• Clara & Max

Sheklar Kloster

Dieser Bericht wurde schon auf der Homepage des Nepal-Schulprojekts veröffentlicht.

Allen die ihn noch nicht kennen wünschen wir viel Spaß beim Lesen  :-)


Das Sheklar Kloster im Osten Kathmandus nahe der Bouddha Stupa wurde in den 80er Jahren durch die, nach dem Einfall der Chinesen aus Tibet vertriebenen Mönche erbaut und beherbergt aktuell etwas über 100 Mönche aller Altersklassen.

Die Jüngsten sind um die fünf Jahre und können sich vermutlich schon nicht mehr an Ihre Heimat erinnern. Sie werden in der frühen Kindheit von Ihren Eltern aus finanziellen Gründen ins Kloster abgeschoben. Dabei fällt es schwer den Eltern einen Vorwurf zu machen, da diese durch Ihre Armut die Kinder nicht ernähren können und so sicherstellen, dass der kleine Mönchsanwärter zumindest ein Bett und zwei bis drei warme Mahlzeiten am Tag bekommt.

Wenn man über deren Geschichte nachzudenken beginnt und einem bewusst wird, welche Erlebnisse viele davon bis heute noch nicht verarbeitet haben, muss man sich schon fast eine Träne aus dem Augenwinkel wischen. Zum Glück strahlen einen die, bei 10°C Barfuß in Ihrer Mönchsrobe auf dem Boden sitzenden Gesichter wissbegierig an und rufen kollektiv aus voller Kehle „Orange“ obwohl eine „Grüne“ Karte hochgehalten wird. Nur von hinten links kommt leise und etwas verschüchtert ob der „Orangen“ Übermacht die richtige Antwort. „Green“

So witzig und süß diese Anekdote erscheinen mag, möchten wir damit dennoch auf die generellen Zustände im Kloster sowie auf die individuellen Wissensstände und den Lernansatz im Kloster aufmerksam machen. Das hier keine mitteleuropäischen Standards zu erwarten sind, dürfte allen bewusst sein aber nun eines nach dem anderen.


Lernen im Freien

Bei unserer Ankunft im Kloster waren wir glücklicherweise direkt zu dritt, Dorothea war schon seit Monaten dort und konnte uns vor Ort schnell einen groben Überblick vermitteln. Das Klassenzimmer befindet sich nordseitig im Erdgeschoss. Dies sorgt, zumindest im Winter für ein feuchtkaltes Klima in dem von Beton eingerahmten und komplett vollgepackten Raum. Es reihen sich kaputte Computer auf wackeligen plastiklaminierten Tischen an den Wänden und alle Regale sind so vollgestopft, dass kein weiteres Blatt Papier Platz hätte, ohne dass alles wie ein Kartenhaus zusammenstürzt. Überall liegen Papierschnipsel und anderer Müll herum. Es ist staubig und in der Mitte des L-förmigen

Raumes liegt ein muffiger, vermutlich schimmelnder Teppich, auf welchem die kleinen Mönche im Schneidersitz Platznehmen und auf den Unterricht warten. Diesen gibt es aber erstmal nicht.


Wir Bauen um!


Vorher: Kaputte Computer, wackelige Stühle und muffiger Teppich

Nach Rücksprache werden alle Computer, alle unnötigen Bücher und Unterlagen aus dem Raum verbannt und einmal gründlich durchgewischt. Der Teppich muss auch draußen bleiben. Die Computertische werden aus Mangel an Alternativen als Schreibtische verwendet. Wir hoffen, dass falls es bei diesem Klassenzimmer bleibt in neue Tische investiert werden kann. Die Schüler sind zwischen 6 und 15 Jahren, wobei das Alter kaum einen Rückschluss auf das Niveau des jeweiligen Schülers zulässt.


Nachher 1: Computertische als Übergangslösung
Nachher 2: Selbstgestaltete Deko für das sonst traurige Klassenzimmer

Englisch:

Das Alphabet beherrschen sie weitestgehend, allerdings haben fast alle Probleme die geschriebenen Buchstaben zu Worten zusammenzufügen oder diese zu lesen. Das Nachplappern von Vokabeln ist ihnen durch den erhaltenen Frontalunterricht in Tibetisch und den buddhistischen Lehren und Gebeten bekannt und funktioniert ohne große Schwierigkeiten. Das selbstständige und logische Denken fehlen im Gegenzug bei den meisten und so sind die wenigsten in der Lage aufgrund schon vorhandener Kenntnisse Schlussfolgerungen zu ziehen. Primär lernen wir möglichst spielerisch die Laute der Kombination aus Konsonanten und Vokalen, um Ihnen baldmöglichst das Lesen zu ermöglichen. Trotz vieler Fehlschläge und sehr kreativen Antworten sind fast alle mit Feuereifer bei der Sache.


Lernen in der Sonne

Mathe:

Hier blühen viele regelrecht auf und währen beim Vokabeln lernen der Nachbar die größere Hilfe ist als der eigene Kopf, bearbeiten sie hier völlig selbständig die gestellten Aufgaben. Während Addieren völlig problemlos funktioniert verliert man beim Subtrahieren in etwa die Hälfte. Geht man weiter zur Multiplikation, so sind nur noch einzelne an Bord. Somit sind vornehmlich die Vertiefung der bereits bekannten Verfahren im Mittelpunkt während einzelne immer wieder an den jeweils nächsten Schritt herangeführt werden.


Mathe und Englisch

Sonstiges:

Mit Basteln und Malen möchten wir Kreativität der einzelnen fördern. Die freudestrahlenden Gesichter als sie Bemerkten, dass Ihre Bilder und Origami-Tiere den ehemals tristen Klassenraum schmücken waren jede Minute Vorbereitung wert.

Neben den Bildungsthemen stehen auch Hygiene und generelle Sauberkeit auf dem Plan. So kontrollieren wir regelmäßig die Zimmer und lassen alle gemeinsamen Zähne putzen oder Hände waschen. Auch Duschen und das Waschen der Mönchskutten sollte zukünftig regelmäßig gefordert werden, da der ein oder andere schon ein leichtes Düftchen versprüht und wir von unseren Vorgängern wissen das hier gerne auch mal ein Pilz oder sonstige Hautkrankheiten aufgrund mangelnder Hygiene auftreten. Letztere wurden durch unsere Vorgänger schon stark eingedämmt.


Kollektives Zähneputzen nach dem Mittagessen
Wie lange noch?
Ist auch alles aufgeräumt?
Glück gehabt, das Zimmer ist aufgeräumt

Viele der Lernpunkte werden mit Spielen und Wettkämpfen verschiedenster Art verbunden, sodass sie vom Auswendiglernen wegkommen und die Themen spielerisch und mit Ehrgeiz verinnerlichen. Es ist immer wieder ergreifen in das freudestrahlende Gesicht zu blicken, wenn sie nach einer richtigen Antwort in vollem Lauf zu Ihrer Mannschaft zurückrennen.

Sollte der Klassenraum beibehalten werden würden wir uns richtige Tische wünschen. Die Sprachbarriere, da die Englischkenntnisse der Kinder gegen null tendieren ist auf der einen Seite zwar etwas hinderlich, lässt uns aber immer neue Ideen entwickeln wie wir etwas spielerisch und möglichst einfach vermitteln können.

Die Arbeit mit den Kleinen ist herausfordernd gibt einem durch die glücklichen neugierigen Gesichter gleichzeitig unheimlich viel zurück.

Clara & Max

November 19 – Januar 20

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