• Clara & Max

Trolltunga

Aktualisiert: März 10

25.07.2019

Trolltunga, oder übersetzt Trollzunge ist, wie könnte es anders sein ein Fels der aus dem Berg herausragt, gibt es hier wohl öfter und in verschiedensten Variationen. Zu diesem Meisterstück der Natur soll uns eine 14 Kilometer lange Wanderung führen. Da wir bei den ersten zwei Wanderungen schon so einiges gelernt hatten, starteten wir, als nun erfahrene Alpinisten, in die Vorbereitung. Zur Abhärtung hatten Clara und ich im eiskalten Bergsee (12°C laut Thermometer) gebadet während Jonas sich auf dem danebenliegenden Campingplatz eine warme Dusche gönnte. Da wir auf alles vorbereitet sein mussten (siehe Kjerag Bolten) haben wir uns trotz guter Wettervorhersage dazu entschlossen auch Kleidung für den Worst-Case einzupacken. Die Rucksäcke waren gepackt und schon ging mit unserem Bus los in Richtung Start der Tour. Die Parkplatzsuche war nach kurzweiligen eineinhalb Std. beendet und so machten wir uns gegen 14 Uhr auf, zur bis jetzt größten Wanderung. Bei weit über 30°C und strahlendem Sonnenschein marschierten wir mit Regen-, Fleece- und Daunenjacken sowie langer Unterwäsche und Mützen in unseren gnadenlos überladenen Rucksäcken los. Auf frisch geteerter Straße, Serpentine für Serpentine schlängelten wir uns nach oben, also fast, denn nahezu jeder noch so kleine Schatten wurde zur Pause genutzt. Es war einfach nur heiß und die Rucksäcke wurden Meter für Meter schwerer. Nach drei qualvollen Kilometern unter sengender Sonne, kurz vor dem Parkplatz für die faulen und reichen (90 €/Tag) hatten wir es geschafft, wir waren oben, also die ersten 400 von fast 1200 Höhenmetern. Der nächste noch schlimmere Anstieg lies keine halbe Stunde auf sich warten, hier kletterten wir unter der mittlerweile brennenden norwegischen Mittagssone nochmals fast 400 Höhenmeter, diesmal aber auf nur einen Kilometer verteilt, hinauf. Naja, das schlimmste hatten wir damit wohl gleich zu Anfang erledigt und wir hatten uns auf eine gemütliche Wanderung mit schöner Aussicht auf dem Hochplateau eingestellt.


(Für weitere Bilder: Pfeil nach rechts)



Das Schild welches uns mitteilte, dass wir noch 8 Kilomter vor uns haben holte uns aber schnell zurück in Realität. Die teils schmerzverzerrten Gesichter, der uns ins Scharen entgegen strömenden Wanderer ließen auf nichts Gutes schließen. Die Sicht war atemberaubend, aber nach mittlerweile fast fünf Stunden, wollten wir nur noch ankommen und hatten kein Auge mehr für alles um uns herum. Als wir gerade überlegten ob wir in einen der kühlen Bergseen springen sollten, um unser Überleben zu sichern und nicht komplett zu dehydrieren, rief Jonas an, um mitzuteilen er sei angekommen und es wäre so spektakulär, dass er, ohne es zu merken, einfach daran vorbeigelaufen war und ihn erst ein anderer Wanderer fragen musste, ob er nicht zu Trolltunga wolle, bis er gemerkt hat, dass er schon längst dran vorbeigelaufen war. In nun „freudiger“ Erwartung mobilisierten wir also die letzten Energiereserven und „spurteten“ die letzten zwei Kilometer bis zum Ziel. Geschafft aber glücklich nutzen wir die Gelegenheit, da fast niemand dort war und schossen sofort ein paar Bilder auf dem Stein.


Jonas hatte derweil etwas weiter schon die Zelte aufgebaut, nachdem wir allerdings zu dem Schluss kamen, dass die Stellte schlecht gewählt war bauten wir alles wieder ab und schlugen unser Lager 200 Meter entfernt erneut auf.



Die richtige Entscheidung wie sich noch zeigen sollte, denn die ehemaligen Nachbarn fielen, als wir in der Abendsonne nochmals zum Trolltunga wackelten, durch ihre liebenswerte und rücksichtsvolle Art nicht weiter auf. Eine etwa 20-köpfige Gruppe Russen welche mit einem Kuchen aus Wurst, dem ein oder anderen Kurzen und „etwas“ riskanten Kunststücken (es geht hier auch hunderte Meter senkrecht nach unten) für Stimmung sorgten und den Stein belagerten. Glücklicherweise ist es ja sehr lange hell und wir konnten nach diversen Tanzeinlagen und sonstigen Aufführungen auch nochmal auf die Zunge klettern. Als wir gerade gehen wollten bescherten uns zwei Franzosen noch einen tollen Anblick, als sie nur mit Hut und Schuhen bekleidet ins Rampenlicht der untergehenden Sonne stapften.


Die erste Nacht im Zelt war etwas windig aber sonst nicht der Rede wert. Gegen 11 Uhr am nächsten Tag traten wir den Rückweg an und ich hatte mir überlegt, dass ich vielleicht nochmal ein Bild ganz vorne machen wollte. Als wir dann aber vorbeiliefen standen bereits über 100 Leute Schlange um ein Foto zu bekommen. Das erleichterte mir die Entscheidung und wir machten uns ohne Foto auf Richtung Parkplatz. 14 Kilometer vom Tag davor in den Beinen und wieder bereits über 30°C machten den Rückweg noch nervenaufreibender und anstrengender als den Hinweg.



Nach einigen Pausen und etwas gutem zureden kamen wir nach etwas über 5 Stunden mit, in den Socken kochenden Füßen, schmerzenden Rücken und etwas verbrannter Haut total geschafft am Auto an. Der, zuvor heiß ersehnte, Sprung in den Bergsee neben dem Parkplatz entpuppte sich als so eiskalte Überraschung, dass sie nach 2 Sekunden schon wieder vorbei war und wir nach einer warmen Dusche und einem nahrhaften Mahl suchten. Nun hieß es erst mal Wunden lecken und erholen, dass wir bald wieder fit sind für die nächste Tour :-)


Liebe Grüße Clara & Max


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