• Clara & Max

Namaste Nepal.

Mit dem Taxi ging es vom Provinzflughafen Kathmandu in Richtung Hotel. Dem Taxifahrer und auch seinem Beifahrer gefiel unsere Hotelwahl überhaupt nicht, da wir absichtlich eines außerhalb des Touristenzentrums Thamel gebucht hatten. Noch weniger gefiel Ihnen, dass wir schon einen Guide hatten und wir nicht mit dem Beifahrer Wandern gehen wollten. Als der Fahrer sich in den engen und staubigen Gassen das dritte Mal verfahren hatte, trotz Hinweis er solle nach rechts und nicht nach links abbiegen, blieb er stehen. Wir sind da, verkündete er! Sind wir nicht, wir sind über 200 m von unserem eigentlichen Ziel. Er könne aber die enge Gasse nicht hineinfahren. Ist OK, ist auch die falsche Gasse. Letzteres wiederum brachte ihn weniger zum Lachen als uns. Um keinen Streit zu provozieren, stieg ich aus und lief die Gasse entlang nur um wie erwartet das Hotel nicht zu finden. Unser netter Fahrer war schon kurz davor unsere Rucksäcke auszuladen als ich wiederkam und ihm mitteilte, dass wir hier falsch sind und er, wenn möglich einfach dem Navi auf unseren Handys folgt. Fluchend schloss er den Kofferraum und forderte einen Aufschlag auf den generell schon viel zu hohen Fahrtpreis. Seine Laune verschlechterte sich noch als ich sagte, dass das ja wohl sein Problem sei, das Ziel und der Preis wurde als Fixbetrag am Flughafen ausgemacht, wenn er sich in seiner eigenen Stadt nicht auskennt, können wir ja nichts dafür. Die kommenden fünf Minuten bis direkt vor unser Hotel keiften die beiden Nepalis noch weiter, als sich die Türen schlossen und die beiden die nun sehr enge Sackgasse rückwärts wieder rausmussten war endlich Ruhe.


Guter Start in einem Land, in dem alle so freundlich sein sollen!


Die folgenden Tage verbrachten wir mit umherspazieren durch die unzähligen überfüllten kleinen Gassen der Hauptstadt. Alle zehn bis zwanzig Sekunden erschraken wir, weil es links, rechts, vorne, hinten, oben oder überall gleichzeitig hupte und Roller aus dem Nichts kommend an uns vorbeischossen. Es glich einem Wunder, dass niemand in diesem Treiben zu Schaden kam.



Wir probierten uns durch diverse kleine lokale Restaurants mit freundlichen Preisen bei, welche das Konzept einer offenen Küche im Gastraum besser nicht verfolgen sollten.

Der Lappen, um die Tische abzuwischen, liegt abwechselnd auf dem Boden oder in einem modrigen Regal, die ursprüngliche Farbe ist weder beim Lappen noch bei den Kacheln erkennbar. Beherzt greift der Kellner, welcher gleichzeitig auch für das Backen des Naanbrotes im Tandooriofen verantwortlich ist, nach dem feucht, öligen Stück Stoff und verschmiert erst die Essensreste großzügig auf dem Tisch bevor er mit einem einzigen Schwung alles auf den Boden katapultiert und scheinbar in der gleichen Bewegung auch den Lappen blindlings in Richtung Regal schleudert. Klassische 50/50 Situation, entweder trifft er oder eben nicht. Wir sind uns auch unsicher, ob das schimmelige Regal oder der Boden der bessere Lagerort ist.

Serviert wird stilecht auf einem Pizzateller großen Blech mit meist 4 Vertiefungen, in denen die unterschiedlichen Beilagen des Nationalgerichts Dal Baht serviert werden. Reis mit einer Art Linsensuppe werden meist mit Kartoffeln, Blumenkohl, eingelegtem Rettich oder sonstigem Gemüse serviert. Optional gibt es meist noch Hammel, Lamm oder Hühnchen in einem schmackhaften Curry. Wohlgemerkt gibt es dieses Gericht bis zu Drei Mal am Tag in nur geringer Variation. Aber wie sagt man so schön „Dal Baht Power, 24 Hours“, wir werden sehen!



Das Essen kommt aus einer Durchreiche, deren Vorhang aussieht als hätte man Ihn täglich frittiert und anschließend durch die staubigen Straßen gezogen. Das dreckige Geschirr wird unter der Durchreiche durch ein Loch in der Wand einfach zurück in die Küche geworfen, wo es mit einigem scheppern zum Liegen kommt bevor es mit keimfreiem Schwamm und Wasser hygienisch einwandfrei gespült wird. Unser WKD könnte in jedem Restaurant einen wochenlangen Kontrollmarathon durchführen und wäre vermutlich noch nicht einmal bei der Küche angekommen. Was man allerdings nicht vergessen sollte, das Essen ist super lecker und man kommt mit zwei Personen inklusive Getränke unter fünf Euro davon.

Warum die Tische immer so dreckig sind haben wir erst später verstanden. Kedar, unser Guide schrie che che und schleuderte vor dem ersten Bissen etwas von dem an seinen Fingern klebenden Reis-Linsen- Pampe auf den Tisch. Danach fing er an zu essen und hörte nicht mehr auf. Ich habe viel gesehen aber noch nie einen so kleinen fast drahtig wirkenden Menschen, der eine Menge an Reis ist die ich für vier bis fünf Personen zubereiten würde. Der auf dem Tisch klebende Klumpen dient als Opfergabe für die Götter, welche später unweigerlich im Lappen oder auf dem dreckigen Boden landet.







Besonders hervorheben möchte Ich an dieser Stelle auch noch die Lokalen Metzger und Fischhändler welche auf einem, seinem Aussehen nach zu urteilen, ungeputzt schon jahrelang an Ort und Stelle stehenden Baumstumpf fröhlich rauchend, mit Beilen Ihre Ware nach Kundenwunsch zerteilen. Dass es keinerlei Kühlung gibt muss denke ich nicht weiter erwähnt werden, da die zerteilten Tiere in ehemaligen, schon porösen und undichten 50 oder 100 kg Reisesäcken zu mehreren auf Motorrollern angekarrt werden. Guten Appetit.





Vom Affentempel mit seiner von Tauben Grün-Weiß verzierten Stupa hatten wir eine super Aussicht über Kathmandu und konnten auch den ein oder anderen Affen schießen. Mit dem Foto versteht sich, diese toben hier frei herum und sind erstaunlich friedlich gegenüber den vielen Besuchern.


Als wir gerade auf den Durbarplatz, Königsplatz mit ein paar historischen Gebäuden, schlendern wollten schrie uns jemand hinterher, dummerweise drehten wir uns um. Der Kassierer wollte pro Person 1000 nepalesische Rupien, umgerechnet ungefähr acht Euro, dafür dass wir über diesen Platz laufen, den man 50 Meter weiter einfach und ohne zu bezahlen betreten kann. Cleveres System, scheint aber zu fruchten wir sahen nicht wenige tatsächlich bezahlen.




Ein ebenfalls gut funktionierendes System ist das Recycling und die Müllabfuhr. Andererseits vielleicht auch nicht. Müll überall! Wenn er stört wird er verbrannt egal was es ist. Strassen voller Müll Flüsse voller Müll, Wiesen Grünflächen alles ist voller Müll. Hauptsächlich Plastik, das Ausmaß dieser Umweltverschmutzung ist nicht zu greifen. Es ist fast schon unwirklich wie mit der Natur und auch der Bevölkerung umgegangen wird. Unfassbar.




Nach fast einer Woche machten wir uns per Taxi auf in Richtung Boudha, einem Stadtteil Kathmandus. Eine gute halbe Stunde später nahm uns Lobsang Dolma herzlich in Empfang und zeigte uns unsere Unterkunft für die nächsten zwei Monate. Wir hatten uns im Vorfeld in Deutschland schon dazu entschlossen ein soziales Projekt vor Ort zu unterstützen. Da die normale Unterkunft für Volontäre schon belegt war wurde deren Wintergarten als unser Zuhause auf Zeit umfunktioniert. Dolma lud uns direkt abends zu Nudelsuppe ein, unseren Hinweis bitte kein Fleisch überhörte Sie wohl und auf der leckeren tibetischen Suppe häufte sich das angebratene Hackfleisch. Mit mehr oder weniger funktionierendem Smalltalk versuchten wir die Kommunikation irgendwie am Leben zu halten. Die zwei Mädels beide um die 22 waren super schüchtern und kicherten, nur wenn Sie etwas gefragt wurden, die Mutter sprach kein Englisch und der Cousin, falls ich die Beziehung richtig verstanden hatte, nuschelte dermaßen, dass es unmöglich war seinen kurzen Ausflügen in seinen Alltag als Koch so zu folgen als, dass man sinnvolle Rückfragen stellen könnte.

Mit Dolma, der Geschäftsführerin einer Teppichfabrik und Frau vor Ort für das Nepal Schulprojekt von Astrid Vöhringer aus Ebersbach, konnten wir uns hingegen gut über die laufenden Projekte unterhalten.




Am nächsten Morgen wurde direkt auch Dorothea einberufen, welche eigentlich freihatte, um uns herumzuführen. Sie war zu diesem Zeitpunkt schon zwei Monate im Kloster aktiv und begleite uns und Dolma bei der Führung durch die unterstützten Einrichtungen im Umkreis.Beginnend mit dem Kloster, in welchem wir den Hauptteil unsere Zeit verbringen würden ging die Tour los. In einem Kindergarten kamen die kleinen sofort auf uns zu gerannt und wollten mit uns spielen oder einfach nur auf den Arm sitzen. Der Abschied nach nur 20 Minuten fiel herzlich schwer da die kleinen zuckersüß und aufgeweckt waren.

Nächste Station, Behindertenheim das ging zumindest mir wirklich an die Nieren.

Mit bestenfalls noch zwei braunen Zahnstümpfen im Mund wurden wir mit einem sehr herzlichen „Namaste“ begrüßt. Einen paar Meter weiter wippte einer in seinem Rollstuhl vor und zurück während er sich vermutlich zum tausendsten Mal Bilder in einer verstaubten Vitrine ansah. Ebenfalls erschallte ein herzliches Namaste. Im Innenhof lagen, saßen oder krochen weitere Bewohner umher. Alle sind definitiv nicht in der Lage sich selbst zu versorgen oder geschweige denn selbstständig zu Essen.


Behinderte welche in Deutschland mittlerweile eine, wenn auch noch nicht ausreichende Förderung bekommen und es Ihnen ermöglicht wird so gut es geht am Alltag teilzunehmen können sich fast schon glücklich schätzen nicht in einem Entwicklungsland wie Nepal geboren worden zu sein, wo die eben beschrieben schon die glücklicheren der stark benachteiligten sind. Diese werden teilweise von den eigenen Familien verstoßen und können von Glück sagen, wenn Sie in einer Einrichtung wie dieser landen, in der sich so gut es möglich ist, um Sie gekümmert wird und sie die notwendigsten Dinge und Behandlungen erhalten.

Die strahlenden Gesichter auf Bildern, bei denen den Bewohnern des Heims eine große Ladung gespendeter Erwachsenenwindeln überreicht werden, sagt alles über deren Situation aus. Aus Gesprächen mit Dolma und Astrid Vöhringer ging hervor, dass soziale Projekte, Schulen, Kindergärten, Behindertenheime und so weiter laut Regierung mit großzügigen Fördermitteln unterstützt werden und die Gelder auch in deren Richtung fließen. Nur der Strom scheint irgendwo zu versiegen, denn die Verantwortlichen für die direkte Verteilung scheinen eine besonders sinnvolle Verwendung für die Gelder und gleichzeitig auch sehr große Taschen zu haben, denn bei den Einrichtungen kommt, wenn überhaupt nur ein Bruchteil an. Diese Projekte sind hauptsächlich durch direkte Spenden finanziert. Gerade für eine Nation, welche so eng mit dem Begriff des Karmas in Verbindung steht, ist es mir schleierhaft wie man sich so auf Kosten der schutzlosesten und ärmsten bereichern kann.


Für unsere Arbeit im Kloster und die Einrichtung eines Kindergartens haben wir schon separate Berichte erstellt, welche schon auf der Seite des Nepal Schulprojekts veröffentlicht wurden, diese könnt Ihr unter folgenden Link einsehen:

https://www.nepal-schulprojekt.info/2020/01/13/volont%C3%A4rberichte-von-clara-max/

Alternativ sind diese Berichte bald auch in unserem Blog zu finden. Der bald 20-jährige Verein, Nepa-Schulprojekt e.V., der zur Eröffnung des ersten Kindergartens für die Frauen der Teppichfabrik gegründet wurde, ist nun Landesweit in verschiedenen Richtungen aktiv und kann in diesem schwierigen Arbeitsumfeld schon große Erfolge verzeichnen. Die ersten Kinder, welche den Kindergarten besuchten, haben nun einen Schulabschluss und gehen Ausbildungen oder einem Studium nach, zu welchen Sie ohne das Engagement des Vereins nie in der Lage gewesen wären, da sie, sobald sie alt genug gewesen wären, ohne eine Chance auf Bildung, zur Arbeit gemusst hätten.


Pema, eine dieser ehemaligen Kindergartenkinder der ersten Stunde studiert Hotel-Management, zu Ihrem Leidwesen und unserem Komfort, wurde Sie dazu auserkoren uns wegen Ihrer Ausbildung im Gastgewerbe, unser Frühstück zu servieren. Und so klopfte sie jeden Morgen an unsere Türe und brachte uns Tee, frische Fladenbrote, Pfannkuchen, Omeletts oder andere nepalesische Naschereien. Nicht einmal das Geschirr durften wir Abräumen. Sich so bedienen zu lassen war für uns sehr ungewohnt und fühlte sich durchaus komisch an aber ist dort scheinbar so brauch. Denn sobald eine Frau Ihre erste Tochter gebärt, hat sie, sobald die Tochter in der Lage ist, Ihre erste Angestellte. Für alle anderen Dinge war die Didi was scheinbar große Schwester heißt zuständig. Eine Hausangestellte um die 50 welche morgens gegen halb Fünf startete und bis spätabends für Ordnung Sauberkeit und Essen sorgte. So verbrachten wir unsere Tage mit Unterrichten und am freien Samstag ging es immer wieder auf die Umgebung zu erkunden oder von Pema nepalesisch Kochen zu lernen.


Ein weiteres Highlight waren die South Asian Games welche in Kathmandu stattfanden. Das Fußballspiel im ausverkauften Stadion zwischen Nepal und den Malediven erinnerte mich an meine glorreiche Kreisligazeit. Ein Match Kabbadi, "Fangen für Erwachsene" haben wir leider nicht mehr sehen können, beziehungsweise war es uns auch zu weit weg. Ein kleiner Ausflug zu Youtube um sich das anzuschauen kann ich aber wärmstens empfehlen, da ich mich wirklich schwertue zu glauben, dass dies fast schon ein Nationalsport ist.

Hier zu finden: https://www.youtube.com/watch?v=kW6z5TyU8QA


Wie es uns auf Reinhold Messengers Spuren im Himalaya erging, erfahrt Ihr in einem Extra Eintrag.


Good Night Kathmandu

Liebe Grüsse


Clara und Max

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