• Clara & Max

Ohje, Finnland! Teil 1

10.09.2019

Unsere erste Nacht in Finnland war so eher naja. So mal gar nicht wie ich es mir vorgestellt hatte, eher sogar beängstigend, obwohl Finnland, Finnnnn-laaaand sich auch für mich eher märchenhaft, leicht, verzaubernd anhört. Vielleicht aber auch nur für mich, weil ich eben ein Mädl bin ;) Trotz meinem ersten, nicht sonderlich prickelnden Eindruck von Finnland, freute ich mich sehr auf unser erstes Ziel. Wir waren auf direktem Weg nach Rovaniemi zum „offiziellen Weihnachtsmanndorf am Polarkreis“ oder auch „Santa Claus Village“ .

So magisch wie dieser Titel klingt kann es ja keinen Reinfall werden, dachte ich mir, und als ich die Bilder mit prächtigen Schneemengen und lachenden Familien dazu im Internet gesehen haben, freute ich mich wie ein Schneekönig. Wir tuckerten gemütlich Richtung Rovaniemi und in meinem Kopf trällerte es schon die ganze Zeit „Last Christmas“ Song von Wham in Dauerschleife, mit dem passenden Kopfkino – Ich ganz klein, auf dem Schoß des offiziellen Weihnachtsmannes, während ich mich kichernd, für die jährlichen tollen Weihnachtsgeschenke bedanke.

Zugegeben, wir haben August und es war sehr warm an diesem Tag, um die 20 Grad, und für eine Milli-, Milli-, aber wirklich nur Millisekunde kam mir der Gedanke „bin ich zu Naiv?“ „Aber nein“, sagte ich mir, denn wir gehen ja in das offizielle Weihnachtsmanndorf, hier werden Träume wahr und überall sind Süßigkeiten! Als wir nun endlich da waren und sofort einen Parkplatz fanden, sprang ich hinaus und hüpfte durch das riesige Eingangstor, aber irgendwie war es etwas merkwürdig. Wo ist die erwartete Magie? Wo ist der Schnee? Wo ist der Weihnachtsmann??? Ich drehte mich und suchte wie wild jede Ecke ab, suchte unter all den schwitzenden Touristen den Weihnachtsmann, drehte mich weiter, suchte, drehte mich so lang, bis ich den Überblick verlor und schließlich voller Enttäuschung und tiefster Traurigkeit zu taumeln begann. Max eilte zu mir, wie immer hat er das Desaster schon längst kommen sehen, griff lächelnd unter meinen Arm und stützte mich.

Niedergeschmettert, da mein Traum zerplatzt war wie eine Seifenblase, stand ich nun da und fing an zu zweifeln. War der Weihnachtsmann, den man hier besuchen konnte und 35€ pro Bild verlangte etwa gar nicht der echte? Ich werde es nie erfahren, denn als ich wieder zu mir kam, schleifte mich Max schon wieder Richtung Auto...

Naja. Zugegeben habe ich jetzt etwas übertrieben, aber etwas arg enttäuscht war ich schon und retten konnte mich nur noch eines, ein leckerer saftiger süßer Donut von LIDL. Ja es gab ihn wieder unsere Rettung, unser LIDL, endlich wieder günstig einkaufen. Wir packten die Flippis aus, zogen unsere Socken so hoch es ging und kauften wie typische Deutsche eben ein. Viel und fettig!

Vollgestopft und mit dicken Bäuchen schliefen wir auf der vollgekrümelten Matratze ein.


Santa Claus Village

Meet Santa for free...Well yes, but actually no!


Exklusive Steine, von Santa entdeckt

11.08-17.08.2019

Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Finnland hatte nichts Spannendes zu bieten außer trostlose Landschaft, komisch gekleidete Personen und merkwürdige Stehplätze. Sogar so merkwürdig, dass ich nachts einmal zu Max gesagt habe „Wir müssen hier sofort weg“ … meine Angst kam natürlich nicht auch von irgendwoher. Die Tage zuvor hatten wir eine neue Horror-Thriller-Grusel (alles eben) Serie angeschaut und seither hatte ich keine Nacht mehr ruhig schlafen können, außer wenn wir, wie auch in dieser Nacht dann, an einer hell-beleuchteten & lauten Truckertankstelle, direkt an der Autobahn geschlafen haben. Der Gedanke, dass wir hier an der Tankstelle nicht alleine sind, sondern mit vielen weiteren Pendlern und LKW-Fahrer übernachten, beruhigte mich, für genau 2 mal. Denn... Als wir Tampere besuchten, mit Hoffnung auf ein schönes „Finnland Erlebnis“ wurde es zu meinem bisher „Schlimmsten Erlebnis“.

Geparkt hatten wir an kostenlosen Parkplätzen direkt neben einer Freilichtbühne mit Ausblick auf einen schönen großen See. Es muss Abends wohl irgendein Konzert gegeben haben, denn der Parkplatz war voll und Musik schallte hin bis zu unserem Bus. Mit finnischer Rockmusik im Ohr war ich friedlich eingeschlafen. Ein komisches klapperndes Geräusch, holte mich zurück aus dem Land der Träume in einen leichten Dämmerzustand ohne wirklich zu begreifen was gerade vor sich geht. Als ich Max plötzlich mit voller Lautstärke, was nicht wirklich leise ist, „FUCK OFF.....“ brüllen hörte, wusste ich zwar immer noch nicht was los ist, war aber sofort hellwach. Ich sah noch eine dunkle Gestalt, die sich schnellen Schrittes hinter einem anderen Auto verschwand. Max war mittlerweile mit Taschenlampe und Pfefferspray bewaffnet und wollte barfuß hinterher. Warum wusste weder er noch ich, ich überzeugte Ihn dann davon drin zu bleiben und dass wir uns schnellstmöglich wieder eine Raststätte mit mehr Betrieb als hier suchen. Während der Fahrt erzählte er mir was genau passiert ist.

>Da er wissen wollte wie die Serie endet, hatte er noch bis nach Mitternacht „Black Spot“ geschaut. Kurz vor Ende der letzten Folge, seien die Besitzer, des neben uns parkenden Autos gekommen, welches auf der Fahrerseite unseres Busses stand, so dachte er. Er hörte wie die Türgriffe betätigt wurden, war aber so in seiner Serie, dass er sich nicht wunderte, dass nur die Griffe betätigt wurden, das schlagen der Türen aber aus blieb. Als etwas bei uns aus Richtung der Fahrertüre polterte, dachte er noch immer „ja beim Einsteigen ist wohl was dagegen gekommen, war ja auch relativ eng geparkt“. Irgendwas kam ihm dann aber doch komisch vor, er war sich nicht mehr ganz sicher ob nicht doch jemand versuchte die Fahrertüre zu öffnen. Als 5 Sekunden später, der bis dahin unsichtbare, sich an den Heckklappen versuchte, dämmerte ihm was los ist und Max wartete schon bis der Unsichtbare zur Schiebetüre kam, um von innen dagegen zu hauen und laut zu brüllen. Die dunkle Gestalt erschrak sich, laut seiner Erzählung noch mehr als ich und flüchtet.< Während er unseren Bus in eine gut ausgeleuchtete Parklücke an der Raststätte manövrierte, fügte er noch lachend hinzu, „was für ein netter Service des jungen Herren zu überprüfen, ob alle parkenden Autos auch wirklich abgeschlossen sind , nicht dass noch jemand kommt und versucht aus nicht abgeschlossenen Autos etwas zu klauen“. Für seine, der Situation „immer angemessenen“ Witze, ist er ja den meisten bekannt.

Die weitere Nacht war zwar etwas laut, aber trotzdem konnten wir beide nun endlich schlafen. Max allerdings wesentlich schneller als ich, mir steckte der Schreck noch tief in den Knochen. Im Nachhinein betrachtet und zur Beruhigung unserer Eltern, die bisher nichts davon wissen :-) war die Situation absolut nicht brenzlig, hat uns bei Nacht allerdings schon einen Schrecken eingejagt. Sollte so etwas wieder vorkommen, wird Max, der mit viel Glück einen von 10 Tönen trifft, leise auf seiner Mundharmonika die Melodie von „SAW“ spielen und ich werde versuchen schrill und gehässig zu kichern. Wer da nicht abhaut wird überfahren! Wir haben Nachts immer alles Abfahrbereit verstaut um sofort los zu können. „Das Gute ist“ fügte Max noch hinzu, „wenn wir da dann einen anfahren, müssen wir nichts an seinen Besitzer zahlen, weil wie ein Rentier sah der nicht aus“

Das einzige Positive an Tampere waren die warmen Zimtschnecken, die Max gezaubert hat und unser allemal leckeres Abendessen. Vor dem kleinen Zwischenfall gab es Kartoffelpuffer mit Pilzrahmsoße. Die Kartoffeln hatten wir mühselig mit unserer Parmesan-reibe klein gerieben & die Pilze für die Soße bestanden aus angebratenen Pilzen aus der Dose....Not macht eben erfinderisch :)

Liebe Grüße

Clara & Max

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