• Clara & Max

Kindergarten Halchowk Secondary School- Kathmandu

Dieser Bericht wurde schon auf der Homepage des Nepal-Schulprojekts veröffentlicht. Allen die ihn noch nicht kennen wünschen wir viel Spaß beim Lesen


Wer sich die steilen Treppen zu Halchowk Secondary School hinaufquält, sollte trotz Sauerstoff Not nicht zu tief einatmen denn die umliegende Vegetation verbreitet den Geruch der dort verstreuten Abfälle und Abwässer, welche hier und da auch gemächlich über die Stufen plätschern.

Wer es nach oben schafft wird mit einer grandiosen Aussicht über die komplette Stadt und das gesamte Kathmandu Tal belohnt.


Die Aussicht an einem nicht ganz so klaren Tag

Wegen des Ausblicks waren wir allerdings nicht hier, wir möchten den, an die Schule angeschlossenen Kindergarten besuchen. Als wir den Schulhof betreten sitzen einige Klassen samt herausgeräumten Bänken in der Sonne und büffeln das ABC. Eine andere Gruppe schreibt mit mittlerem Erfolg wieder und wieder das

Wort Potato in ihr Buch. Als sie uns Entdecken winken sie und begrüßen uns mit einem schüchternen aber freundlichen Namaste.


Potato

Unterricht im Freien

Der Kindergarten liegt im Untergeschoss. Die Flügeltüren des Betonbunkers haben ein Spaltmaß, dass wir uns über die tags später entdeckte Maus im Schrank nicht wundern müssen. Als wir diese Türen öffnen bietet sich ein trauriges Bild. Anders als beim Besuch des im Vergleich vorbildlich und mit Liebe eingerichteten Kagendra Kindergartens, wo alle freudig umhertollten und sofort neugierig auf uns zukamen um uns in ihre Spiele einzubinden, saßen die sieben kleinen Mädchen in Jacken bei etwas über 10°C Grad auf dem eiskalten Fußboden.


Das ABC auf dem kalten Teppich

Der Putz mit etlichen aufgemalten Lernhilfen wie dem ABC, Zahlen, Tieren und Früchten bröckelte schon von den eiskalten Wänden. Solch einen Teppich, wie den auf dem die Kinder saßen, hatten wir selten gesehen. Die Adjektive schmutzig und verstaubt sind hierfür etwas zu positiv behaftet, als dass sie diesem Bodenbelag gerecht werden könnten. Staub und Dreck häuften sich in den Ecken des Raumes und bei jedem Schritt stob es in Wolken aus der grünen teils durchgelaufenen Matte. Auf dieser hockten oder lagen die kleinen und mussten abermals das Alphabet in ihre Büchlein schreiben.


Vor dem Umbau

Die Regale waren leer. Kein Spielzeug. Keine Kuscheltiere. Keine Bilder, außer Illustrationen von A wie Apple oder G wie Gun, den pädagogischen Wert des letzteren für kleine Kinder lassen wir an dieser Stelle unkommentiert. Auf der schmutzigen Tafel steht, wie könnte es anders sein das Alphabet. Schon die kleinsten werden zum Auswendiglernen erzogen. Eine Kindgerechte Entwicklung ist so nahezu unmöglich.


Auf dem Pausenhof

In die Staubschicht auf den Regalen kann man problemlos mit dem Finger schreiben. Es liegt eine abgelaufene und fast leerer Erste Hilfe Kiste herum. Hinter einem alten Radio steht noch ein Medizinfläschchen mit dem Hinweis „Keep out of the reach of children!“. In einer Ecke liegen noch Kissen und eine Decke, welche schon vor Monaten eine Wäsche verdient gehabt hätte.


Wir versuchen etwas auf die Kleinen zuzugehen und trotz der nicht vorhandenen Mittel mit Ihnen in zu spielen, diese sind allerdings sehr schüchtern und benötigten noch etwas Zeit um aufzutauen. Beim Zweiten und dritten Besuch waren sie schon viel offener.

Auch wenn wir wissen, dass diese Mädchen vermutlich noch zu den Glücklicheren gehören da sie einen Kindergarten besuchen dürfen und jeden Mittag ein warmes Essen bekommen, gehen wir an diesem Tag mit einem leicht bedrückten Gefühl nach Hause.

Voller Tatendrang erscheinen wir am nächsten Morgen und beginnen damit den schon festgeklebten Staub aus den Regalen zu wischen und siehe da plötzlich sehen auch die Erzieherinnen den Dreck und beginnen zu putzen. Als nächstes fliegt der Teppich und alles raus was in einem Kindergarten keinen Platz hat. Dabei vertrieben wir mehrere Familien von Kellerasseln und Spinnen welche sich allem Anschein nach schon länger häuslich eingerichtet hatten. Eine dieser Spinnen, so kam später anhand von Bildern heraus, war sogar giftig. Wenn auch nicht tödlich, ist ein Biss dieser Spinne scheinbar mit starken Schmerzen verbunden.



Nach der Mittagspause war der neue Teppich bereits verlegt und wir konnten mit dem Einräumen der am Vorabend gekauften Spielsachen beginnen. Letzteres war keine allzu leichte Aufgabe, da es nahezu unmöglich hochwertiges und nachhaltiges Spielzeug zu erstehen. Alles scheint aus billigstem Kunststoff gefertigt, sodass der Giraffe beim Aufstellen trotz minimalem Gewicht schon die Beine wegklappen.

Wir erstanden Wachsmalstifte, Malbücher, Papier, Malbretter (leider aus Plastik) Kuscheltiere und diverse andere Dinge. Nachdem die Regale nicht mehr ganz so leer und schmutzig aussahen, kamen auch noch Matratze, Kissen und Decken damit die kleinen einen Mittagsschlaf machen können. Als wir fertig waren, war der Kindergartentag schon beendet und wir freuten uns schon auf den nächsten Morgen, wenn die Mädchen ihren neuen Kindergarten das erste Mal sehen.

Voller Vorfreude aber mit etwas Verspätung trafen wir nach dem Steilen Aufstieg im Kindergarten ein, glücklicherweise waren wir dennoch die ersten.


Nach dem Umbau 1
Nach dem Umbau 2

Das wohl sinnvollste waren aber die aus Deutschland stammenden Handgestrickten warmen Wollsocken für die kalten kleinen Füße. Nachdem wir den nach und nach eintrudelnden Mädchen jeweils ein Paar übergestülpt hatten, stürmten sie mit leuchtenden Augen auf die gefüllten Regale zu und schnappten sich alles, was Sie tragen konnten, manche liefen auch zweimal. Die erste Zeit schienen sie aufgrund der Reizüberflutung und schier unendlichen Möglichkeiten etwas überfordert zu sein. Als sie nach einer Weile aber merkten, dass Ihnen keiner etwas wegnahm, begannen Sie sich auf eine Sache zu konzentrieren. Die eine bauten einen Zoo, andere malten oder setzen Bauklötze aufeinander und wieder andere spielten mit Bällen. Es war und ist immer noch ergreifend in die großen Augen der kleinen Mädchen zu sehen, wenn sie etwas Neues entdecken oder sich ganz vertieft ihrem bisher unbekannten Spiel widmen.


14 Als Erstes gab es warme handgestrickte Wollsocken
Die Magnetmaltafeln waren der absolute Renner

Seitdem sind auch noch kleine Tische hinzugekommen, sodass sie zum Malen nicht mehr auf dem Boden sitzen oder liegen müssen. Wir hoffen, dass wenn wir nicht dort sind, nicht weiterhin nur der Lerngedanke verfolgt wird und ihnen das Alphabet und erste Wörter eingetrichtert werden und sie weiterhin spielen dürfen.

Der Grundstein ist gelegt, nun liegt es an den Erzieherinnen die Möglichkeiten zu nutzen und einen Kindgerechten und sinnvollen Tagesablauf zu kreieren. Hierbei sollten Sie noch Unterstützung von den anderen Kindergärten erfahren und im Besten Fall mit einem Vorschlag für einen Tagesablauf und Aktivitäten versorgt werden. Des Weiteren sind die Erzieherinnen in die Pflicht zu nehmen für Ordnung und Sauberkeit im Kindergarten und der Kinder zu sorgen. Denn wenn hier nicht eine Kehrtwende und umdenken der sich ständig vor Ort befindenden Erzieherinnen stattfindet, kann dieses Sanierungsprojekt zur jährlichen Aufgabe gemacht werden.


Clara & Max

November 19 – Januar 20

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