Internet hatte ich etwas von Kajaks gelesen, mit denen wir die Inseln auf eigene Faust erkunden können. Wir freuten uns auf Abenteuer, Sonne und etwas Sport. Am Pier angekommen schlugen halb meterhohe Wellen gegen die Steine und es blies eine steife Priese von Richtung der Inseln in unsere Richtung. Damit konnten wir die Kajaktour abhaken.


Wir mieteten uns ein überteuertes Boot mit Fahrer und Adjutanten und schipperten los. Der Schnorchel Spot war ein schlechter Witz und nach fünfzehn Minuten Umhergepaddel in trübem, aufgewirbeltem Wasser ließen wir den Motor wieder Starten, um den nächsten Haken an unserem Dreipunkteplan des Tages zu setzen. Nächster Stopp in einer Höhle mit 20 Chinesen aus einem bis vier Metern in trübes Wasser springen, aber nur mit Schwimmweste! Die Schwimmwesten hätten wir für vier Euro pro Weste von unseren Bootsfahrern leihen müssen. Nein danke! Weiter gings, nächster Stopp!

Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen blauen Meer. So schön es klang war es leider auch nicht, denn die betonierten Bänke und Tische waren von grillenden Familien belegt, von der Zipline blätterte der Rost und am einzigen Strandabschnitt räkelten sich dicke alte weiße Männer mit Ihren Mittelalten Philippinischen Frauen. Nach einer guten Stunde lichteten wir die Anker und setzen Kurs auf den Heimathafen. Für die Jungs ein kurzer Arbeitstag, für uns ein teurer Flop der uns auch noch einige Stunden Schlaf gekostet hatte.

Da weit und breit kein Restaurant zu finden war beschlossen wir im Hotel zu essen und fragten sicherheitshalber, ob das Gemüse Chopsuey auch wirklich ohne Fleisch ist. Clara schob noch die Frage, ob es wirklich vegetarisch ist hinterher. Beides wurde bejaht. Serviert wurde ein Sud aus Kohl und Calamari. Na danke.


Der Nächste Morgen das gleiche Spiel. Bitte das Frühstück ohne Bacon und Wurst. Viermal wiederholten wir alles damit es dieses Mal auch wirklich im Kopf hängen bleibt. Hat auch nichts genützt, das Rührei schwamm im Fett des daneben aufgetürmten Bacons. Kein Fleisch essen zu wollen scheint den meisten Einheimischen ein völlig abwegiges Konzept zu sein. Als wir in einem anderen Restaurant nach Gerichten ohne Fleisch fragten, blökte die Chefin uns in einem mehr als abfälligen Blick an, dass alle servierten Gerichte mit Fleisch sind. Diese freundliche Dame hat einen bleibenden, wenn auch degenerierten Eindruck hinterlassen.


Die weitere Planung sah vor die Reisterrassen in Banaue und die hängenden Särge bei Sagada zu besuchen. Da der Busfahrplan zwei Busse pro Tag ohne Abfahrtszeit allerdings mit 12 Stunden Fahrzeit vorsah, sowie einem Tricycle und zwei weiteren Bussen, entschlossen wir uns das Ganze wieder zu streichen, nach Manila zu fahren, uns ein entspanntes Hotel zu Mieten und einfach mal nichts tun.


In Manila angekommen wurden wir während ich dabei war ein Grab Taxi für 195 Peso zu buchen von einem Taxifahrer genervt, der uns fahren wollte. Er startete die Verhandlung bei 300 ließ sich aber doch darauf ein uns für 200 ins Hotel zu bringen. In dem Moment als wir die Türen des Taxis schlossen, sagte er, 250 ist der Preis und fuhr los. Ich forderte, zu diesem Zeitpunkt noch freundlich, sofort anzuhalten damit wir aussteigen können. Die Forderung wurde gekonnt ignoriert und er schaltete den Taximeter an und verkündete wir fahren nach Taximeter, welches vermutlich frisiert war, weil Stau ist. Unseren Hinweis, dass es sein Risiko ist, wenn er einen Festpreis vereinbart, schien er während des Fahrens kognitiv nicht verarbeiten zu können und zeigte nur auf sein Taximeter. Google Maps zu Folge fuhr er in die falsche Richtung und direkt in einen Stau. Ganz Groß dachte ich, so ein Vollidiot. Ich machte ihn noch einmal etwas lauter darauf aufmerksam, dass wir für 200 Peso fahren, komme was wolle. Er blickte weiterhin stoisch nach vorne auf die Straße und in das Ende des Staus. Na gut, gibt’s beim Aussteigen halt Ärger, aber was will er schon machen, mitten in der Großstadt. Nachdem er die zweite Abfahrt trotz seines Navis verpasst hatte navigierte ich ihn zum Hotel. Als wir vielleicht 300 Meter vom Hotel entfernt waren und der Taximeter noch bei 160 Peso stand, schaltete er es wieder ab. Wortlos nahm er die 200 und öffnete und sparte sich auch die Hilfe mit dem Gepäck. Nun wundere ich mich nicht mehr warum Grab immer größer wird und alle einem von normalen Taxis abraten.

Wir hatten ein „Loft“ gemietet. Der Eingangsbereich glich eher einem Hilton als einer 20 Euro Bude. War auch der falsche Eingang und wir wurden vom netten Portier in den etwas dunkleren Teils des Gebäudes geführt. 40 Zimmer auf sechs Stockwerken, wir fühlten uns zwar wie in einem Hühnerstall aber das Personal war super freundlich und tauschte ohne Kommentar unser durchgesessenes Sofa. Eines Nachts, wir hatten schon geschlafen, drang Lärm an unsere Ohren. Die Nacht davor war auch schon etwas lauter gewesen, aber es hatte sich schnell wieder gelegt. Dieses Mal hörte es aber nicht auf. Nach ein paar Minuten Geschrei und Türen Geknalle kletterten wir aus unserem Hochbett und äugten durch den Türspion. Niemand da, aber immer wieder Geschrei. Als ich den Kopf aus der Türe steckte, merkte ich, dass auch niemand auf dem Gang war, der Lärm kam direkt aus dem Zimmer gegenüber. Das Zimmer war innenliegend und hatte nur ein Fenster zum Gang, dieses war geöffnet. So erklärte sich auch der Lärm. Meiner freundlichen Bitte durch die geschlossene Türe, leise zu sein, da andere Leute gerne schlafen möchten, vergaßen die zwei Streithähne schnell wieder und zeterten unbeirrt weiter. Mittlerweile waren auch zwei leicht aggressive Filipinos mit mir auf dem Gang. Nachdem wir an der Türe geklopft hatten, kam ein für einheimische Verhältnisse recht stämmiger Filipino heraus und fragte was wir denn wollen, da er wohl nicht verstand, dass man bei so einem Geschrei schlecht schlafen kann. Hinter Ihm saß eine hysterische Frau, die auch jetzt nicht mit dem Gekeife aufhörte. Er hingegen wirkte recht gefasst, er erklärte, dass Sie in Ihr Handy geglotzt hatte, er es Ihr wegnehmen wollte und es Ihr an den Kopf geknallt ist. Ob plausibel oder nicht konnte ich nicht beurteilen, allerdings wirkte Sie eher wie eine Drama-Queen. Ich legte ihm nahe den Streitigkeiten doch bitte mit etwas heruntergedrehter Lautstärke beizulegen, ansonsten stehen wir in einer Minute wieder hier und holen die Sicherheitsbeamten. Sie bejahte noch die Frage, ob alles OK sei also drehten wir uns um und gingen in unsere Zimmer. Keine 30 Sekunden später keiften Sie wieder los. Klopf, klopf, Türe auf, helft mir rief Sie, aber aus dem Zimmer kommen wollte Sie nicht. Mein Mitstreiter der seiner Größe geschuldet vermutlich keine Achterbahn Fahren dürfte, drohte ihm irgendetwas an was ich nicht verstand. Der Große fragte berechtigt was genau er denn machen möchte, denn seine Hand war weit größer als den kleinen Kopf. In diesem Moment kam die Security ums eck und verschwand im Zimmer. Türe zu, Türe wieder auf und der Security kam wieder heraus, ein Knall und ein Schrei, dass Ihr Handy kaputt sei. Nun kamen mehrere Securitys und legten den Streit irgendwie bei. Wir konnten aber endlich in Ruhe schlafen.

Unser Flug von Manila nach Puerta Princessa auf der Insel Palawan südlich von Manila ging Planmäßig. Zu meiner Freude mussten wir nicht mit dem Bus vom Flieger zum Terminal fahren. Wir durften einfach über das Rollfeld laufen.

Der Transport war schnell geklärt und wir stiegen in einen Van. Dieser brachte uns zu einem kleinen Büro wo wir unser Ticket für die Fahrt nach El Nido bezahlten. Dann fuhr der Van wieder zum Flughafen sammelte nochmals ein paar Leute ein, die er wieder zum Büro transportierte bevor wir dann tatsächlich nach El Nido aufbrachen.


Nach 6 Std. fahrt mit 180er Puls dank der Fahrweise unseres Chauffeurs erreichten wir nervlich etwas angeschlagen unser Ziel. Dass keine Hunde, Katzen oder Menschen an der Frontscheibe klebten, glich einem Wunder, denn die Innerörtlichen Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überhohlverbote schienen für unseren Nicki Lauda nicht einmal eine grobe Richtlinie darzustellen.

LIO Beach

Nach ein paar erholsamen Tagen und Ausflügen mit dem Roller um die Insel zu erkunden erreichten uns Kim und Steffi. Wir buchten nachts noch eine dreitägige Tour mit dem Boot zu unserem nächsten Ziel nach Coron. Nach einer nicht ganz so entspannten Nacht, im bis dahin schlimmsten Hotel der Reise, stand am nächsten Morgen um 6:30 Uhr plötzlich unser Reiseveranstalter Marco bei uns auf der Matte und teilte uns mit, dass nicht nur Manila, sondern jetzt auch noch Coron mit einem Lockdown beschert wird , zwar dürten bis morgen noch Boote anlegen, wir dafür aber nicht rechtzeitig eintreffen würden. Er bot uns an die dreitägige Bootstour trotzdem zu machen, allerdings mit der Ankunft wieder in El Nido. Wir ließen ihm freie Hand bei der Planung und starteten unseren Trip mit einer Stunde Verspätung.

Für die Fahrt zum Pier war eine gute dreiviertel Stunde veranschlagt. Nach ungefähr der Hälfte der Zeit stoppten wir am Straßenrand. Marco, der uns davor mitgeteilt hatte, dass er gerne mitgekommen wäre, es aber leider nicht klappt, stieg aus und lief auf die andere Seite der Straße. Dort stand ein etwas ramponiertes Moped und zwei Jungs mit Basketballjerseys, tief sitzenden Baggyhosen und Base-Caps. Einer davon war Käsebleich und hätte ich auf die Herkunft wetten müssen, hätte ich zwischen Ukraine und Russland entschieden. Es stellte sich allerdings heraus, dass es ein komplett besoffener Albino Filipino war. Die Schiebetür wurde geöffnet und Marco verkündete "hier sind eure Guides für die nächsten Tage" und die alpinaweiß gefärbte Friedenstaube stieg ohne ein Wort des Grußes in den Van. Während sich seine Gerüche im inneren unseres Busses verteilten telefonierte er schmatzend und fädenziehend per FaceTime mit einer Frau welcher er verkündete, dass er mit den Gästen für die erste Nacht im Auto sitze. Er hatte zu diesem Zeitpunkt noch kein Wort mit uns gewechselt. Kim hatte zwar versucht ihn anzusprechen allerdings ohne Erfolg. Er schmatze konsequent auf seinem Kaugummi herum und telefonierte in einer Tour während sein schlaksiger Kollege mit seinem Moped in der Prallen-Sonne hinter uns her düste. Ganz geheuer schien uns die Situation nicht mehr und die Mädels spekulierten schon, ob wir als Suppeneinlage oder GermanAdobo auf einer bisher unentdeckten Insel enden.

Der eigentlich geplante Pier lag schon hinter uns und unser Reiseveranstalter telefonierte Pausenlos. Der Van stoppte, die Schiebetüre öffnete sich und unser Blütenweißer neuer bester Freund stieg aus und nahm hinter dem Schlacks auf dem Zweirad platz. Sie fuhren voraus. Marco erklärte uns derweil, dass die zwei besoffenen Spezialagenten nun das Boot und das Essen organisieren werden und uns am neuen Pier wieder treffen. Unsere Anmerkung, dass die Zwei uns nicht ganz koscher sind, wurde erst einmal gekonnt überhört.Nach ein paar weiteren Telefonaten teilte Marco uns mit, dass er Agent 1 und 2, die vor uns abgebogen waren, um dann ein paar hundert Meter weiter wieder hinter uns aufzutauchen, nun entlassen hätte, weil sie voll wie eine Strandhaubitze waren und wir eine neue Crew bekommen.


Das letzte was ich von unserem ungleichen Pärchen Ingo und Gerry sah, war wie sie sich am Kiosk mit mehren Litros Red Horse (Starkbier mit 7%) und Zigaretten eindeckten. Danach sahen wir Sie leider nie wieder. Schade!


Mit nur etwas über drei Stunden Verspätung erschien dann auch endlich unser Boot am Horizont und genau dort schien es auch vor Anker zu gehen. Die Crew trug die Ladung über dem Kopf durch das von den Wellen teils aufgeschaukelte und bis zur Brust reichende Wasser über mehrere hundert Meter an den Strand.


Ein Crewmitglied paddelte mit einem Kajak zu uns und begann die Rucksäcke in viel zu kleine Müllbeutel zu packen, um sie vor dem Ertrinken zu schützen. Dass seine Konstruktionen maximal leichtem Spritzwasser standhalten werden und gegen die Wellen sowie ein Untertauchen absolut keinen Schutz bietet, schien ihn weniger zu beunruhigen als uns. Die teuersten und empfindlichsten Sachen hatten wir tauchlehrerlike im Wetpack verstaut und stürzten uns in die Fluten. Wie durch ein Wunder wurde mein Rucksack nur an den Schultergurten etwas nass wohingegen der Rest komplett trocken blieb, obwohl die Rucksäcke das Körpergewicht der hageren Crew deutlich überstiegen haben dürfte.


Wir begrüßten unsere Matrosen und stellten fest, dass keiner von Ihnen mehr als drei Wörter Englisch sprach. Während auf dem Kajak zwei Kisten warmes Bier herangeschafft wurden fragten wir uns, wann es losgeht und wie wir uns mit den Jungs verständigen sollten.


Sie diskutierten noch mit der Besatzung eines nebenan vor Anker liegenden Boots, bevor einer der Seeleute zum Entern ansetzte und trotz seinen wohlwollend gemessenen 1,60 Metern wieselflink unser Boot erklomm und sich als unser Guide Jack vorstellte. Nach ein paar Bier am Abend erzählte er, dass er nichts zu tun hatte und er spontan als Guide engagiert wurde, weil keiner der Jungs Englisch konnte. In Deutschland wäre so eine Organisation unvorstellbar aber überall sonst funktioniert es einfach, manchmal dauert es zwar etwas länger aber es klappt immer!


Erster Stopp im Windschatten eines Felsens, wir wurden zum Schnorcheln ins Wasser gebeten und ließen uns nicht lange bitten. Keine 30 Sekunden im Wasser schlitze ich mir an einer messerscharfen Koralle den Fuß auf und verfluchte mich kurz keine modischen Wasserschuhe von einem der Shops erstanden zu haben. Unter Wasser sah es auch so aus als, ob es nicht blutete, ich hatte allerdings die Hoffnung, dass der Geruch von frischem Blut vielleicht noch ein Seepferdchen oder alternativ einen Hai anlockt. Leider Fehlanzeige. Dafür durften wir einen in einer Anemone lebende Nemo Familie mit unserer Anwesenheit beglücken. Die Haie mussten warten!

Zum Mittagessen um halb vier legten wir auf einer kleinen Menschenleeren Insel mit Sandbank an und es wurde Essen für 8–10 Personen serviert, wir waren zu viert.


Weiter gings zur ersten Übernachtung, ein kleines Dorf auf einer kleinen Insel. Von zwei Seiten Strand und von zwei Seiten Hügel. Ich hätte es mir nicht schöner vorstellen können. Nach dem Duschen wurde uns allerdings mitgeteilt, dass Ausländer nicht mehr auf Inseln mit Dörfern von Einheimischen übernachten dürfen (dank Corona) und so setzten wir während die Sonne gerade hinter dem Horizont verschwand Segel und schipperten in die Dunkelheit. Zwei Mann der Besatzung standen am Bug und spähten abwechselnd in die Tiefe und in die Ferne, was sie zu erspähen versuchten war mich nicht ganz klar. Zu sehen waren außer ein paar entfernte Lichter von Fischerbooten nichts außer eine alles umfassende Dunkelheit. Als wir Jack unsere recht helle Taschenlampe überreichten freuten sie sich wie kleine Kinder über Süßigkeiten und waren von der Leuchtleistung so begeistert, dass sie permanent damit herumwedelten und versuchten Flughunde anzuleuchten anstatt uns den Weg durch die Untiefen und Riffe zu leuchten.

Nach 50 Minuten in völliger Dunkelheit warfen wir den Anker und paddelten mit dem Kajak an Land wo ein paar nette kleine Bambushütten auf uns warteten. Nach einer etwas kürzeren Nacht erwartete uns schon ein reichlich gedeckter Frühstückstisch und ein etwas angeschlagener Guide. Die Jungs schienen die Flasche Rum, welche wir Ihnen hingestellt hatten noch genossen zu haben. Unser erster Stopp war eine Insel mit mal wieder perfekt türkisem Wasser und einem noch viel perfekter aussehenden Strand. Letzterer war allerdings etwas umgepflügt und wir entdeckten kurz darauf den Verantwortlichen für das Chaos. Ein Schwein.

Auf der Nächsten Insel lebten in paar Einheimische, welche sich einen armen Affen an der Kette hielten. Dieser schlürfte genüsslich das von uns bereitgestellte Wasser bevor er begann Steffis Haare zu entlausen. Als Dank für Speis und Trank erleichterte er sich noch auf ihrer Schulter um topfit in seinen Krieg mit den Hühnern ziehen zu können. Dieser war wegen seiner kurzen Leine allerdings aussichtslos da er keine Chance hatte die Eierlegenden Aggressoren zu erreichen.

Nach einer feuchtfröhlichen Nacht mit der Crew ging es am nächsten Morgen wieder zurück Richtung Festland. Die See war unruhig und so war auch die Crew. Wir bekamen den zähsten und trockensten Fisch den ich jemals probieren durfte vorgesetzt und erfreuten uns ein letztes Mal an den weißen Stränden, dem türkisen Meer und dem erfrischenden Wind. Als wir gerade am Aufbrechen waren erzählte Jack von einer riesigen angespülten Schildkröte keine 100 m von hier. Wir machten uns sofort auf in die Richtung und konnten sie sofort riechen. So hatte ich mir die erste Schildkröte nicht unbedingt vorgestellt aber sehen wollte ich es trotzdem. Der aufgequollene Kadaver der armen Kreatur wurde von der Brandung immer wieder an den Strand geworfen. Eine Flosse war komplett verkümmert und vermutlich schon vor langer Zeit durch ein Fischernetz abgeschnürt worden. Keine 50 Meter davon fanden wir noch einen ebenfalls verwesender auf einen Stock gespießten Schweinekopf, wohl ein Überbleibsel einer Grillparty.

Dead Turtle

Je näher wir dem Festland kamen, desto nervöser wurden unsere Skipper und wir mussten Schwimmwesten anziehen, um bei einer Kontrolle durch die Küstenwache zumindest deshalb keinen Ärger für nicht angelegte Westen zu bekommen. Wir kamen dennoch ohne Zwischenfall an Land. Dort wurde direkt Fieber gemessen und wir bekamen zum ersten Mal mit was für ein Ausmaß der angekündigte Lockdown hat.

Etwas genervt von der mehr als unklaren Situation und Ihren Auswirkungen ließen wir uns am Flugplatz absetzen und belagerten mit anderen Touristen das Büro der ansässigen Fluggesellschaft AirSwift. Es wurde uns sehr freundlich mitgeteilt, dass wir für einen Flug der Normalerweise bei 30–40 Euro liegt mit Preisen bis zu 450 Euro rechnen müssen. Der zweite Haken an der Sache war, dass wir ein internationales Flugticket mit Abflug in den nächsten 24 Std. ab Manila hätten vorweisen müssen um überhaupt in den Großraum Manila zu dürfen. Dieses Ticket hatten wir nicht und so kurzfristig war wegen des enormen Andrangs auch kein Flug buchbar.


So checkten wir im Hotel ein und harrten der Dinge, die da kommen. Am Abend waren schon einige Läden geschlossen, es war ruhiger als gewöhnlich aber es war angenehm, fast normal. Nur vor dem Gebäude der Tourist Police war ein riesiger Andrang und Geschrei, um was es ging haben wir nicht verstanden.

Noch wurde es mit Humor genommen

Wie es uns erging und wie wir es wieder nach Deutschland geschafft haben erzählen wir Euch im nächsten Blogeintrag.


Liebe Grüße.


Clara und Max

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