• Clara & Max

Russian Paradise

22.08.2019 Der dritte Tag St. Petersburg, eigentlich der zweite, weil wir am Tag davor einen Radius von 100 m um unseren Bus nicht überschritten haben, aber wir waren ja dort. Ausnahmsweise sind wir zeitig losgekommen, wurden allerdings von einer Bonbonmanufaktur nach keinen 50m ausgebremst. Clara starrte gespannt auf die zwei Bonbonisti, die hinter der Schaufensterscheibe standen und aus einem bunten Klotz warmer Zuckermasse Lutscher und Bonbons formten. Ich ließ Sie 5 Minuten in Ihrer Zuckerwelt bevor ich Sie in die Realität zurückholte und wir Richtung Isaakskathedrale aufbrachen.


Das erste Mal Eintritt bezahlen tat zwar weh, aber irgendwas mussten wir ja schon auch mal von Innen sehen. Wir schwankten zwischen dem Hermitage, einem der größten Museen der Welt, welches scheinbar dem Louvre Parole bieten kann und der Kathedrale. Nachdem ich aber gelesen hatte, dass es dort über 65.000 Ausstellungsstücke hat und wir somit 45 Tage ohne Pause benötigen würden, wenn wir jedem davon auch nur eine Minute widmen, entschieden wir uns für die Kathedrale. Eventuell fiel die Entscheidung auch, weil wir beide nach spätestens dem vierten Picasso VanGogh oder Berlusconi die Lust verlieren und uns etwas zu Essen suchen. Ein weiter Vorteil war auch, dass man dieser Kathedrale aufs Dach stiegen kann und somit scheinbar eine sensationelle Aussicht über die Stadt habn soll. Wenigstens ein paar Bilder von Oben dachten wir uns, denn die Drohne musste Dank russischer Bürokratie am Boden bleiben. Daran hielten wir uns sogar, denn im Gulag landen wollten wir nicht.


Die chinesischen Schlangen vor den Tickethäuschen schreckten uns dann direkt wieder ab, zum Glück gab es auch noch Automaten. An diesen warteten wir dann „nur“ kurzweilige 20 Minuten auf unsere Tickets. Die Kathedrale war innen ein Museum und so bekamen wir glücklicherweise doch noch ein paar scheinbar bekannte Bilder zu Gesicht. DaVincis Schrei war aber nicht dabei :-) Auch wenn ich in der Regel ein Relativ emotionsloser Kirchenbesucher bin, wäre mir um ein Haar ein „WOW“ herausgerutscht, aber ich konnte gerade noch rechtzeitig, noch bevor es jemand bemerkte meinen Mund wieder zusammenpressen und so tun als, ob ich mich langweile. Nein im Ernst, krasses Teil, hat, auch wenn es durch das „dezent“ aufgetragene Gold etwas kitschig wirkt, wirklich was hergemacht. Aber seht selbst! Die Aussicht von oben war okay aber ehrlich gesagt die Stufen nicht wert.


(auf den Pfeil klicken um weitere Bilder zu sehen)


Im Anschluss gab es Blinis, in Russland gibt es tatsächlich ein Fast-Foodkette „Teremok“ für Pfannkuchen, welche laut vielen Reiseführern ein Muss ist. Prall gefüllt mit „Italiana“ also Tomate Mozarella und undefinierbaren Wursträdchen mit der Bezeichnung Salami, kam er etwas verspätet und schon abgekühlt bei uns an. Nach uns hatte eine fünfzehnköpfige Reisegruppe bestellt, deren Reiseleiterin half uns zwar noch beim Bestellen, Ihre Bestellung brachte die mäßig engagierten Mitarbeiter aber so ins Schwimmen, dass wir froh waren überhaupt etwas zu bekommen. Die Idee hat Potenzial, aber die Umsetzung war eher so naja. Wir entschlossen auf dem Weg zum Auto noch einen Pfannkuchen nur mit Butter zu testen. War gut aber nichts im Vergleich zu Claras Pfannkuchen :-)


Wieder am Auto beschlossen wir noch in den Abend hinein die ersten Kilometer in Richtung Moskau zu düsen, unterwegs wollten wir in Pushkin halt machen. Hier steht das Katharinenschloss welches wir uns am nächsten Morgen zu Gemüte führen wollten. Wir erreichten es im letzten Sonnenlicht und dank der fleißigen Gerüstbauer, die das halbe Schloss eingepackt hatten wie ein Geschenk, fiel die Entscheidung relativ leicht direkt einen Abflug zu machen. In die Nacht hinein und die Münder voller Kekse, fuhren wir auf Straßen welche Achterbahnen, als Vorbild dienen könnten, Richtung Moskau. Geschüttelt nicht gerührt kamen wir schließlich an einer Autobahntankstelle zum Stehen und entschieden die Nacht an diesem lauschigen Plätzchen zu verbringen. Die vorbei donnernden Laster, denen die Schlaglöcher und Spurrillen nichts auszumachen schienen, hörten sich mit etwas Fantasie fast an wie das Rauschen des Meeres. Wohlgemerkt das Meer wie bei einem Hurricane mit zehn Meter hohen wellen und man selbst sitzt allein auf einer Flamingoluftmatratze 20 Kilometer vor der Küste.

Ausgeschlafen und erholt fuhren wir los, dann fuhren wir weiter, bis wir schließlich noch weiter fuhren, meine Fresse war das lange Strecke und nur gerade aus. Und es kam nichts, einfach nichts, also Wald und Bäume schon aber sonst nichts. Eine zwei- teils dreispurige Autobahn und kaum Autos, keine Ab- oder Auffahrten keine Tankstellen. Unsere zwei Kanister mit günstigem deutschen Diesel hatten wir in Norwegen und Finnland schon vertankt und so langsam wurde ich nervös. Wir hatten zwar noch genug für wahrscheinlich 100 Kilometer, aber die Tanknadel tanzte schon etwas und die letzten 120 Kilometer kam auch schon nichts, vielleicht hatten wir das Schild mit „letzte Tankstelle für 800 Kilometer“ ja übersehen? Als sich die Nadel schon im roten Bereich befand, erschien ein erlösendes Schild, „Tankstelle 20 Kilometer“. An der Raststelle herausgefahren konnte ich aber werden Zapfsäulen noch Tankstelle oder Tankwart entdecken. Ich wollte gerade weiter fahren, weil ich ein weiteres Tankstellenschild an der Autobahn vor uns entdeckte, als Clara mich auf Container aufmerksam machte. Tatsächlich war in einem Container eine Zapfsäule und wir konnten nach „kurzer“ Einweisung, durch die wie aus dem nichts auftauchende Mitarbeiterin fast selbstständig tanken. Glück gehabt, das zuvor erspähte Schild teile mit, nächste Tankstelle 80 Kilometer, das hätte definitiv nicht gereicht.

Wir kamen bis nach Tver, ungefähr zwei Stunden von Moskau entfernt, wo wir auch diese Nacht an einer riesen Shoppingmall verbrachten. Kurz nachdem wir uns Schlafen gelegt hatten, heulte draußen ein Motor auf und es begann zu quietschen und zu jaulen, erst waren es zwei dann drei. Wir späten gespannt zwischen unseren Vorhängen nach draußen. Drei russische Volkswagen (Ladas) älteren Baujahres lieferten sich über eine halbe Stunde einen Driftrennen auf dem Parkplatz nebenan. Als die Reifen kein Profil mehr hatten verzogen Sie sich und wir starteten einen neuen Versuch einzuschlafen. Die Ruhe währte nur kurz, keine zehn Minuten später starteten mehrere Autos eine Parkplatzparty und so durften wir zu russischem Rap einschlafen. Das Lied Russian Paradise von AK-47 läuft nun in Dauerschleife :-)

24.08.2019 Dieses Mal tatsächlich ausgeschlafen kamen wir gegen Mittag in Moskau an, wir fuhren direkt zum Campingplatz. Dieser hatte Online ausschließlich gute Bewertungen, was wir, als wir ankamen, nicht mehr so ganz nachvollziehen konnten, der Platz selbst war zwar super, Preise aber wie in Norwegen und die Sanitäreinrichtungen erinnerten mich vom Geruch eher an überlaufende Dixis. Wir mussten unsern Wäscheberg etwas schrumpfen zu lassen und beim Warten auf die Waschmaschine spazierten wir etwas durch den Park. Beim Herausholen der Bettwäsche hatte ich plötzlich nasse Schuhe, anstatt zu schleudern hat die Maschine wohl zum Ende des Waschgangs nochmal richtig eingeweicht. Wir brachen in schrillendes Gelächter aus, diese Situation war irgendwie so surreal. Mit triefenden Klamotten in der Hand standen wir um Mittaernacht in dieser „Waschküche“, welche auch die Damentoilette war und gleichzeitig noch Brutplatz für hunderte Stechmücken war. Wir erblickten den Trockner und die Hoffnung stieg. 1 Stunde später stellten wir fest, dass der Trockner auch nichts taugte und wir weit nach Mitternacht noch alles zum Trocknen an die Luft hängen mussten.

25.08.2019 Nachdem am nächsten Mittag alles gewaschen und schließlich auch trocken war, machten wir uns auf in die Stadt. Wir buchten einen Parkplatz in der Nähe der Metro und lösten ein Tagesticket. Danach fielen mir die Ohren zu, denn es ging nach unten, sehr weit nach unten. Unten am Fuße der Metro-Rolltreppe angekommen hatten wir alle Teile von Herr der Ringe, inklusive Abspann gerade fertig geschaut und waren ganz erstaunt über den ganzen Marmor und sonstigen verbauten Kitsch. Da können sich die Stuttgarter U-, S- und Stadtbahnen eine ganz dicke Scheibe davon abschneiden. Chapeau Vladimir Vladimowitsch! Danke Öttinger!

Die Bahn selbst war etwas klapprig, hatte aber Drehmoment und wir mussten uns beim Anfahren mit beiden Händen festhalten, um nicht durch den Wagon geschleudert zu werden. In der Innenstadt beschlossen wir erst mal etwas zu essen, wir entdeckten einen Kroschka Kartoschka. Eine weitere Fast-Foodkette die sich wie der Name schon verlauten lässt auf Kartoffeln spezialisiert hat. Genauer gesagt Ofenkartoffeln diese werden aufgeschnitten etwas Butter darin verstrichen und man kann wie bei Subway verschiedene Füllungen oder besser gesagt Toppings wählen. Von Sauerrahm mit Dill, Käse über indisches Hühnchen bis griechischem Salat ist alles dabei. So weit, so gut. Nachdem die nicht so nette Dame hinter dem Tresen uns, ich vermute aufgrund der „kleinen“ Sprachbarriere, schon zweimal einfach so übersprungen hatte, kamen wir tatsächlich an die Reihe. Ich war aufgrund des Hungers schon leicht gereizt, versuchte aber freundlich, obwohl überall Visa und Mastercard Logos waren, zu fragen ob Sie denn Karten akzeptiert. Die russischen Worte für die Bestellung hatte ich mir schon zurechtgelegt und ich war mir sicher dass es klappt. Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen, unsere Vorfreude stieg, der Geruch der heißen Kartoffeln lag uns schon in der Nase und wir freuten uns auf die lecker aussehenden und dampfenden Erdäpfel. NJEEET quäkte Sie uns ein bis zwei Dezibel lauter als notwendig entgegen und keine Sekunde später bediente Sie schon die Wartenden hinter uns. Danke für nichts! Fünfzehn Minuten weniger auf dem Tacho und nun richtig hungrig machten wir uns aus dem Staub. Die im Supermarkt am Eck gekauften Snacks und Süßigkeiten verbesserten die Laune aber enorm. Die Kartoffeln probieren wir noch wo anders. (haben wir bis heute nicht geschafft :-( und mittlerweile sind wir in Kasachstan)

Nun so frisch gestärkt konnte es endlich losgehen, Kreml, Roter Platz und die Basiliuskathedrale warteten auf uns. So dachten wir. Zwar hatten wir durch eine Moskaunesin, die uns viele hilfreiche Tipps gab schon mitbekommen, dass das Spasski Festival gerade stattfindet, nur hatten wir uns nicht informiert, wo genau. Kurz gesagt Roter Platz gesperrt und voller Zelte in denen unter anderem das (ohne Witz) ägyptische Sinfonieorchester spielte. Die Basiliuskathedrale lag, wie könnte es anders sein, auch im abgesperrten Bereich und überall waren Zäune. Wo nicht abgesperrt war, war ein Gerüst und eine Baustelle.


Gerüstbauer scheint wirklich lukrativ zu sein in Russland. Da es die Berufsgenossenschaft scheinbar auch nicht interessiert wie gearbeitet wird, kann hier sicher auch am Personal und an den Sicherheitsschuhen gespart werden :-)




So zogen wir weiter durch die sonst wirklich imposante und schöne Stadt bis uns abermals der Hunger einholte und wir Claras Wunsch nach Pizza nachgingen. Im Park an unserer Metro Station beobachteten wir noch eine Gruppe Feuerspucker.




Auf dem Rückweg zum Auto hatte ich Malheur, auf Claras Wunsch liefen wir einen stockdunklen Weg. Wir tappten im Dunkel umher, als ich mit links einen Schritt machte und kurz stehen blieb, fing es an zu stinken. Ich konnte den Geruch nicht sofort zuordnen, aber es war ekelerregend, es stank nach Verwesung, schlimmer als jedes Fesitvaldixiklo. Als Clara schließlich mit Taschenlampe ankam und auf meinen Schuh leuchtete, wurde der Verdacht bestätigt und nur der Geiz ließ mich die Pizza im Bauch behalten. Ein riesengroßer weicher, rötlich schimmernder und noch dampfender Haufen. Mehr möchte ich Euch ersparen.

Unser bewachter 24 Stunden Parkplatz schien bei Tag eine gute Wahl, nachts fiel uns auf, dass dieser unter einer Brücke, über die im Sekundentakt LKWs polterten. Das war uns egal die 30.000 Schritte die wir tagsüber zurückgelegt hatten, waren ein probates Schlafmittel und binnen Minuten waren wir weg. Mein mittlerweile geputzter und desinfizierter Schuh schlief auf dem Hinterreifen und wohnt seither in einer eigenen Plastiktüte.

26.08.2019 Wir wollten uns ein frühes Mittagessen gönnen, geworden ist daraus nichts, denn wir spazierten durch einen Park dessen Konzept uns, aber bis heute Rätsel aufgibt. Gigantische in der Sonne Gold glitzernde Brunnen, imposante, herrschaftlich wirkende Gebäude, Spaceshuttle, Rakete inklusive Startbasis, Kampfhubschrauber und Kampfjet. Eindrucksvoll aber was soll das? Im inneren des einzigen geöffneten Gebäudes, über dessen Eingang in riesigen kyrillischen Buchstaben „Belarus“ genagelt war, waren mehrere kleine Läden, die aus Glasvitrinen heraus unter anderem ramschige Gummistiefel und Bettwäsche verkauften. Das russische Museum für Arkade-Spielautomaten war wie alles andere leider geschlossen. Wäre zwar interessant gewesen, allerdings haben wir Zocker, die vor vergilbten Wänden auf Knöpfe drücken, deren Beschriftung schon vor zehn Jahren nicht mehr lesbar war, in Finnland genug gesehen. :-)


Da sowohl unser Parkticket als auch unser Tagespass für die Metro ablief, eilten wir zum Bus und brachen auf um Moskau nochmal von „oben“ zu betrachten. Die von Google angegebenen 25 Minuten zu den Sparrow Hills südlich von Moskau waren dank Verkehr fast zwei Stunden und aus dem Bild zum Sonnenuntergang wurde ein Skyline bei Nacht.


28-29.08.2019 Über Nischi Nowgorod fuhren wir durch Wald und Flur. 90 km/h wäre erlaubt, dank der Straße war dies auch der absolute Höchstwert und wir warteten nur bis ein Schlagloch oder eine Bodenwelle uns einen Achsbruch beschert oder die neue eingebauten Stoßdämpfer wegen Überforderung explodieren. Den Heerscharen von LKWs schienen die Straßenverhältnisse nichts auszumachen, denn während wir durchgeschüttelt wurden und uns mit beiden Händen ans Lenkrad klammern mussten, um nicht im nächsten Graben zu landen, donnerten diese bei jeder noch so kleinen Chance zum Überholen mit weit über 100 km/h an uns vorbei. Schon während dem Überholvorgangs schienen Sie aber offenbar vergessen zu haben, dass dort ja etwas war (wir), was sie überholten und dazu gezwungen hat die Spur zu wechseln und so zogen sie unbeirrt und ohne zu blinken „vor“ uns rein. Das vor kann hier aber auch nur stehen bleiben da wir jedes-mal regelrecht eine Vollbremsung hinlegen mussten.

Ein paar Kilometer vom Zentrum Kasans liegt der Tempel aller Religionen, welchen wir vorher als erste Anlaufstelle markiert hatten. Angekommen wurden wir von einem bestialisch stinkenden Plumpsklo empfangen. Der zweite Eindruck war etwas besser, denn das Backsteingebäude hatte unzählige Türme mit glänzende spitzen und bunten Fenstern. 16 Türme sollten es werden, zwitscherte Clara mir zu, einer für jede Weltreligion. Ich fing an zu zählen, wusste nach der Fünften aber schon nicht weiter und konnte auch die Symbole nicht mehr zuordnen. Das Nudelsieb des fliegenden Spaghettimonsters konnte ich allerdings nirgends erkennen. Schade! (für alle interessierten hier der Link zur neuen Weltreligion: https://www.pastafari.eu/ ) Der Erbauer, dem irgendwann im Traum von einer Stimme gesagt wurde, er solle diesen Tempel bauen und dies auch tatsächlich tat, war schon gestorben. Seine Mitarbeiter machen aber weiter erzählte mir Clara. Was die Mitarbeiter weiter machen haben wir allerdings nicht sehen können, es war ein heilloses Chaos und an jeder Ecke war etwas angefangen und nicht zu Ende gebracht. Aber seht selbst.



Was wir erkannten war, dass es in dem verschachtelten Bauwerk viele Räume und Wege gab, sodass wir uns nicht nur einmal verirrten. Jeder Raum sollte, so glaube ich, einer Religion gewidmet sein. Es gab Pharaonen, Abbilder Jesus, eine Rote Sphinx, die Heilige Mutter Gottes und die Familie Özil. Ein gesamter Raum war mit Bildern Mesuts weiblichen Verwandtschaft tapeziert und als wäre es nicht genug gab es auch noch zahllose Puppen mit dem gleichen, vor Motivation strotzendem Blick von Jogis Liebling . Irgendwann, nachdem ich längst den Überblick verloren hatte, wo wir sind und was das alles soll, erzählte Clara mir noch, dass es irgendwie doch kein richtiger Tempel ist, sondern hauptsächlich Kulturzentrum, Wohnsitz und Atelier für "verstaubte" Skulpturen und Bilder sei. Auch wenn sich das alles eventuell etwas negativ anhört, falls Ihr nach Kasan kommt und etwas Zeit übrig habt, fahrt auf jeden Fall dort hin! Es lohnt sich!


Der Kasaner Kreml war nicht ganz so riesig wie sein Moskauer Vorbild, dafür aber kostenlos und mit Moschee und Kirche hinter derselben Mauer doch beeindruckend. So ist gerade diese Region ein Paradebeispiel für die friedliche Koexistenz von Christen und Muslimen. Wovon sich viele mal wieder eine ganz dicke Scheibe abschneiden könnten.


30-31.08.2019 Auf nach Ufa, wir hatten ein Hotel gebucht, das Erste in 50 Tagen! Zehn Euro die Nacht. Wir hatten aber nicht vor dort zu Schlafen, sondern nur warm zu duschen, aber selbst das war das höchste der Gefühle.

Da Ufa auch etwas unspektakulär war suchten wir uns einen Waschsalon, sodass wir abends frisch geduscht und mit nach Veilchen duftender Kleidung eine rießen Mall ansteuerten. Wir wollten mal wieder richtig einkaufen, da wir die Tage zuvor nur von unserem Proviant lebten. Nach zwei Ikeahotdogs überluden wir unseren Wagen maßlos mit Lebensmitteln und freuten uns auf das heimliche Nationalgericht der Tataren, Fischstäbchen mit Bratkartoffeln. Während wir kochten, klopfte es plötzlich an der nicht ganz geschlossenen Türe und ein nicht ganz kleiner Securtiy tauchte auf. Er wollte aber nur sichergehen, dass alles in Ordnung ist, weil die Türe offen stand. Dass wir quasi dort campten schien ihn weder zu beunruhigen noch zu stören.

01.09.2019

Weiter durch Wälder und zwischen hunderten LKWs steuerten wir bis spät am Abend nach Troizk. Der letzten Stadt vor Kasachstan. Das einzig erwähnenswerte Erlebnis war ein Tankstopp. So muss man wissen in Russland und Kasachstan zahlt man vor dem Tanken. Ich versuche immer entweder Zapfsäule 1,2,3 oder 5 anzusteuern. Das hat aber nichts mit Aberglaube zu tun, ich bin schlichtweg nicht in der Lage 4 richtig auszusprechen und weiter als 5 musste ich nie zählen. So kommt man mit den Worten 3 und 30 Liter Diesel relativ gut durch. Bisher, denn das änderte sich heute. Schon bevor ich überhaupt zum Zahlen konnte hatte der LKW hinter uns bereits gehupt, weil es ihm zu lange dauerte. Nach dem Zahlen wollte ich also nur schnell die 30 Liter, des schon bezahlten Diesels in unseren Tank füllen. Pustekuchen. Der Tankdeckel, welcher sich schon die Tage zuvor immer schlechter öffnen ließ streikte komplett. Ich versuchte mit Zange Schraubenzier und einem zweiten Schlüssel alles um dieses verflixte Ding aufzubekommen bevor der wartenden LKW-Fahrer hinter uns seine Geduld verliert und wir in einem „Streetfight Russia“ Dashcam Video landen. Während Clara mir den Schraubenzier reichte, sah ich im Augenwinkel wie sich die Türe des LKWs öffnete. Bei 7°C kam er mit Badeschlappen, kurzer Jogginghose und Trainingsjacke bekleidet auf uns zu. Oh Oh! Wir erklärten, dass wir ein Problem haben, er erwiderte dies erkannt zu haben und so werkelten wir nun zweit, ohne ein Wort des anderen zu verstehen an unserem Problem. Nach guten 20 Minuten hielten wir den heiligen Gral in den dreckigen Händen, welche eher nach Ölwechsel als Tanken aussahen. Als Dank überreichte ich ihm noch zwei kleine Flaschen Jägermeister, welche er dankend annahm und mit einem „Suka, deutscher Schnaps!“ in perfektem Deutsch quittierte. Unser Tankdeckel ist nun undercover und fristet sein Dasein unter Gaffatape welches Ihn an Ort und Stelle hält.




02.09.2019 Weder früh noch ausgeschlafen fuhren wir los. Nach nur 500 m war aber vorerst Schluss und wir standen in der ersten Polizeikontrolle. Diese war aber schnell erledigt und der Polizeibeamte erleichtert, dass wir nicht auch nach Afghanistan fahren wollen. Die letzten Kilometer in Richtung Kasachstan zeigten schon, was uns dort erwarten sollte. Unendliche Weite!

Die Ausreise war wie erwartet unkompliziert und schnell erledigt. Der erste kasachische Posten, mit perfektem Englisch des Soldaten auch schnell passiert. Die Passkontrolle dauerte allerdings und hinter uns staute es sich ganz schön auf. Es dauerte etliche, sich zäh ziehende Minuten bis ich ihm klarmachen konnte, dass wir kein Hotel gebucht hatten und daher keine Adresse angeben können. Als dieser Groschen gefallen war, ging es dann doch schnell und Clara war in einem Bruchteil der von mir benötigten Zeit durch die Kontrolle. Der Zoll war ähnlich intensiv wie bei der Einreise nach Russland und wir konnten nach 2 Minuten weiter fahren. Hallo Kasachstan!

Unsere Haftpflicht war seit Grenzübertritt nicht mehr gültig und diese ist nicht nur sinnvoll, sondern auch Vorschrift. Für 22 Euro schlossen wir in einem kleinen netten Verschlag eine Grenzpolice für 15 Tage. Diese mussten wir am selben Tag auch noch dem ein oder anderen Polizeibeamten aushändigen. Von der Korruption und den „Trinkgeld für guten Service“ fordernden Beamten, war allerdings keine Spur.


Wir fuhren noch die verbleibenden Kilometer nach Kostanay, der ersten Stadt mit einer richtigen Mall, besorgten uns kasachisches Internet (20 GB + Whatsapp, Facbook, Instagram und Youtube Flatrate für üppige 6 Euro) und schliefen abermals hundemüde ein. leibenden Kilometer nach Kostanay, der ersten Stadt mit einer richtigen Mall, besorgten uns kasachisches Internet (20 GB + Whatsapp, Facbook, Instagram und Youtube Flatrate für üppige 6 Euro) und schliefen abermals hundemüde ein.


Liebe Grüße

Clara & Max

  • Grau Icon Instagram
  • Black Instagram Icon