• Clara & Max

Kasachstan

„Kazakstan is the Best Country in the World“ ~ Borat ~ kasachischer Volksheld

Wie der Weg von der Grenze bis Kostanay verlief auch die Route bis in die Hauptstadt durch eine endlos wirkende Steppe. Diese Weite überwältigte immer wieder und ist nicht in Worte zu fassen. Hin und wieder kreuzen wild umherstreifende Pferde die Straßen.

03 + 04.09.2019 „Nur-Sultan!“ Werde ich bei einer völlig abstrusen Polizeikontrolle vom Beamten barsch korrigiert nachdem ihm versuchte klar zu machen, dass wir nach Astana fahren. Von mir aus auch Nur-Sultan, aber lass uns jetzt in Ruhe essen, denken wir uns, er scheint es zu verstehen und zieht ab. Er war tatsächlich der einzige Kasache welcher den neuen Namen benutzte. Die Mehrheit steht nicht nur der Namensänderung skeptisch gegenüber, sondern halten auch nichts von der Stadt selbst, welche nach Almaty nur die zweitgrößte Stadt des Landes ist. Viel Gutes hatten wir nicht gehört, anschauen wollten wir die aus der Steppe gestampfte Metropole aus Beton und Glas dennoch. Touristenfreundlich wurde alles, was man laut Reiseführern gesehen haben muss, in eine einzige Häuserschlucht gepackt. Wir konnten bequem an einem Nachmittag alles abklappern und hatten noch genug Zeit übrig für ein ausgiebiges Abendessen, um das surreale Bild der Stadt auch noch bei Nacht einzufangen. Es war alles sehr seltsam, es sah zwar alles ganz schick aus, aber nirgendwo waren Menschen, wo einem in Russland zehntausende Chinesen pro Stunde durchs Bild laufen würden, begegnen wir hier nur vereinzelt Menschen. Das Abendessen im fast leeren Restaurant mit Blick auf das Wahrzeichen der Stadt (Bejerek-Tower) schlägt mit stolzen 10 € inklusive Getränken zu Buche.



Den zweiten Tag in Astana verschlafen wir genüsslich, buchten uns ins Hostel ein und versuchen unsere Sachen zu waschen. Da der Trockner nicht funktioniert fahren wir doch nochmal los in einen Waschsalon, dieser funktioniert zwar, schließt aber zu früh und siehe da, wir müssen doch noch alles über Nacht im Bus aufhängen.

06 - 09.09.2019 Wir haben 1470 Kilometer vor uns und starten gegen Mittag, Clara freut sich schon auf die Ihr versprochenen Chickennuggets in der nächsten großen Stadt, während ich mich immer noch über die seltsame Stadt wundere. Auf der Hälfte der ersten Etappe schlägt Google vor, von der relativ guten Straße abzubiegen und somit 30 Minuten einzusparen. Gesagt getan, der Schwabe in uns grinste zufrieden ob der Einsparung und wir bogen ab. Der erste Kilometer in ein kleines Nest war zwar nicht geteert aber erträglich. Von dort an führte unser Navigator uns mehr oder minder querfeldein durch die Steppe. Hin und wieder kreuzte ein Pfad, verschmolz mit dem unseren um sich dann wieder willkürlich zu teilen und in alle Richtungen davonzulaufen. Hier gibt es keine richtigen oder falschen Wege nur eine richtige oder falsche Richtung. Die Abkürzung, die keine war, führte uns schlussendlich nach Karaganda. Die Bergbau, genauer gesagt Kohle Metropole empfing uns zum Sonnenuntergang mit all Ihrem Charme. Wir konnten uns förmlich vorstellen, wie es im Ruhrpott früher ausgesehen haben muss. Überall rauchende Schornsteine verdreckte Straßen und versmogte Luft. Da die Stadt uns nicht ganz geheuer war und die Straßen abgesehen von unserem kleinen Ausflug in die Prärie heute ganz gut waren entschlossen wir uns trotz Dunkelheit noch „etwas“ aus der Stadt raus zu fahren, um zu übernachten. Das die folgenden 500 Kilometer eine einzige Baustelle waren, wussten wir da noch nicht. Wer aus dem Raum Stuttgart kommt, kennt Baustellen zur Genüge, aber das hier, alle Achtung. So ballerten wir bei völliger Dunkelheit mit 60 Sachen über die „Autobahn“ bis uns das erste Baustellenschild in eine Umleitung schickte. Genaugenommen war es kein Schild, es war lediglich 2 Meter hoch Erde auf den löchrigen Teer geschüttet worden. Diese Haufen wiesen darauf hin, dass wir entweder links oder rechts vorbei müssen. Die Umleitungen selbst waren weder asphaltiert noch irgendwie markiert. Hin und wieder kam eine Geschwindigkeitsbegrenzung mit 60 oder 40 km/h, was aber beides völlig utopisch ist. Wer hier 40 fährt, hat die Kontrolle über sein Fahrwerk verloren (Karl Lagerfeld). Die Umleitungen wurden immer länger und gipfelten irhendwann in einer Art Parallelwelt zur Straße. Je länger wir fuhren desto dunkler wurde es und umso mehr verschwammen die Welten. Wir waren uns nie ganz sicher, wo wir uns gerade befinden. Die Kasachen schien das wenig zu stören und überholten unbeirrt in Ihren verrosteten Ladas. Nicht wenige davon sahen wir kurze Zeit später mit Warnblinklicht am Straßenrand stehen und ratlos in die geöffneten Motorhauben starren oder Ihre geplatzte Reifen wechseln. Nachdem wir eine halbe Stunde mit 20 km/h einem LKW hinterher getuckert waren, entschloss ich mich, nachdem zwei Autos und ein Transporter an uns und dem LKW vorbeigezogen waren, auch zu Überholen. Keine zwei Sekunden später ertönte die Sirene und das Blaulicht flackerte im Rückspiegel. Warum er uns rauszieht und nicht diejenigen, welche auch noch mit viel zu hoher Geschwindigkeit überholen war nicht so ganz klar. Nach Überprüfung der Papiere durfte ich auf dem Beifahrersitz des Polizeiautos platznehmen. Der Fahrer füllte geschäftig Formulare aus, in vierfacher Ausführung, händisch, ohne Blaupause. Sein Kollege machte mir klar, dass ich nicht hätte überholen dürfen. OK, habe ich verstanden, aber was jetzt? Ich reichte ihm mein Handy zum Übersetzen. Wirklich klar wurde es trotz Übersetzer nicht, das eine Mal wollte er mir den Führerschein für sechs Monate entziehen, beim zweiten Mal wurde mit einer Gerichtsverhandlung gedroht. Da ich nicht wusste, was Sie jetzt von mir wollen, rief ich Alina (eine aus Kasachstan stammende Freundin) an. Nach einer Minute Telefonat, entließen sie mich fluchend aus Ihrer Obhut. Vermutlich hatten Sie auf ein saftiges Bakshish gewartet. Pech gehabt :-)

Die folgenden zwei Tage verbrachten wir nur auf der Straße und schliefen hinter kleinen Hügeln am Straßenrand.



Bei einer Mittagspause direkt am Balkash See beobachteten wir zuerst eine kleine Herde trinkende Pferde. Nach einem kleinen Mittagsschlaf tauchte auch noch eine Herde Kamele auf. Wir konnten unser Glück kaum fassen, waren uns aber nicht sicher, ob diese Austreten oder uns eine rechte Gerade verpassen, wenn wir zu nahe kommen. Als wir gerade aufbrechen wollten kam der Besitzer der Tiere und rief den Anführer der Kamele heran, sodass wir auch noch ein paar Bilder aus der Nähe schießen konnten. Er lud uns auch noch zu sich ein und führte uns einmal über seinen Hof. Überall Müll, kaputte Autos, Motorräder oder andere Geräte. Die Ludolfs hätten hier sicher, dass ein oder andere Teil gebrauchen können wir fühlten uns aber irgendwie unwohl und waren erleichtert, als ein Arbeiter kam, der den Chef brauchte und wir abdüsen konnten. Sein Hund Sharik war allerdings zuckersüß.



Drei Stunden vor Almaty beschlossen wir nochmals eine Pause zu machen und fuhren ein paar Meter in die Steppe. Hier war weit und breit nichts außer ein paar Pferde und Kühe am Horizont. Als wir aus dem Fenster schielten, entdeckten wir einen riesigen aber ausgehungerten Hund, der auf uns aufzupassen schien. Da er so traurig guckte beschlossen wir ihm unser, in schwerster Handarbeit gewürfeltes Knödelbrot zu verfüttern. Das und eine Schüssel Wasser verschlang der treue Geselle innerhalb kürzester Zeit. Das veranlasste uns, in Ermangelung von Chappi oder Pedigree noch eine große Portion Nudeln für ihn zu kochen, welcher er auch mit größtem Genuss verschlang bevor er sich wieder in die Steppe verkrümelte.

10 + 11.09.2019 In Almaty angekommen verbrachten wir den ersten Tag mit einkaufen und Reifenwechseln bis wir am frühen Abend völlig überraschend in der Wohnung von Alinas Schwester einquartiert wurden. Sie und die Familie zieht um und unter der Woche sind Sie außerhalb der Stadt, damit die zwei Mädchen in den Kindergarten können. Perfekt für uns, Dusche, Waschmaschine, Trockner Küche. Wir genossen das nichts tun und das Warten auf die endlich perfekt getrocknete Wäsche. Gegen späten Nachmittag fuhren wir noch in die Stadt und schlenderten etwas umher. Am Abend trafen wir uns mit einem Bekannten zum Essen in einem chinesischen Nudelrestaurant mit anschließendem Stadtbummel. Wir kamen viel später als geplant ins Bett und freuten uns schon auf den Wecker um 5 Uhr morgens.

12.09.2019 Nach einer viel zu kurzen Nacht zwangen wir uns aufzustehen um Jonas (Claras Bruder) den nun dritten im Bunde abzuholen. Dieser wartete schon mit einer leicht überdimensionierten Reisetasche am Flughafen.


Sein Hotel erlaubte Check-in um 7 :-) sodass wir uns alle noch ausschlafen konnten. Mittags besuchten wir dann den Big Almaty Lake


und fuhren zum Sonnenuntergang mit der Seilbahn auf den Kok-Tobe. Eine Art Freizeitpark auf einem Hügel mit eigentlich guter Aussicht. Überall wird man eingeladen auf einem der maroden Gefährte der Schausteller Platz zu nehmen und die Fahrt zu genießen oder mit einer Kalaschnikow zu schießen. Wir entschieden uns dagegen, da die Fahrgeschäfte schon unter Ihrer eigenen Last enorm zu leiden hatten und auch der Rost, welcher schon etwas über die Definition Flugrost hinaus war, keinen sonderlich vertrauenerweckenden Eindruck machte. Der Sonnenunter- und der Mondaufgang waren im Vergleich zu den Buden und dem Streichelzoo aber jeden Cent der Gondelfahrt wert.



Zum Abendessen fuhren wir in ein empfohlenes Restaurant was sicher in keinem Reiseführer steht. Dank Alinas Tipp speisten wir wie die Könige, luden noch Vadim und seine Freundin Anastasia, welche wir Mittags am See kennengelernt hatten, ein und kamen mit 17 Euro aus der Nummer heraus :-) Nachdem Vadim uns mittags schon mit einer Mischung aus deutsch, englisch und russisch alles über den See und ein ehemaliges japanisches Gefängnis erzählte und zeigte er uns zum Abschied noch eine Tüte Äpfel und eine riesen Portion Honig.


13.09.2019 The Singing Dune oder auch die „Singende Düne“ liegt, laut Google, 4 Stunden von Almaty. So fuhren wir frohen Mutes gegen Mittag los in der Absicht den Sonnenuntergang dort genießen zu können. Die Dünen liegen im Altyn-Emel Nationalpark und sind laut Berichten ein absolutes Highlight. Die Stecke bis zum Nationalpark war auf unverhältnismäßig gut asphaltierten Straßen. Dass es so etwas gibt, hatten wir fast vergessen. Dem Schild mit Nationalpark Head-Office folgten wir zwar kurz, als dieses aber nach 500 Metern nicht auftauchte wir was solls, dann fahren wir einfach so hin und gucken. Wir schafften ganze 5 Kilometer Schlaglochasphalt und 2 km Wellblech über Schotterpiste wir bis wir am ersten Schlagbaum scheiterten. Wir benötigen ein Ticket dieses gibt es, wie könnte es anders sein im Head Office. „Dieses schließt“, der Ranger kramte sein Handy hervor, „jetzt“ um exakt 18:00 Uhr. Es öffnet erst am nächsten Morgen um halb 10 wieder. Sonnenuntergang das was dann wohl. Auf gut Glück sind wir dennoch hingefahren. Fast schon durchgerostete Ketten und Schlösser an den Toren des Büros ließen auf nichts Gutes schließen. Ein Auto mit Einheimischen winkte uns aufgeregt zu, ich dachte zuerst sie beschweren sich, dass wir falsch herum in die Einbahnstraße gerast sind. Es stellte sich aber heraus, dass sie uns nur den Weg zum neuen Büro zeigen wollten. Dieses hatte wider Erwarten noch geöffnet und der freundliche Mitarbeiter erklärte uns, wo wir schlafen müssen und dass es fast 50 Kilometer bis zur Düne sind. Wir dachten eher 5 Kilometer und waren fast geschockt. Nach knappen 15 von 30 Kilometern bis zum Checkpoint an dem wir schlafen durften, musste ich, Burnout bedingt das Steuer abgeben und Clara setzte sich der Nervenprobe aus. Wir dachten, wir hatten schon viel gesehen und dachten ernsthaft, dieser Weg wird ein leichter sein. Pustekuchen, Steinig und schwer war er zwar nicht unbedingt aber dafür gewellt. Diese kleinen kaum 10 Zentimeter hohen Bodenwellen machten es unmöglich schneller, als 15 km/h zu fahren, da wir uns sonst direkt mit Tinnitus und Bandscheibenvorfall hätten behandeln lassen müssen. Hin und wieder, wenn mal 2 Meter ohne Wellen vor uns lagen versuchten wir Gas zu geben. Jedes Mal kamen wir nach kurzem ohrenbetäubendem Scheppern zum Stehen, die Wellen schaukelten uns so auf, dass wir Angst hatten das alles aber auch einfach alles aus seiner Verankerung brechen würde. Inneneinrichtung, Achsen,..., kurzzeitig überlegten wir, ob es möglich ist, dass der Motor selbst einfach herausfällt?


Selbst eine Bar Luft weniger in der Reifen sorgte zwar für Linderung aber keinesfalls für Heilung der Symptome. So lenkte Clara unseren Bus für fast zwei Stunden in einer Seelenruhe in fast Schrittgeschwindigkeit durch die pechschwarze Steppe. Währen dessen gönnten Jonas und ich uns ein hervorragendes Baikal 7 Bier, welches uns etwas von dem nervigen Geklappert und Geholper ablenkte. Ankunft am Checkpoint 20:20 der Ranger war etwas erbost darüber, dass wir 20 Minuten zu spät waren, ließ uns aber dann doch passieren. Nach einem stärkenden Mahl gingen wir schlafen. Die weiteren 20 Kilometer bis zur Düne waren ähnlich bescheiden wie Tags zuvor. Auf den Rückweg von fast 50 Kilometern freuten wir uns auch schon tierisch.

An der Düne angekommen frühstückten wir ausgiebig wobei uns ein paar stockbesoffene Kasachen recht gut unterhielten. Diese genossen Ihren Samstag in vollen Zügen und hatten sich auf der Fahrt schon ordentlich gegönnt. Die Hälfte beschloss gar nicht erst auf die Düne zu klettern und verschenkte Äpfel während sie gemeinsam voller Inbrunst den ein oder anderen uns unbekannten Hit trällerten. Nach dem Frühstück hieß es „Petri Heil“ und wir machten uns an den Aufstieg. Die Sonne brannte, es war mal wieder sehr clever genau in der Mittagshitze auf eine 120 Meter hohe Sanddüne zu kraxeln. Naja, nach gut 20 Minuten waren wir oben, zwar durchgeschwitzt und Sand in jeder Ritze, aber wir waren oben. Die Aussicht war super, aber niemand sang mehr. Weder die Kasachen noch die Düne. Man muss auf dem Allerwertesten hinterrutschen, dann fängt sie an zu Singen, hatte ich zumindest gelesen. Nein Danke! Noch mehr Sand überall wollten wir sicher nicht. Clara war die erste die, die Düne dann doch„singen“ ließ, mit einem gekonnten Sprung entlockte sie dem sandigen Ungetüm ein knarzendes Furzgeräusch. Mit etwas Übung bekamen wir es alle hin und sprangen um die Wette um der weitere Geräusche zu entlocken. Trotz der beschwerlichen Anfahrt hatte sich der Ausflug auf jeden Fall gelohnt. Nächstes Mal aber nur mit einem Jeep und riesigen Ballonreifen!



15.09.2019 Der Grand Canyon Kasachstans war das nächste Zeil und dank überraschend guter Straßen einfach zu erreichen. Leider muss man fast sagen, denn es war total überlaufen. Am oberen Parkplatz reihten sich Reisebusse. Kurz darunter diverse Autos. Natürlich waren wir an einem Sonntag dort. Keine drei Stunden Fahrt von Almaty entfernt, war es eigentlich nicht anders zu erwarten. Wir schafften trotz der vielen Leute den ein oder andern ruhigen Platz oberhalb des Charyn Canyons zu finden. Nachdem wir uns satt gesehen hatten beschlossen wir noch Vadims Tipp zu folgen und durch den Canyon bis an den Fluss zu wandern. Wir hatten unsere Badesachen eingepackt und stampften frohen Mutes. Eine Stunde später kamen wir unten an und konnten unseren Augen kaum trauen. Vadim hatte erzählte, wie entspannt es Tags zuvor dort war. Heute war dort Disko. Scheinbar waren die am Parkplatz stehenden Reisebusse mit Teenagern beladen, welche nun hier mit brummendem Generator zu Sowietpop eine Party veranstalteten.




Nichts wie weg hier sagten wir uns und traten quasi ohne Verschnaufpause den Rückweg an. Wir fuhren bis in die Nacht hinein, unabsichtlich auch 20 Kilometer durch eine eigentlich abgesperrte Baustelle wo sie gerade dabei waren die Straße neu zu teeren. Das sparte uns allerdings 30 Minuten Fahrzeit :-). Bei völliger Dunkelheit fanden wir bei einsetzendem Regen in einem „Neubaugebiet“ im letzten Ort vor der Grenze nach Kirgistan einen Schlafplatz. Am nächsten Morgen fanden wir an der dritten angesteuerten Tankstelle endlich den dringend benötigten Diesel, tankten voll und holperten über eine Schlaglochpiste entgegen der Grenze.

Pistola, Heroina, Cocaina, Marihuana? Löcherte mich der kasachische Zöllner während er den Bus ungewöhnlich genau inspizierte. Ne, haben heute nichts dabei sorry. Clara und Jonas waren schon in Kirgistan und winkten mir sichtlich fröstelnd zu, während ich versuchte zu erklären, dass das weiße Pulver im Gewürzregal neben dem Salz, das er wiederum selbständig erkannte, die Allzweckwaffe „Natron“ ist. Irgendwann gab er sich dann zufrieden. Er machte den Anschein, als hätte er erwartet etwas zu finden. Die Passkontrolle für Auto und mich lief etwas schleppend aber problemlos. Der Schlagbaum wurde geöffnet, ich fuhr 20 Meter und wurde sofort wieder gestoppt. Welcome to Kirgistan. Außer dem Wohlgefallen gegenüber unserem Bus äußerten sich keiner der Beamten und so konnte ich die zwei frierenden Gefährten wieder zusteigen lassen und Richtung Karakol am Yssyk See fahren. Ohne Haftpflichtversicherung versteht sich, diese ist zwar Pflicht, es sollte auch an jeder Grenze eine Grenzpolice abgeschlossen werden können, aber das war hier wohl egal. Also vorsichtig fahren und in Karakol sofort eine abschließen damit Jonas uns auch endlich mal kutschieren kann :-)

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Unsere 7 Tage Kirgistan sind nun auch fast vorbei und wir sitzen zur Höhenakklimatisierung auf 3200 Metern bei strahlend blauem Himmel kurz hinter Sary Tash in der Sonne, welche laut Jonas „abartig fatzt“. Clara backt Ihre sensationellen Pfannkuchen, Jonas liest eine stinklangweilige IT Zeitung in Hexa-Dezimal während ich diese Zeilen schreibe und alle paar Minuten aufschaue, um das sensationelle Panorama zu genießen.

Morgen, geht es nach Tadschikistan, welches keine 30 Kilometer von uns liegt. Um die Grenze zu erreichen, müssen wir allerdings über den Kyzyl-Art Pass welcher auf über 4200 Metern liegt und der spannendste Streckenabschnitt kann beginnen. Der lang ersehnte Pamir Highway, die ehemalige Seidenstraße entlang der afghanischen Grenze bis in die Hauptstadt Tadschikistan mit mehreren Pässen jenseits der 4000 Meter und einem atemberaubenden Blick auf die alles umgebenden Schneeweißen 7000er. Wir sind gespannt, haben großen Respekt vor dem was kommt aber freuen uns unbeschreiblich auf 1200 Kilometer Abenteuer pur. Da der Empfang dort mäßig bis nicht vorhanden sein wird, sind wir, so vermuten wir fünf bis zehn Tage offline. Das wird uns auch mal gut Tun :-)

Den Blog zu Kirgistan und warum Sergej fast zwei volle Tage an Bobby (Jonas war entsetzt, dass unser Bus keinen Namen hatte und taufte ihn kurzerhand Bobby Fisher) herumschrauben musste, erzählen wir Euch sobald wir wieder in normalen Höhenlagen mit ausreichend gutem Netzwerk sind...

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Der letzte Teil hätte eigentlich am 22.09.2019 online geen sollen aber das Internet war mehr als bescheiden ;)

Liebe Grüße Clara, Jonas und Max

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