• Clara & Max

Pamir Highway

Da sind wir nun, mitten im ersten richtigen Pass des Pamirs, welcher auch die Grenze zu Tadschikistan darstellt.



Als wir oben anhalten zieht noch ein leichter Geruch nach Kupplung an uns vorbei und über das, von Schusslöchern durchsiebte Schild mit den Umrissen Tadschikistan hinweg. Von der erwarteten Grenze war keine Spur. Ein paar Kilometer weiter kamen, dann einige Baracken mit Schranke zum Vorschein, welche sich farblich in das mondgleiche Landschaftsbild fügten. Am Zweiten Checkpoint kam auf der anderen Seite der Schranke eine hellblaue und nach Luft röchelnde Vespa zum Stehen. „Central Asia have the worst roads in the World“ fluchte der braungebrannte und von einer Staubschicht bedeckte Fahrer mit unüberhörbar italienischem Akzent. Don Spaghetti hatte schon über 90.000 Kilometer auf dem Tacho und hatte bereits Afrika und komplett Europa hinter sich. Da freuten wir uns gleich viel mehr auf die kommenden Kilometer :-)



Mit 25 berechtigten Dollar für einen vorübergehenden Import von Bobby und 6 Dollar für eine veterinärmedizinische Untersuchung, die Desinfektion des Fahrzeugs sowie drei hässliche, wenngleich leckere Äpfel, kamen wir schließlich günstiger als erwartet davon. Die Antikorruptionspolitik scheint zu greifen. Wenn man bedenkt, dass die nächsten 500 Kilometer keine Äpfel wachsen, war das fast noch ein guter Deal mit 2 Dollar je Apfel und den zwei „super wichtigen“ Bescheinigungen. Etwas geknickt und beleidigt mit „Rahim“ war ich allerdings Tage später schon, als ich von zwei Deutschen erfuhr, dass sie auch Tee bekommen hatten, welcher kochend heiß, frisch vom Kohleofen seviert wurde.

Über überraschend gute Straßen schafften wir es bis zum frühen Nachmittag an unseren geplanten Stellplatz für die Nacht. Mutterseelenallein 30 Meter vom Karakolsee entfernt konnten wir die Ruhe und den Ausblick auf See und Berge genießen. Bewegen ging nicht so gut, denn die fast 4000 Meter Höhe machten uns wirklich zu schaffen. Zehn Liter Duschwasser Überkopf an der Türe zu befestigen glich einer unüberwindbaren Mammutaufgabe, die wir zu dritt gerade so meisterten. Mit Folienkartoffeln aus einer, mit Jakdung und Sträuchern befeuerten, von Jonas ausgetüftelten Feuerstelle stärkten wir uns für den Nächsten Tag.


Strahlender Sonnenschein, keine Wolke am Himmel und den Grenzzaun in Richtung China zur Linken fuhren wir durch eine, nicht nur wegen der dünnen Luft, atemberaubende Landschaft. Knöchelhohe vertrocknete Gräser waren alles, was sich an wenigen Stellen noch den Weg durch den knochentrockenen Untergrund bahnen konnte. Die Landschaft war einfach unbeschreiblich surreal und fesselnd.

Wie der Marsrover, nur mit einer etwas schlechteren CO2 Bilanz schraubten wir uns durch in verschiedenen Rot-, Gelb-, und Brauntönen strahlenden Täler und Berge auf den Ak-Baital Pass, dieser sollte mit über 4650 Metern der höchste Punkt unserer Reise bis hier hin sein.

Abwärts ging es durch nicht minder imposante Landschaften bis Murgab. Die einzige scheinbar richtige Stadt im Pamir. Der Flughafen war eine Ruine, gut wir waren auch nur dort, weil wir einen Abzweig verpasst hatten. Also sind weiter in die Stadt um 20 Liter Diesel in bester Qualität von einem vertrauenswürdigen Tankwart zu erstehen und über den Containermarkt zu schlendern. Hier verkaufen die Einheimischen aus ausgedienten Containern von Wurst und Fleisch über Schaufeln Zeitschriften und Handyverträge einfach alles, was Ihnen in die Finger kommt oder hier oben wächst.


Unser Nachtlager wollten wir in einem Flussbett unweit der Straße aufschlagen, schon die Abfahrt über den Schotter war abenteuerlich und Clara mahnte hier schon an, dass wir nie wieder den Berg hinaufkommen werden. Jonas und ich gingen von einer 50/50 Chance aus also mussten wir es versuchen. Zum Frühstück besuchte uns Bibi der güldene Zurückbringer und labte sich an den, extra für Ihn gekochten Nudeln. Als Jonas ihn bat einzusteigen und mitzukommen lehnte er aber ab und schaute uns nur traurig hinterher.



Die Rückkehr auf die Straße dauerte gute 15 Minuten und das mit warmem Motor. Der Weg war so schmal und hatte solche Bodenwellen, dass Schwung keine wirkliche Option war. Drehmoment im ersten Gang war auch eher so Naja und so blieb uns nur die Kupplung zu strapazieren und in halben Meter Schritten die Anhöhe zu erklimmen. Die ein oder andere Fehlzündung und Claras Beule, welche Ihr die abgestürzte GoPro zufügte, lassen wir mal außen vor, denn wir hatten es geschafft.

Unterwegs überholte uns irgendwann ein mit Werbung zugekleisterter VW Caddy mit norddeutscher Nummer. Diesen sollten wir noch häufiger sehen und irgendwann kamen wir dann ins Gespräch und beschlossen heute Abend mit den zwei Jungs zu Campen. Jan und Michael waren aus dem Raum Oldenburg innerhalb von 2 Wochen bis hier hergerast und hatten noch 4 Tage bis Duschanbe um Ihr Auto zu verkaufen. Getreu dem Motto kein Bier vor 4 schauten wir auf den Höhenmesser und konnten zu unserer aller Freude feststellen, dass wir gerade so noch über 4000 Metern waren. Da Ihr Bier an der weißrussischen Grenze an einen, wie sie sagten, glücklichen Polen ging, gab es einen Wodka und Whiskey. Wie die zwei es schafften Ihren mit Bestechungstaschenlampen vollgepackten Caddy morgens, um 6 schon auf die Straße zu befördern blieb uns ein Rätsel und so fuhren wir mit etwas flauem Magen gegen Mittag los, während die Zwei schon in Chorough einen Konter setzten. Wir sollten es heute nicht bis dorthin schaffen.



Das Mittagessen im Trucker Restaurant mit einmal fettigem Allerlei an Brot und geschmackloser Tütensuppe an einem der zwei für Gäste aufgestellten Plastiktische und das Bad in kochend heißen Schwefelquellen brachten uns wieder zurück in die Spur.

Am folgenden Tag ging es immer weiter Bergab, mit jedem Meter wurde es grüner um uns herum und die kleinen nicht einmal kniehohen vertrockneten Büsche wichen erst kleineren Bäumchen, bis irgendwann Meterhohe Platanen die Ufer der Flüsse säumten. Der Herbst hatte schon Einzug gehalten und zwischen dem ganzen Grün kam immer mehr gelb und orange zum Vorschein. Unseren Blick konnten wir nur mit Mühe von der Landschaft mit den perfekt hinein passenden Lehmhütten abwenden. So fuhren wir gemächlich, bis Chorough wo Jonas sich wieder mal ein Hotelzimmer gönnte mit Ausblick nach Afghanistan.

Die zwei Nordlichter hatten uns vor den nächsten 150 Kilometern gewarnt indem sie uns mitteilten die teils katastrophalen Straßenverhältnisse, bis hier her wären Luxus im Vergleich, zu dem was noch kommt. Sie sollten Recht behalten! Zwar war die Aussicht grandios und es wäre ein Leichtes gewesen ein paar Steine über den Fluss nach Afghanistan zu werfen, wovon uns allerdings, wie aus dem Nichts auftauchende Grenzpatrouillen abhielten. Mit weniger als 30 Kilometern pro Stunde schleppen wir uns voran und hatten auf der zum teilweise reißenden Fluss stark abfallenden Schotterpiste immer wieder mit an Wahnsinn grenzenden LKWs zu tun. Diese ballerten unbeirrt mit 50 Stundenkilometern an uns vorbei. Am zweiten Tag hatte es dann, wenig überraschend einen von diesen Rasern erwischt und er ist samt Auflieger aus der Kurve geflogen, zu seinem Glück nur gute 2 Meter tief in einen Acker. 100 Meter weiter wäre er über 10 Meter auf Steine oder direkt in den Fluss gestürzt. Der Unfallfahrer saß mittlerweile schon in seinem Planenlager, trank Tee mit einer Grenzpatrouille und wartete wohl auf jemanden der Ihn wieder herausziehen sollte.

Zum Camping hatten wir es nicht mehr geschafft da wir uns mit Anna, welche uns auf dem Rad entgegenkam etwas fest gequatscht hatten. Daher hatten wir einen "traumhaften" Parkplatz, von welchem die komplette Nacht LKWs Anlauf nahmen, um die folgenden 200 Meter Steigung zu überwinden. Bei Gegenverkehr musste einer der Beiden rückwärts wieder runter und die Strecke war auch bei Tag mit unserem verhältnismäßig kleinen Auto kein Spaß.

Nach weiteren Nervenzehrenden Stunden erreichten wir gegen Mittag endlich wieder richtige Straßen und düsten in Richtung Duschanbe. Kurz von einem Pass bekamen wir noch einen ordentlichen Schrecken eingejagt, als der LKW vor uns ins Schlingern kam und keine 50 Meter vor uns mit dem rechten Hinterrad in die Ablaufrinne geriertet. Dies hatte zur Folge, dass es das Führerhaus inklusive Auflieger auf die, ausnahmsweise vorhandene, Fahrbahnbegrenzung hob. Kurz bevor es nach rechts in die Schlucht kippt brach zum Glück die Verbindung zwischen Zugmaschine und Hänger, sodass das Führerhaus zurück auf die Straße kippte und zum Stehen kam. Außer dem geschockten aber unverletzten Fahrer aus seiner Kabine zu helfen, konnten wir allerdings nichts tun. Nach kürzester Zeit waren schon so viele Tadschiken vor Ort, welche sich um alles kümmerten, dass sie uns mit Händen und Füßen mitteilten, dass wir getrost weiterfahren können.



Wir fuhren auf miserabel bis gar nicht beleuchtete Straßen bis in die Nacht hinein. Nach 13 Stunden und drei Fahrerwechseln mussten wir kurz vor dem Ziel aufgeben und das Wiedersehendbier mit den zwei Nordlichtern auf den Folgetag verschieben.

So haben wir nun die größte Herausforderung unserer Reise mit Bravour hinter uns gebracht. Etwas stolz auf uns und unseren Bock schliefen wir unweit der Straße neben einem Rohbau ziemlich schnell ein.



So, nun aber endlich die schönsten Bilder vom Pamir Highway:



Liebe Grüße

Clara & Max

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