• Clara & Max

Mittlerweile sitzen wir in einem süßen kleinen Café in Stavanger & unser Kilometerzähler zeigt....

Aktualisiert: März 10

stolze 1613 km mehr an, die wir in 6 Tagen seit dem letzten Eintrag zurückgelegt haben.



16.07.2019 Wir sind dann also über die Oeresundbrücke gefahren, die gar nicht mal so spektakulär war, und sind auf direktem Weg zu einem Autofriedhof in Schweden. Der ehemalige Geheimtipp ist wohl keiner mehr, dort angekommen standen schon am Straßenrand Wohnmobile und PKWs der Parkplatz hingegen war erstaunlicherweise leer. Ein ausgetrampelter Pfand führte parallel zur Hauptstraße ins Dickicht des Nadelwaldes. Das erste Autowrack war mein lang ersehnter Volvo Amazon, welcher fast bis zur Unkenntlichkeit vom Rost zerfressen da lag, lediglich die markante Schnauze und das Armaturenbrett ließen auf diesen Typ schließen. Je weiter wir vordrangen, desto mehr Wracks tauchten überall um uns auf. Von VW Käfer über Simca bis hin zu Chevrolet, ganzen Bussen und Fahrrädern war alles zu finden. Verrostete und moosbewachsene Karossen aus denen hin und wieder ein Chrom Teil blinkt und kleine Bäumchen sich den Weg durch den Motorblock suchen, erschaffen eine fast gespenstische Stimmung und wären da nicht die ständigen Rufe der Eltern „Sören bleib da weg“ oder „ach guck mal n Traktor“, dann würde man sich nicht wundern, wenn einem ein Charakter aus „Wrong Turn“ oder „The Hills have Eyes“ hinter dir ins Genick springen würden. So etwas ist hier allerdings nicht passiert, man erzählt sich, bzw. die dreisprachige Tafel sagt, dass man früher defekte Autos einfach am Wegesrand stehen ließ. Das rief wohl den ersten Ludolf, ein Torfbauer aus Ryd, auf den Plan. Dieser sammelte die kaputten Wägen ein, verwertete diese so gut es ging und verkaufte die Ersatzteile. Nach dessen Tod entschied die Stadt nach langem hin und her, dass die Natur sich diesen Ort zurückerobern darf. Zurück bleiben irgendwann die Kabel die nach Jahren noch immer einen vielfarbigen Kontrast zum Braun des Waldbodens und den Rost zerfressenen Karossen bieten.


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Die weiteren, etwas mehr als 200 Kilometer nach Göteborg verliefen großteils durch dichte Nadelwälder. Den Parkplatz für die Nacht bot ein Strandbad mit Dusche. Eine kalte Dusche, bei 18 °C Lufttemperatur und ähnlichen Wassertemperaturen war sportlich aber vom Sprung ins Meer mit anschließender Dusche, habe ich mich nicht abhalten lassen (Wir reden hier natürlich von Max...). Von Göteborg selbst haben wir wenig bis nichts gesehen, da wir auf schnellsten Wege nach Oslo mussten, um dort unseren ersten Besucher in Empfang zu nehmen.


17.07.2019 + 18.07.2019 Jonas



Claras ehemaliger Arbeitskollege, 189 cm groß, schlaksig und nicht alle Latten am Zaun, kam mit 12 Packungen Kartoffelbrei, einem vollgestopftem Rucksack sowie 2 T-Shirts und 4 Pullis übereinander gezogen (um das Handgepäcklimit nicht zu überschreiten) über den Zebrastreifen am Terminal gestolpert. Ohne lang zu Fackeln ging es direkt in die City zu unserem kostenlosen Parkplatz für die Nacht. Jonas schlug sein Zelt im Schutz der parkenden Autos auf einem Grünstreifen auf und wir kochten in der Zwischenzeit Gnocchi in Tomaten-Mozzarella Soße. Zum mehr als notwendigen Verdauungsspaziergang lud ein nah gelegener Skulpturenpark ein, welcher wider Erwarten sogar recht interessant war. Clara hatte alle Hände voll zu tun, damit wir uns beim Toben, mit den teils beweglichen Skulpturen, nicht mehrere Gliedmaßen „fachgerecht“ amputierten.





Glücklicherweise hatten wir uns nichts ein oder abgerissen und wir konnten am nächsten Tag Oslo per Rad erkunden. Die vorhergesagten 27 °C konnten wir leider nirgends finden und haben uns nach dem Abklappern der bekanntesten Sehenswürdigkeiten, nach guten 6 Stunden fröstelnd dazu entschlossen am selben Tag noch Meter zu machen und Richtung unserer ersten Wanderung aufzubrechen.


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19.07.2019 Der geplante Zwischenstopp an der Stabskirche Hedval mit Übernachtung direkt am Fluss entpuppte sich als weniger lauschig als gedacht. Zuerst habe ich bei meinem ersten Versuch unser Abendessen aus dem Fluss zu fischen einen Haken und Gewichte im Fluss versenkt und durfte bis zur Hüfte ins eiskalte Wasser waten, um zumindest den Schwimmer zu retten. Danach waren wir den restlichen Abend und die halbe Nacht damit beschäftigt uns die Moskitos vom Hals zu halten. Jeder Quadratzentimeter blanke Haut und auch alles leicht bedeckte, war Ziel ihrer Angriffe. Weder der Rauch der Mückenspirale noch das Antimückenspray hielten die kleinen Biester davon ab uns in Stirn und durch die Hosen zu stechen.


Nach einer einigermaßen ruhigen Nacht, in welcher uns die Moskitos sogar in den Träumen noch mit ihrem lästigen Gesumme verfolgten, wachten wir bei Regen auf und steuerten kurzerhand den Campingplatz in Lysboten an. 2 Stunden mussten wir die schmalen Straßen mit weg-lagernden Schafen teilen, welche wenn wir zu langsam wurden, anfingen uns zu umzingeln und an den Reifen und der Karosse zu lecken.



Jedes entgegenkommende Fahrzeug löste, da die Straße maximal für 1,5 Autos, oder auch 2 Smarts ausgelegt ist, regelrechte Panik im Führerhaus aus. Jonas musste das ein oder andere Mal seinen langen Hals in die kalte Bergluft strecken und in Millimetern anzugeben wie weit wir noch von der Leitplanke oder dem Straßengraben entfernt sind. Trotz der nervenaufreibenden Fahrt haben wir unser 6m Schlachtschiff sicher auf dem Campingplatz einparken können.

20.07.2019 Kjerag Bolten

Jeder der Norwegen und Wanderung im Internet sucht, findet den in 1100m frei über dem Fjord, in einer Felsspalte eingeklemmten hübschen runden Felsbrocken. Auch wir wollten uns das nicht entgehen lassen, das Internet warb mit einer sicheren Sommerwanderung über 6 Std. welche für den Anfang und zum Einstieg auch für Clara ganz geeignet zu sein schien. Die letzten Tage waren wir ja schon einige Kilometer marschiert und waren quasi gut trainiert. Voller Tatendrang und mit viel guter Laune starteten wir trotz Nieselregen in die fast 10 Kilometer lange Wanderung. Da wir nicht bereit waren 30€ für den Parkplatz am offiziellen Einstieg der Wanderung zu berappen entschlossen wir uns für einen Einstieg etwa 1,5km vom Parkplatz. Von hier sollte ein Pfad auf die Hauptroute führen. Da diese nur mit etwas mickrigen Steinmännchen markiert war, strandeten wir nach 20 Minuten in einer Sackgasse. Also gingen wir zurück auf Los und versuchten Plan B. Dieser ging auf und wir erreichten mit etwas Verspätung die Hauptroute. Die bis dahin schon nassen Hosen konnten uns die Laune nicht vermiesen, obenrum war ja noch alles trocken. Lachend, singend und teilweise tanzend marschierten wir weiter und weiter, das Wetter allerdings wurde schlechter und schlechter. Die Wanderer, die uns entgegenkamen, waren immer erschöpfter und nasser. Zu diesem Zeitpunkt wären andere wahrscheinlich schon längst umgedreht aber wir waren voller Energie und im Survival-Modus. Mittlerweile haben wir 2 Berge überquert und der 3te sowie höchste Berg stand vor uns. Wir kraxelten hinauf und ganz oben kam uns fast der Schlag entgegen oder besser gesagt der Wind. Dieser peitschte uns so dermaßen um die Ohren, dass wir nicht mal mehr unser eigenes Wort verstanden haben, und der Regen (der sich mittlerweile verdreifacht hat) fühlte sich in unserem Gesicht an wie 10.000 kleine Nadelstiche. Spätestens hier gab es für uns nichts mehr zu lachen. Aber da standen wir nun, in der Kacke! Zurück wäre keine Option gewesen, zu weit sind wir schon gekommen und entgegenkommende Wanderer versicherten uns hoch und heilig, dass es nur noch 20 Minuten bis zum Ziel sind. Wir sammelten unsere letzten Kräfte und gaben nochmal Vollgas um endlich an diesem Kjeragbolten anzukommen, aber wo war er denn? 20 Minuten waren schon längst um... Waren wir vielleicht schon blind vor lauter Steinen um uns herum? Wir trafen nochmals Wanderer und fragten wieder „wie lang noch?“ „Noch 20 Minuten!“ - unsere genervten Blicke sprachen für sich. Nachdem wir dann nochmals unsere aller aller letzten Reserven mobilisierten und schnellen Schrittes weiter gingen, sahen wir ihn. Diesen hübschen runden Felsbrocken, eingequetscht von anderen Felsbrocken und drum herum noch mehr Felsbrocken. Die Erleichterung es geschafft zu haben war bei allen zu spüren, aber irgendwie war es dann doch nicht so atemberaubend. Nach diesen ganzen Strapazen haben wir eher einen Heiligenschein über diesem Felsen erhofft. Mit steifen Fingern schossen wir schnellstmöglich die Bilder als Nachweis, dass wir tatsächlich oben waren und traten den Rückweg an. An diesen möchten wir lieber nicht denken und haben in bereits aus unserer Erinnerung gelöscht. Es war noch schlimmer noch kälter und noch nasser als der Hinweg. Die Entscheidung im letzten Abstieg die offizielle Route (anstatt unser Trampelpfad beim Hinweg), der mit Ketten in Knöchelhöhe „hervorragend abgesichert“ ist, zu nehmen stellte sich als zweitdümmste Idee des Tages heraus, da wir mindestens nochmal 30 Minuten länger für den Abstieg benötigten. Die dümmste Idee des Tages war aber zweifelsohne bei solch einem Wetter überhaupt loszulaufen. Naja, wir hatten es geschafft und trotz Eiseskälte und komplett nassen Sachen konnten wir nach dem Auswringen aller unserer Kleider schon wieder über unsere Dummheit lachen.


Da lachten wir noch :D

(Für weitere Bilder: Pfeil nach rechts)



Liebe Grüße Clara & Max

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