• Clara & Max

Usbekistan, du Perle der Seidenstraße, aber wo zum Geier gibt’s da Sprit?

Der geplante Grenzübergang von Tadschikistan nach Usbekistan war leider kein internationaler Posten und so gurkten wir etwas angefressen über eine marode Landstraße 60 Kilometer an der Grenze entlang zu einem Zollhäuschen, welches sich unserer Annehmen sollte. Die Ausreise war kurz und schmerzlos und nach einem kurzen Plausch mit den Kontrolettis durften wir ausreisen.


Falsche aber sehr schöne Grenze

Da wir scheinbar einen höheren Stellenwert als der normale Grenzgänger aus den angrenzenden Ländern genießen, wurden wir auf usbekischer Seite nach kurzer Wartezeit an der kompletten Schlange vorbeigeleitet und durften nach nur ein paar Minuten das Dekontaminationsbecken durchfahren.

Der erste Check in Usbekistan Autotüre auf, Türe zu. Easy! Wenn das so weiter geht, wird das eine lockere Nummer.

Nach einer Kurve kam dann doch die Ernüchterung, denn vor uns lag die Kontrolle. Plötzlich wurde es etwas lauter, über die Lautsprecher kamen unverständliche Durchsagen und die Leute vor uns fingen an wie wild herumzufuchteln und wollten wohl auf etwas aufmerksam machen. Scheinbar hatte ich in meiner Euphorie über die einfache Kontrolle, eine Videokontrollstelle zu schnell passiert. Also nochmal 300 Meter zurück und so lange warten bis die Lautsprecher verstummten. Die Aufregung konnte ich zwar immer noch nicht nachvollziehen, aber nun schienen alle zufrieden zu sein.

Vor uns in der Schlange standen Acht Autos und so schlenderten wir in aller Ruhe zur Passkontrolle. Der scheinbar einzige und auch nur gebrochen englischsprechende Beamte beförderte uns sofort wieder an allen Schlangen vorbei und so standen wir nach nicht einmal fünf Minuten in Usbekistan.

Allerdings ohne Auto.

Es war weder eine englische noch russische Version der Zollerklärung vorhanden und so wurden unsere Papiere mal wieder an allen Wartenden vorbeigeschleust und vom Beamten selbst ausgefüllt. Während dieser sichtlich mit dem deutschen Fahrzeugschein zu kämpfen hatte, versuchte ich so unauffällig wie möglich die direkt neben mir durchgeführte Fahrzeugkontrolle zu beobachten. Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter, die Jungs vom Zoll waren mit vier Beamten, einem Hundeführer mit Spürhund und einem Aufseher dabei die Autos komplett zu zerlegen. Die Innenverkleidung lag an der Seite, das Reserverad wurde geröntgt und das Armaturenbrett wurde ausgebaut. Die Idee mit dem Schmiergeld für die, in Usbekistan, illegale Drohne und einem netten Lächeln konnten wir uns also abschminken. Ich betete nur, dass wir nicht unsere Holzverkleidung oder Isolierung von der Wand reisen mussten.

Während ich noch überlegte was wir am Plan ändern könnten, schrie plötzlich ein etwas überdimensionierter Zöllner mit einem ebenso unverhältnismäßig großen Schäferhund in meine Richtung. „Auf die Fresse, auf die Fresse bam bam!“. Na danke, wir wollten auf unwissend tun und nichts verstehen, weder Englisch noch Russisch noch sonst irgendwas und jetzt schreit mich der Typ über fünfzehn Meter in so gutem Deutsch an, dass ich meinen könnte, dass ich im Frankfurter Bahnhofsviertel den falschen Typen angerempelt hätte. Lachend erzählte er vom Studium in Dortmund und wie er sich freute endlich deutsch reden zu können, wie er es von dort gewohnt war und nicht wie die Kulturreisenden Rentner es ertragen würden. In einer anderen Schlange gab es etwas Stress und er musste mit seinem Mutantenhund Abrücken, unsere Papiere waren mittlerweile fertig ausgestellt, zwar waren mindestens die Hälfte der Angaben falsch, aber fertig und daher akzeptabel.


Richtige aber nervige Grenze

Während wir warteten, sahen wir gespannt zu wie alle um uns herum Ihre Autos komplett ausluden und die komplette Ladung, also auch die übliche, mit Spanngurten und Folie befestigte Containerladung auf gewöhnlichen PKWs durch den Röntgenscanner neben der Passkontrolle schleppten. Auf der anderen Seite der Grenze stapelten sich daher meterhohe Gepäcktürme. Das machen wir sicher nicht, dann sind wir in 3 Tagen noch hier! Ohne zu wissen, ob die Grenze Öffnungszeiten hat spekulierten wir darauf die letzten des Abends zu sein und wieder Mal vom Ausländerbonus zu profitieren. Hinter uns war schon länger kein Auto mehr eingetroffen und so wähnten wir uns in Sicherheit. So warten wir einige Stunden und verbrachten unsere Zeit mit Lesen, Schreiben, Abendessen und dem unendlichen umpacken der Drohne.

Als wir schließlich nur noch zwei Fahrzeuge vor uns waren, kam ein Beamter und deutete uns an, dass wir aus der Schlange müssen und zum Röntgen fahren sollen. Hier mussten wir zur Abwechslung wieder warten, es war inzwischen Nacht und empfindlich kalt geworden. Während wir warteten analysierten wir fachmännisch die an einen LKW geschnallte Röntgenanlage. Wir kamen zu dem Schluss, dass diese nur von seitlich durchleuchtet und wahren beruhigt. Die Drohne war mittlerweile mit allen Akkus und Batterien, die wir finden konnten im Rucksack neben den Wassertanks verstaut. Piepsend und langsam setzte sich das Röntgenungetüm in Gang. Auf Nachfrage, ob ich Bobbys Röntgenbild sehen durfte wurde ich überraschenderweise tatsächlich in den LKW gebeten und durfte den Herren den ein oder anderen Schwarzen Schatten erklären. Es ist erstaunlich und erschreckend zugleich wie genau dieses Monstrum unseren Bobby sezierte. Viele kleine Einzelteile wie Schalter oder Batterien waren detailliert zu erkennen. Von der Drohne war dank der frisch gefüllten Wassertanks allerdings nichts zu sehen und ich konnte mich etwas entspannen. Für Anspannung auf Seiten der Beamten sorgte allerdings ein, wie eine Zeichentrickbombe wirkender kreisrunder und pechschwarzer Schatten in der Größe eines Fußballs auf dem Bett. Die Erklärung, dass es sich um eine Wassermelone und nicht um eine Bombe handelte, beruhigte die Beamten. Nachgeschaut haben Sie allerdings nicht.


Röntgenaugen auf Rädern

Die restlichen Erklärungen der verschiedene dunklen Flecke waren auch schnell akzeptiert und so durften wir uns wieder anstellen und warten, dieses Mal allerdings für eine voll ausgeleuchtete Halle und ohne einen der Beamten, mit denen wir im Laufe der Zeit schon das ein oder andere Schwätzchen geführt hatten.

Als wir nach einer weiteren Ewigkeit nun als Nächstes an der Reihe gewesen wären, wurde ich wegen fehlender Stempel auf einem zigarrengroßen Papierstreifen wieder zur Passkontrolle geschickt die mir klarzumachen versuchten, dass ich keinen Stempel im Pass bekommen kann, ohne einen Stempel auf dem Zettel zu haben. Dass ich faktisch diesen Stempel im Pass hatte, schienen Sie mit Ihren Denkmustern nicht vereinbaren zu können und so musste schließlich der Oberaufseher anrücken, um den Fresszettel abzustempeln.

Zu diesem Zettel möchte ich anmerken, da diese an fast allen Grenzen vorkommen und essenziell für die Einreise sind, dass diese aus den Rückseiten nicht mehr benötigter Unterlagen gefertigt werden und dort Passbilder oder Passnummern wildfremder Leute auftauchen scheint niemanden zu stören. Die Zettel sind maximal 5cm² groß und werden einem an einen nicht definierten Punkt meist unbemerkt in den Pass gesteckt. Dass, wenn man nicht weiß, dass man hier einen Stempel benötigt, diesen nicht einholen kann scheinen Grenzbeamte nicht zu verstehen. Daher nutzen Sie dieses feuerresistente System an nahezu jeder Grenze in Zentralasien.

Zurück in der Halle waren natürlich schon andere vor uns an der Reihe gewesen. Soweit nachvollziehbar, dass sich aber weitere Autos vordrängelten war nicht wirklich nachzuvollziehen. Eine auf Englisch vorgetragene Beschwerde brachte uns aber auch nicht weiter.

Nachdem weitere drei Autos vor uns in die Halle durften, wurden wir schließlich doch herein gewunken und während Clara und Jonas vor der Türe warten mussten bugsierte ich Bobby über die Grube. Vier Mann mit Handschuhen, Spiegeln, Taschenlampen und einem gesamten Werkzeugkasten bewaffnet standen Gewehr bei Fuß vor Ihrem Aufseher und einem Hundeführer samt Hund und warteten, bis sich die Schiebetüre öffnete.

Mit einem breiten Lächeln, dass mir fast die Mundwinkel einrissen und so freundlich, dass mir selbst davon schlecht wurde, schob ich die Türe auf und begrüßte alle mit Handschlag. Den Beamten stand trotz meiner freundlichen Begrüßung das pure Entsetzen ins Gesicht geschrieben, dieses wandelte sich nach einer starken Minute in Verzweiflung und sichtbare Angst vor der sich auftuenden Aufgabe. Normalerweise bekommen sie schon komplett leere Fahrzeuge oder verplombte LKWs vorgesetzt und nun einen bis unters Dach vollgestopften Camper.

Der latent aggressive Hundeführer jagte seinen schlecht frisierten Pudelmischling durch den Innenraum während ich einem anderen erklärte wie er den Luftfilter ausbauen kann, ohne dabei den halben Motor auseinander zu nehmen. Den Schraubenschlüssel zu Demontage der kompletten Filtereinheit hatte er schon angesetzt als ich intervenierte und ihm die zwei notwendigen Griffe zeigte. Weiter ging es im Innenraum, zuvorkommend machte ich den Herren erstmal Licht und versuchte die Aufmerksamkeit auf die, selbstverständlich nicht deklarierten Medikamente und das fließende Wasser zu lenken. Letzteres schien zumindest einem der Beamten ein Rätsel zu sein und zumindest für die Zeit der Kontrolle auch zu bleiben. Während einer der Kontrolleure versuchte mich in ein Gespräch zu verwickeln damit die anderen ungestört stöbern können, rettete uns die Wassermelone auf dem Bett, denn sie lag plötzlich im Fokus aller Beamten und sorgte schlussendlich doch noch für etwas Heiterkeit bei den etwas angespannten Genossen. Die beiden zum Bersten vollgestopften Rucksäcke auf dem Bett direkt neben der Melone ließen sie zum Glück völlig kalt. Claras leerer Rucksack unter dem Vordersitz wurde als Ausgleich komplett zerlegt. So zeigt sich wieder einmal, dass das offensichtliche doch das beste Versteck ist! Nach einer guten halben Stunde gaben Sie auf und ein „ok, go Mister, welcome to Usbekistan“ vom Aufseher erlöste uns. Innerlich Luftsprünge machend bedankte ich mich artig und fuhr Bobby langsam aus der Halle.

Wir hatten uns schon vor einem "fairen" Tribunal gesehen, welches uns Spionage Schmuggel Menschenhandel oder sonstiges zur Last legt und uns mit öffentlichem Auspeitschen und 100 Stockschlägen davonziehen lässt. Aber nun waren wir tatsächlich drin, ohne Stress nur sieben Stunden an der Grenze gewartet und nichts abschrauben oder ausladen müssen.

Auch wenn wir dachten der Touri Bonus gilt nicht mehr müssen wir zusammenfassend sagen, wir hatten ziemlich Glück gehabt.

Da es schon später war als gedacht und vor allem stockdunkel, suchten wir uns einen Schlafplatz, der erste Feldweg war eine Niete und so durften wir einen guten Kilometer rückwärts wieder Richtung Hauptstraße fahren. Der zweite Anlauf klappte besser und wir parkten Bobby etwas schräg aber von der Straße aus nicht sichtbar in einem Busch.

Am Morgen weckte uns ein, sich um uns sorgender Hirte mit seinen Kühen, welche den Bus etwas ins Wanken brachten. Zum Frühstück verfütterten wir unsere restliche Melone an einen scheuen und ausgehungerten Hund, welcher sich sichtlich darüber freute und etwas zutraulicher wurde. Bevor wir losfuhren verhalf ihm sein trauriger Blick auch noch zu einer Portion Nudeln und einer kleinen Streicheleinheit.


Usbekische Buschkühe

Melonenhund

Gegen Mittag kamen wir bei strahlendem Sonnenschein in Samarkand an und machten uns auf die Suche nach Internet. Nachdem Bogdan uns, wir hätten es am Namen eventuell schon merken können, erstmal gehörig abgezogen hatte durften wir ins Hauptquartier des Telefonanbieters U-Cell watscheln und eine Nummer ziehen. Bis der Manager des Unternehmens uns schließlich einen Zugang zur Außenwelt hergestellt hatte, war es schon wieder Zeit fürs Abendessen und wir suchten uns ein usbekisches Restaurant. Eines wollte uns, da wir nicht in feinem Zwirn gehüllt dort aufschlugen, einen Platz im Garten anbieten, welcher eher nach nicht bewirteter Bahnhofskneipe aussah. In einem anderen lief derart laut Musik, dass wir uns nur mit Handzeichen zum Gehen verständigen konnten. Im „Altstadt“ (auf Deutsch geschrieben) Restaurant fanden wir dann schließlich ein Plätzchen für den Mittlerweile nicht mehr so kleinen Hunger.


Das es viel Fleisch geben würde war klar, aber dass die von Clara bestellten Pommes mit einem zusätzlichen guten Pfund Fleisch daherkommen und unser Schaschlikspieße gegen den kleinen Hunger aus sechs reinen Fettstücken ohne jegliches Fleisch bestehen, damit hatten wir nicht gerechnet. Zum Glück kam die bestellte Pepsi in der Zweiliterflasche und so konnten wir das leckere aber fettige essen gut herunterspülen. Nur leicht überladen fielen wir ins Bett.

Das Hotel mit Gemeinschaftsbad erledigte die notwendige Registrierung und so konnten wir ohne bürokratischen Stress am nächsten Tag in Stadt wie aus den Geschichten um 1001 Nacht starten.


Abgesehen davon, dass alles schräg und mit einem nicht nachvollziehbaren Überhang gebaut wurde, waren alle unserer Anlaufstellen beeindruckend. Wenn man sich vor Augen führt mit welchen einfachen Mitteln damals solche Meisterwerke entstanden, kommt man wirklich ins Staunen. Hier müssen auch nicht viele Worte verloren werden, denn die Bilder können die blau glänzenden Kacheln und Mosaike der Bauwerke mit Ihren lauschigen Innenhöfen deutlich besser wiedergeben als meine dilettantischen Beschreibungen.


Samarkand


Weiter ging es nach Buxoro, welches im Vergleich zum recht weitläufigen Samarkand sehr handlich wirkte, da alles Sehenswerte im Zentrum und zu Fuß nur wenige Minuten oder Schritte entfernt liegt. Auf den Basaren in den alten Gemäuern fühlt man sich abgesehen von den teils ramschigen Souvenirs, zwischen Teppichhändlern, Gewürzverkäufern oder Goldschmieden und sonstigen Handwerkern fast wie im längst vergangenen Persien und die Magie der ehemaligen Seidenstraße liegt immer noch fast greifbar in der Luft der verwinkelten sandfarbenen Gassen und Gebäuden. Ein usbekisches Abendessen mit Blick auf die herrlich beleuchtete Moschee und zugehörigem Turm rundeten den Tag im Orient noch vollends ab.



Buxoro

Am nächsten Tag verbrachten wir den gesamten Vormittag damit durch die Gassen zu wandern um ein Hotel oder Hostel zu finden welches unsere Registrierung vornimmt, ohne dass wir ein massiv überteuertes Zimmer buchen mussten. Diese Registrierung muss man ab dem dritten Tag, jeden Tag vornehmen, das machten wir zwar nicht, aber die Regel ist etwas schwammig formuliert und wir waren uns sicher uns mit einer Registrierung alle drei Tage im Notfall herausreden zu können. Wenn man bedenkt, dass alle bis dahin erhalten Registrierungen eine falsche Passnummer auswiesen war es vermutlich sowieso egal. Nach drei Stunden erfolgloser Sucher erbarmte sich schlussendlich ein Hostel Besitzer und registrierte uns für 5 US-Dollar pro Person und eine gute Rezession bei Google. Das war zwar teuer, aber immerhin erledigt.

Wenn man nach vorne schaut, könnte man meinen es seien dampfbetriebene Lokomotiven, die vor einem mit Schienen über die Schlaglochpisten getragen werden. Wenn man es allerdings schafft durch die weißen, über die Straße wabernden Schwaden zum Führerhaus aufzuschließen, kann man die Umrisse längst vergangener Hochzeiten der sowjetischen Ingenieurskunst erahnen. Steht der Wind zudem günstig erscheinen aus dem Nebel langsam antike LKWs mit roten und sicherlich TÜV geprüften Gas Tanks auf dem Dach. PKW haben diese Tanks meist im Kofferraum oder falls hier zu wenig Platz ist auch gerne unter die Stoßstange um gekonnt und sicherheitsbedacht die Bodenfreiheit zu maximal zu minimieren, was bei den Schlaglöchern und Spurrillen sicher für die ein oder andere explosive Überraschung sorgt. Diese kleineren Gefährte ziehen nicht zwingend kleinere Schwaden hinter sich her wie die Großen LKWs.

Warum ich das erzähle? Weil wir Diesel brauchen, aber Diesel gibt es nicht.

Nirgends!


Was stimmt denn hier nicht. Baumwollernte hin oder her, aber es kann doch nicht angehen, dass es einfach keinen Diesel gibt. Propan, Methan, Butan, Uran, all das brennen uns riesige Reklamen aufgrund Ihrer dezenten Farbwahl schon Kilometer entfernt auf die Netzhaut.

Aber kein verfluchter Diesel!

Hin und wieder wurde uns auf die Nachfrage nach Diesel nicht nur einmal Benzin angeboten. Kurz überlegte ich zwar ob Bobby es überhaupt merken würde, wenn wir ihn etwas austricksen würden.

Beim Gedanken daran, wie auch hiesige Benziner mehr schlecht als recht mit dieser Plörre laufen, wanderten alle finsteren Pläne sofort wieder in die Schublade.

Die Oktanzahlen dieser gräulichen Gemische liegen im mittleren Prozentbereich, sodass E10 hier bei Shell V-Power Ultra für den dreifachen Preis verkauft werden könnte.

Nach etwas über zwanzig Tankstellen immer noch kein Erfolg.

Mit derselben Geschwindigkeit wie die Tanknadel in Richtung des roten Bereichs rauschte, rauschten wir an einer Tankstelle mit exakt einer Zapfsäule vorbei. Wenn Clara nicht darauf bestanden hätte umzudrehen und nachzufragen,, hätten wir vermutlich anfangen müssen die nicht sonderlich verbreiteten LKW um Diesel anzuschnorren und diesen dann wie ein Sommelier aus dem Tank zu Schläucheln. Aber es gab Diesel!

Die einsame Zapfsäule hatte zwar keine direkte Zapfpistole aber einen so langen Schlauch zur Straße, dass man mit dem LKW bequem und eine Fahrspur blockierend direkt auf der Straße tanken kann.


Haben wir wieder mal Glück gehabt und so fuhren wir mit vollem Tank in Richtung Sonnenuntergang.

Unser nächstes Ziel war Xiva, hier quartieren wir uns für 7 US-Dollar (inklusive Registrierung und Frühstück) im Hostel ein. Die von einer Stadtmauer umgebene Altstadt war noch handlicher als Buxoro und so brachen wir nach einem kurzen Zwischenstopp zum Sightseeing auf in Richtung Kasachstan.


Xiva


Die ersten Kilometer waren auf Perfekten Straßen, doch die letzten 100 Kilometer waren von so hervorragender Qualität, dass wir fast ausschließlich neben der Straße im Sand fahren durften. Als Erinnerung an die schöne Fahrt sammelte sich der aufgewirbelte Staub zentimeterhoch überall dort wo man Ihn sich sicher nicht wünscht.

Je länger wir auf bzw. neben dieser Piste fuhren, desto mehr zerstörte Anhänger, Autowracks und Reifen säumten die Straße. Eine Panne bei dem gefahrenen Tempo und der Ladung wunderte uns schon nicht mehr. Denn wenn der Anhänger im 1 zu 10 Verhältnis von Grundfläche zu Höhe gefüllt ist und die Stoßdämpfer beim Parken eines weiteren Autos auf dem Dach der Zugmaschine nicht mehr weiter nachgeben können, dann wird noch ein mannshoher Kühlschrank inklusive Tiefkühlabteil auf die Deichsel des Gespanns geklebt.


So kommt es immer wieder vor, dass Personen mit einem kompletten Hausstand einschließlich Fahrräder, Bügelbrett und Stahlofen am Straßenrand neben Ihrem kaputten Anhänger stehen und Trampen.


Ich versuchte die Wahrscheinlichkeit auf eine Mitfahrgelegenheit mit einem Kühlschrank und Schlafcouch am Kreuz Stuttgart im Kopf zu ermitteln und kam zu einem gegen null tendierendem Ergebnis.

Hier in Usbekistan funktioniert es allerdings!

Die Habseligkeiten werden auf andere, schon auf dem Zahlfleisch daherkommende Vehikel geladen und abgeht die wilde Fahrt.


Das absolute Highlight war leider so schnell vorbei, wie es gekommen war.

Es staubte, qualmte und quietsche, aber wir konnten nichts erkennen. Für einige Sekunden bot sich uns die Einsicht in bisher unbekanntes Level der Kreativität.

Ein Cyborg!

Das Beste aus zwei Welten vereint, wie Schlüsseldienst und Schuhreparatur, so kam es daher.

Ein Anhänger halb Schlitten und halb Straßengefährt, für alle Eventualitäten mit Kühlschrank, Couch und weiterem Kram gerüstet. Das linke Rad des einachsigen Gefährts wurde wohl durch die Überladung hinweggerafft, aber anstatt es seinen wartenden Kameraden gleichzutun oder gar den Reifen zu wechseln, wurde das abhandengekommene Rad durch eine, aus einem kleinen Baum bestehende Kufe ersetzt.

Unbeeindruckt ob des fehlenden Reifens donnerte der Genosse mit annähernder Schallgeschwindigkeit an uns vorbei. Zu kurz um zu realisieren was wir da gerade gesehen hatten! Der Geruch von angebranntem Holz lag noch eine Weile in der Luft.


Wenn wir jetzt die Augen schließen sehen wir noch die Funken, die in alle Richtungen davonstoben.



Sachgutachter: "Ein Kühlschrank geht noch, da sind noch mindestens 3cm Spiel"

Nimmste mich mit? hab auch nur Handgepäck!

Und schon waren wir an der Grenze.


Die Ausreise war ähnlich penibel wie die Einreise und wieder mal durfte ich Bobby, nachdem wir an der Reihe waren zum Röntgen fahren. Die Kontrolleure waren dieses Mal nur zu zweit aber dafür nicht weniger genau. Einer prüfte sogar die Kamera und durchsuchte diese nach illegalen Bildern, der andere roch derweil an jedem unserer Gewürzgläser.

Als sie gerade Anstalten machten aufzugeben, fiel Ihnen doch noch das Fach mit der Drohne ins Auge und der jüngere der Beiden stieg wieder in den Bus. Zum Glück war dort auch die nicht deklarierte Medizin und diese lenkte Ihn gerade so lange ab bis seinen Chef von draußen rief es reicht, die Drohne zwar schon im Blick aber nicht wissend was in der Tasche ist, stieg er wieder aus. Erleichtert machte ich drei Kreuze und lenkte Bobby in Richtung meiner wartenden Passagiere.


Wie der Tranist im Tranist durch Kasachstan und Russland verlief und ob Jonas sich wegen den Tschetschenen im Bad eingesperrt hat, erfahrt Ihr im nächsten Beitrag

Liebe Grüße


Clara, Max & Jonas

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